Veit Harlan - Goebbels' Starregisseur

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NS-Regie im NS-Regime

Oskar Roehler und Justus von Dohnányi rücken ihn mit Jud Süß - Film ohne Gewissen wieder ins Licht: den Regisseur Veit Harlan und seinen berüchtigsten Film Jud Süß aus dem Jahr 1940. Roehlers Entscheidung, die historische Wahrheit nicht eins zu eins zu übernehmen und Figuren zur Geschichte hinzuzuerfinden, bildet einen umso stärkeren Anreiz, sich mit den Geschehnissen zu befassen, wie sie sich außerhalb filmischer Dramatisierung darstellen. Aktuell bietet besonders Ingrid Buchlohs Veit Harlan - Goebbels' Starregisseur die entsprechende Gelegenheit.

Die Autorin (Die Harlans - Eine hugenottische Familie) stellt gleich zu Beginn dar, worauf sie mit der Biografie abzielt. Veit Harlan, schreibt sie, werde "vor allem nach seinen politischen Filmen, seinen öffentlichen Äußerungen und Goebbels' Tagebucheintragungen beurteilt". Davon möchte sie abrücken und anstelle dessen "seine Lebens- und Arbeitsbedingungen in der unmittelbaren Abhängigkeit des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels" in den Vordergrund der Betrachtung stellen.

Der erste Teil ihres Buches befasst sich mit Harlans Werdegang bis 1939. Als junger Schauspieler stand er seit 1924 in einem festen Engagement am Preußischen Staatstheater Berlin und habe sich 1933 von der "nationalen Erhebung" vor allem positive Impulse für das Theater erhofft, so Buchloh. 1935, als er mit Krach im Hinterhaus seine Laufbahn als Filmregisseur begann, habe er relativ frei über die Gestaltung des Filmstoffes und die Besetzung der Rollen entscheiden können. Als er später erste Eingriffe des Propagandaministeriums in seine Arbeit hinnehmen musste, habe er sich auf unpolitische Melodramen verlegt und sich dadurch der staatlichen Einflussnahme weitgehend zu entziehen vermocht. "Nicht vorhersehbar war für ihn, dass ihn gerade diese emotionalen und schicksalhaften Filme zum 'Starregisseur' machten, auf den Goebbels nicht mehr verzichten wollte."

Im zweiten Teil, der die Kriegszeit von 1939 bis 1945 umfasst, geht es um die Frage, ob Harlan Filmaufträge ablehnen konnte und unter welchen Bedingungen er seine Regietätigkeit ausübte. Goebbels habe Harlan für den besten deutschen Filmregisseur gehalten und ihn für seine Filme gebraucht. In weltanschaulicher Hinsicht habe er ihm jedoch misstraut, da Harlan in einem "liberalen religiösen und philosemitischen Elternhaus" aufgewachsen sei und "viele jüdische Freunde" gehabt habe.

Im dritten Teil behandelt Ingrid Buchloh die Zeit nach dem Krieg. Es geht hier um die Folgen, die sich für Harlan aus seiner Tätigkeit als Regisseur im Naziregime ergaben, um sein Berufsverbot, die Gerichtsverfahren wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Boykott seiner Filme.

Ihre Quellen legt die Autorin im umfangreichen Anhang (Dokumente, Anmerkungen, Literaturverzeichnis) offen. Besser wäre es aber vielleicht gewesen, wenn sie innerhalb des eigentlichen Buchtextes weniger apodiktisch urteilte und ausführlicher darlegte, wie sie zu ihren Urteilen findet. Buchloh zeigt sich von Beginn an als Fürsprecherin Veit Harlans und spricht von einer "Verunglimpfung" und "Diffamierung" seiner Person an anderen Stellen. Ihr Buch zielt darauf ab, Harlan als einen Künstler zwischen Anpassung und Widerstand zu zeigen, dessen Versuche, Goebbels' Anweisungen durch Verweigerung, Taktieren oder künstlerische Gestaltung zu unterlaufen, misslangen.

Um sich ein Bild vom "Fall Harlan" zu machen, sollte es nicht genügen, allein Buchlohs Buch zu lesen.

(Stefan Otto)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Veit Harlan - Goebbels' Starregisseur
Erscheinungsort: Paderborn
Erscheinungsdatum: 2010
Seiten: 347
Verlag: Ferdinand Schöningh Verlag
ISBN: 978-3-506-76911-4

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