Das Buch zu einem der besten Filme des Jahres 2008
Lässt man die Filme des Jahres 2008 Revue passieren, so ist es vor allem immer wieder ein Werk, das es geschafft hat, viele Menschen zu fesseln und zu faszinieren: Ari Folmans animierter Dokumentarfilm Waltz with Bashir, der im Stile und mit den Mitteln eines Comics den Massakern in den beiden palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila auf den Grund geht. Im Züricher Atrium Verlag ist nun der Comic zu dem Film erschienen und wirkt auf den ersten Blick wie eine sehr sorgfältig gemachte Vorstufe zum Film. In Wirklichkeit entstand der Comic erst nach dem Film, was der Kunstfertigkeit und emotionalen Wucht der wahren Geschichte aber keinen Abbruch tut. Selbst ohne die Dynamik des bewegten Bildes fesselt und packt die gezeichnete Version des Films vom ersten bis zum letzten Bild.
Wie der Film, so beginnt natürlich auch der Comic mit jener Traumsequenz, die bereits den furiosen Auftakt für den Film bildete: Nacht für Nacht wird Boaz Rein von dem Anblick von 26 blutrünstigen Hunden aufgeschreckt, die sich auf die Suche nach ihm begeben haben und die ihn töten wollen. Als er diesen Traum seinem Freund Ari erzählt und dies in Verbindung mit dem Militäreinsatz im Libanon im Jahre 1982 bringt, muss jener feststellen, dass er die Ereignisse von damals beinahe vollständig verdrängt hat. Die Seelenqualen seines Freundes und früheren Kameraden bei der Armee aber lösen auch bei Ari einen schmerzvollen Prozess des Erinnerns aus, an dessen Ende die schreckliche Erkenntnis steht, bei den Massakern durch christliche Milizen in den Flüchtlingslagern von Sabra und Shatila tatenlos zugesehen und diese unterstützt zu haben – eine Schuld, die nun nach vielen Jahren wieder ans Licht der Erinnerung drängt. Und am Ende dieser beinahe psychoanalytischen Reise in die eigene Vergangenheit verdichten sich die expressiv gezeichneten Bilder in Bilder der Wirklichkeit, wenn die Opfer der Massaker noch einmal aufs Grausamste verdeutlichen, wie viel Wahrheit und Schmerz in einem Comic stecken kann.
Zeitgeschichte in Farbe und Stil an die Bildsprache der Comics angelehnt mögen für die Filmwelt etwas Neues sein – in der Welt der gezeichneten Geschichten haben sie sich längst etabliert und dabei allerhand Bemerkenswertes hervorgebracht. Erinnert sei hier an Art Spiegelmans 1992 erschienene Geschichte Maus – Die Geschichte eines Überlebenden, einer Auseinandersetzung mit der Shoa oder an Werke von Jacques Tardi. Einen ähnlichen Weg wie Ari Folman, der die Brücke schlägt zwischen anspruchsvollen und engagierten Comics und dem Film, hat die aus dem Iran stammende Autorin Marjane Satrapi mit ihrem ebenfalls stark autobiographischen Werk Persepolis eingeschlagen – wobei hier der Comic vor dem Film entstand.
Der weltweite Erfolg von Waltz with Bashir und die unzähligen Auszeichnungen wie beispielsweise der Golde Globe oder der César zeigen deutlich, dass Comics und auch Animationsfilme sich längst aus der engen Beschränkung auf Family Entertainment befreit haben. Dass man mit diesen Erzählformen Themen wie Krieg, Grausamkeit und Traumata auf erfrischende Weise neu und anders – und wie Waltz with Bashir deutlich macht – vielleicht sogar besser und wirkungsvoller erzählen kann.
Wie der Film, so beeindruckt auch der Comic, den Ari Folman gemeinsam mit David Polonsky, dem künstlerischen Leiter und Chefillustrator des Filmes veröffentlicht hat, durch den reduzierten Strich, durch ausgeklügelte Farbstimmungen und durch Bilder, die ein Minimum an Dialog erfordern und trotzdem die Geschichte wirkungsvoll auf den Punkt bringen.
