Walt Disneys wunderbare Welt und ihre Wurzeln in der europäischen Kunst
Kinostart:
01.01.2005
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Noch bis 25.1.2009 ist in der Münchener Hypo-Kunsthalle in der Theatinerstraße die Ausstellung Walt Disneys wunderbare Welt und ihre Wurzeln in der europäischen Kunst zu sehen, zu der der gleichnamige Katalog erscheint. Außerordentlich anschaulich zeigt er, wie sich die Bildsprache der Disney-Filme von der europäischen Kunst und Literatur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts herleiten lässt.
Bruno Girveau und Roger Diederen, die Kuratoren der Ausstellung und Herausgeber des Begleitbandes, konzentrieren sich auf die abendfüllenden Zeichentrickfilme, die unter der Leitung Walt Disneys entstanden sind. Das heißt auf die Filme ab Snow White and the Seven Dwarfs / Schneewittchen und die 7 Zwerge von 1937 bis zu The Jungle Book / Das Dschungelbuch, der Ende 1967 einige Monate nach Disneys Tod herauskam. Ausgehend von diesem reduzierten Korpus wird die Geschichte der Inspirationsquellen des Disney-Studios rekonstruiert und die Verbindung zwischen der sogenannten hohen und der populären Kultur, dem alten Europa und Amerika dargelegt.
Zur ertragreichen Erkenntnis und zum großen Vergnügen des Betrachters bringen Buch wie Ausstellung Disneysche Werke mit solchen der abendländischen Kunst von der Gotik bis zum Surrealismus zusammen. Es wird deutlich: Gustave Doré, Honoré Daumier, Heinrich Kley, die deutsche Romantik und der Symbolismus, die englischen Präraffaeliten ebenso die altniederländische Malerei und der deutsche expressionistische Film haben Disneys Kunst wesentlich geprägt. Dafür sorgten schon die europäischen und die gut ausgebildeten amerikanischen Künstler, die Walt Disney um sich versammelte, und die ihre Einflüsse mitbrachten. So seien, schreibt Bruno Girveau, "Disneys Filme das Ergebnis einer geschickten Mischung aus seiner persönlichen Intuition einerseits und dem umfassenden Wissen einiger seiner Mitarbeiter andererseits, gestützt auf Hilfsmittel wie die gut ausgestattete Bibliothek, Filmvorführungen und fortlaufende Schulungen der Künstler innerhalb des Studios."
Im zentralen Textbeitrag des Kataloges zitiert Robin Allan den Disney-Animator Marc Davies, der sich erinnert: "Wir sahen jedes Ballett, jeden Film. Wenn ein Film gut war, sahen wir ihn uns auch fünfmal an (...) Das Cabinet des Dr. Caligari (...), Nosferatu (...), so etwas schauten wir uns an. An Metropolis (...) kann ich mich auch erinnern."
Die unglaubliche Qualität der Storyboard-Zeichnungen, weiterer Vorzeichnungen und endgültiger Cels aus dem Hause Disney lässt staunen. Ihre Gegenüberstellung mit ausgesuchten Werken der europäischen Kunstgeschichte ist anregend und ausgesprochen aufschlussreich. Ein so großes wie großartiges Buch!
(Stefan Otto)
Bruno Girveau und Roger Diederen, die Kuratoren der Ausstellung und Herausgeber des Begleitbandes, konzentrieren sich auf die abendfüllenden Zeichentrickfilme, die unter der Leitung Walt Disneys entstanden sind. Das heißt auf die Filme ab Snow White and the Seven Dwarfs / Schneewittchen und die 7 Zwerge von 1937 bis zu The Jungle Book / Das Dschungelbuch, der Ende 1967 einige Monate nach Disneys Tod herauskam. Ausgehend von diesem reduzierten Korpus wird die Geschichte der Inspirationsquellen des Disney-Studios rekonstruiert und die Verbindung zwischen der sogenannten hohen und der populären Kultur, dem alten Europa und Amerika dargelegt.
Zur ertragreichen Erkenntnis und zum großen Vergnügen des Betrachters bringen Buch wie Ausstellung Disneysche Werke mit solchen der abendländischen Kunst von der Gotik bis zum Surrealismus zusammen. Es wird deutlich: Gustave Doré, Honoré Daumier, Heinrich Kley, die deutsche Romantik und der Symbolismus, die englischen Präraffaeliten ebenso die altniederländische Malerei und der deutsche expressionistische Film haben Disneys Kunst wesentlich geprägt. Dafür sorgten schon die europäischen und die gut ausgebildeten amerikanischen Künstler, die Walt Disney um sich versammelte, und die ihre Einflüsse mitbrachten. So seien, schreibt Bruno Girveau, "Disneys Filme das Ergebnis einer geschickten Mischung aus seiner persönlichen Intuition einerseits und dem umfassenden Wissen einiger seiner Mitarbeiter andererseits, gestützt auf Hilfsmittel wie die gut ausgestattete Bibliothek, Filmvorführungen und fortlaufende Schulungen der Künstler innerhalb des Studios."
Im zentralen Textbeitrag des Kataloges zitiert Robin Allan den Disney-Animator Marc Davies, der sich erinnert: "Wir sahen jedes Ballett, jeden Film. Wenn ein Film gut war, sahen wir ihn uns auch fünfmal an (...) Das Cabinet des Dr. Caligari (...), Nosferatu (...), so etwas schauten wir uns an. An Metropolis (...) kann ich mich auch erinnern."
Die unglaubliche Qualität der Storyboard-Zeichnungen, weiterer Vorzeichnungen und endgültiger Cels aus dem Hause Disney lässt staunen. Ihre Gegenüberstellung mit ausgesuchten Werken der europäischen Kunstgeschichte ist anregend und ausgesprochen aufschlussreich. Ein so großes wie großartiges Buch!
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Walt Disneys wunderbare Welt und ihre Wurzeln in der europäischen Kunst
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2008
Seiten:
304
Verlag:
Hirmer
ISBN:
978-3-7774-4375-1
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