Auch wenn am Film, der übrigens in wenigen Tagen, am 8. Mai in Deutschland als DVD erscheinen wird, kein Weg vorbeiführt – dieses Buch zum Film verfehlt seine Wirkung selbst auf jene Leser nicht, die den Film noch nicht kennen.
(Joachim Kurz)
Wie der Film, so beginnt natürlich auch der Comic mit jener Traumsequenz, die bereits den furiosen Auftakt für den Film bildete: Nacht für Nacht wird Boaz Rein von dem Anblick von 26 blutrünstigen Hunden aufgeschreckt, die sich auf die Suche nach ihm begeben haben und die ihn töten wollen. Als er diesen Traum seinem Freund Ari erzählt und dies in Verbindung mit dem Militäreinsatz im Libanon im Jahre 1982 bringt, muss jener feststellen, dass er die Ereignisse von damals beinahe vollständig verdrängt hat. Die Seelenqualen seines Freundes und früheren Kameraden bei der Armee aber lösen auch bei Ari einen schmerzvollen Prozess des Erinnerns aus, an dessen Ende die schreckliche Erkenntnis steht, bei den Massakern durch christliche Milizen in den Flüchtlingslagern von Sabra und Shatila tatenlos zugesehen und diese unterstützt zu haben – eine Schuld, die nun nach vielen Jahren wieder ans Licht der Erinnerung drängt. Und am Ende dieser beinahe psychoanalytischen Reise in die eigene Vergangenheit verdichten sich die expressiv gezeichneten Bilder in Bilder der Wirklichkeit, wenn die Opfer der Massaker noch einmal aufs Grausamste verdeutlichen, wie viel Wahrheit und Schmerz in einem Comic stecken kann.
Zeitgeschichte in Farbe und Stil an die Bildsprache der Comics angelehnt mögen für die Filmwelt etwas Neues sein – in der Welt der gezeichneten Geschichten haben sie sich längst etabliert und dabei allerhand Bemerkenswertes hervorgebracht. Erinnert sei hier an Art Spiegelmans 1992 erschienene Geschichte Maus – Die Geschichte eines Überlebenden, einer Auseinandersetzung mit der Shoa oder an Werke von Jacques Tardi. Einen ähnlichen Weg wie Ari Folman, der die Brücke schlägt zwischen anspruchsvollen und engagierten Comics und dem Film, hat die aus dem Iran stammende Autorin Marjane Satrapi mit ihrem ebenfalls stark autobiographischen Werk Persepolis eingeschlagen – wobei hier der Comic vor dem Film entstand.
Der weltweite Erfolg von Waltz with Bashir und die unzähligen Auszeichnungen wie beispielsweise der Golde Globe oder der César zeigen deutlich, dass Comics und auch Animationsfilme sich längst aus der engen Beschränkung auf Family Entertainment befreit haben. Dass man mit diesen Erzählformen Themen wie Krieg, Grausamkeit und Traumata auf erfrischende Weise neu und anders – und wie Waltz with Bashir deutlich macht – vielleicht sogar besser und wirkungsvoller erzählen kann.
Wie der Film, so beeindruckt auch der Comic, den Ari Folman gemeinsam mit David Polonsky, dem künstlerischen Leiter und Chefillustrator des Filmes veröffentlicht hat, durch den reduzierten Strich, durch ausgeklügelte Farbstimmungen und durch Bilder, die ein Minimum an Dialog erfordern und trotzdem die Geschichte wirkungsvoll auf den Punkt bringen.
Auch wenn am Film, der übrigens in wenigen Tagen, am 8. Mai in Deutschland als DVD erscheinen wird, kein Weg vorbeiführt – dieses Buch zum Film verfehlt seine Wirkung selbst auf jene Leser nicht, die den Film noch nicht kennen.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Waltz with Bashir - Der Comic zum Film
Autor:
Ari Folman, David Polonsky
Erscheinungsort:
Zürich
Erscheinungsdatum:
2009
Seiten:
128
Verlag:
Atrium Verlag
ISBN:
978-3-85535-136-7
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