Träume in Trümmern. Film - Produktion und Propaganda 1940-1950 und Trümmerfilme - Das deutsche Kino der Nachkriegszeit
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Kino im Ausnahmezustand
Die vierziger Jahre, zumal in Deutschland, findet man in historischen - auch filmhistorischen - Abrissen eigentlich immer zweigeteilt dargestellt. Aus gutem Grund, denn mitten im Jahrzehnt gab es eine deutliche Zäsur: der Krieg war zu Ende.
Oft werden die Filme der Vierziger, die noch im 2. Weltkrieg produziert wurden, zusammen mit den Filmen abgehandelt, die während der NS-Herrschaft in den dreißiger Jahren entstanden sind, und Filme ab Die Mörder sind unter uns (1946), die nach Kriegsende hergestellt wurden, werden an der Wahrheit vorbei bisweilen schon den fünfziger Jahren zugeschlagen, als Vorläufer sozusagen.
"Die 1940er Jahre waren eine Dekade des permanenten Ausnahmezustands zwischen zwei Phasen relativer Stabilität", schreibt Redakteur Johannes Roschlau in seiner Einführung zum Sammelband Träume in Trümmern. Film - Produktion und Propaganda 1940-1950. Wie der 21. Internationale Filmhistorische Kongress "Alles in Scherben!...?" folgt das Buch der Idee, das Kino des Krieges und der Nachkriegszeit einmal gemeinsam in den Blick zu nehmen. Es vereint vierzehn Vorträge, die auf dem Kongress, der 2008 in Hamburg stattfand, gehalten wurden.
Sie befassen sich mit den Brüchen und Kontinuitäten der Genres und Filme der Vierziger. Texte zu den inhaltlichen und ästhetischen Strategien der Kriegs- und Nachkriegswochenschauen in Deutschland, zur Arbeit der Wochenschau-Kameraleute und zu den Traditionslinien des westdeutschen Kulturfilms beleuchten die Entwicklungen im dokumentarischen Bereich. In den Beiträgen zum Spielfilm steht die Vermittlung von Rollenmodellen und Geschlechterbildern in gesellschaftlichen Ausnahmesituationen im Zentrum. Texte zur alliierten Film-Kontrollpolitik und zur Präsenz der NS-Filme im Kinoprogramm bzw. der vertrauten Schauspieler im Spielfilm der frühen Nachkriegszeit thematisieren den Umgang mit dem NS-Filmerbe nach 1945.
In seinem Buch Trümmerfilme - Das deutsche Kino der Nachkriegszeit widmet sich der Amerikaner Robert R. Shandley, Professor für Germanistik und Film Studies an der Texas A & M University, dem zweiten Jahrfünft der vierziger Jahre.
"Trümmerfilme", so seine Definition, "sind Produkte des deutschen Films und entstammen der frühen Nachkriegszeit, etwa 1946 - 1949, während der Deutschland in physischem, politischem und moralischem Chaos lag".
In seinem kleinen, aber gehaltvollen Buch untersucht er eine Auswahl von Filmen jener Zeit, "die alle die grundlegende Inszenierung des besiegten und zerstörten Deutschlands gemeinsam haben". Filme wie In jenen Tagen, Ehe im Schatten, Zwischen gestern und morgen, Morituri und Berliner Ballade bildeten insofern einen Zyklus, als ihnen allen dieselbe Problematik zugrunde liege: "der lange Schatten, den das Vermächtnis des Dritten Reiches wirft".
Während die Trümmerfilme, so Shandley, die nationalsozialistische Vergangenheit, direkt oder indirekt, zu einem Teil der Handlung machten, geschehe dies nicht gleichermaßen ehrlich oder reflektiert. "Wie sie offenbaren und gleichzeitig kaschieren, ist von entscheidender Bedeutung. Indem sie sich in den Diskurs zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust einbrachten, spielten sie eine wichtige Rolle bei der Formierung einer kollektiven Haltung gegenüber der Vergangenheit, eine, die viele öffentliche Debatten in den folgenden Jahrzehnten in Deutschland prägte." Während die Filme selbst mehr oder weniger in Vergessenheit gerieten, stellten sie, so Shandley, eine breit rezipierte Reihe von Botschaften über die Vergangenheit dar, die heute noch Teil dessen seien, wie der Nationalsozialismus und der Holocaust in Deutschland erinnert werde.
Wiedergutmachung, Aussöhnung, Neudefinierung, Wiederstabilisierung, Wiedereingliederung, Wiederaufbau, Reprivatisierung macht Shandley als die "Sieben Säulen des Trümmerfilms" aus. "Es ist bemerkenswert", schreibt er, "dass weder die Reflexion noch die Reue zu den Säulen (...) gehören." Die Tatsache, dass die meisten Filmemacher der Trümmerzeit die Verantwortlichkeit und moralische Schuld bis zu einem gewissen Grad teilten, beeinträchtige das Vermögen jedes einzelnen Films, sich den deutschen Kriegserlebnissen und Taten zu stellen.
(Stefan Otto)
Oft werden die Filme der Vierziger, die noch im 2. Weltkrieg produziert wurden, zusammen mit den Filmen abgehandelt, die während der NS-Herrschaft in den dreißiger Jahren entstanden sind, und Filme ab Die Mörder sind unter uns (1946), die nach Kriegsende hergestellt wurden, werden an der Wahrheit vorbei bisweilen schon den fünfziger Jahren zugeschlagen, als Vorläufer sozusagen.
"Die 1940er Jahre waren eine Dekade des permanenten Ausnahmezustands zwischen zwei Phasen relativer Stabilität", schreibt Redakteur Johannes Roschlau in seiner Einführung zum Sammelband Träume in Trümmern. Film - Produktion und Propaganda 1940-1950. Wie der 21. Internationale Filmhistorische Kongress "Alles in Scherben!...?" folgt das Buch der Idee, das Kino des Krieges und der Nachkriegszeit einmal gemeinsam in den Blick zu nehmen. Es vereint vierzehn Vorträge, die auf dem Kongress, der 2008 in Hamburg stattfand, gehalten wurden.
Sie befassen sich mit den Brüchen und Kontinuitäten der Genres und Filme der Vierziger. Texte zu den inhaltlichen und ästhetischen Strategien der Kriegs- und Nachkriegswochenschauen in Deutschland, zur Arbeit der Wochenschau-Kameraleute und zu den Traditionslinien des westdeutschen Kulturfilms beleuchten die Entwicklungen im dokumentarischen Bereich. In den Beiträgen zum Spielfilm steht die Vermittlung von Rollenmodellen und Geschlechterbildern in gesellschaftlichen Ausnahmesituationen im Zentrum. Texte zur alliierten Film-Kontrollpolitik und zur Präsenz der NS-Filme im Kinoprogramm bzw. der vertrauten Schauspieler im Spielfilm der frühen Nachkriegszeit thematisieren den Umgang mit dem NS-Filmerbe nach 1945.
In seinem Buch Trümmerfilme - Das deutsche Kino der Nachkriegszeit widmet sich der Amerikaner Robert R. Shandley, Professor für Germanistik und Film Studies an der Texas A & M University, dem zweiten Jahrfünft der vierziger Jahre.
"Trümmerfilme", so seine Definition, "sind Produkte des deutschen Films und entstammen der frühen Nachkriegszeit, etwa 1946 - 1949, während der Deutschland in physischem, politischem und moralischem Chaos lag".
In seinem kleinen, aber gehaltvollen Buch untersucht er eine Auswahl von Filmen jener Zeit, "die alle die grundlegende Inszenierung des besiegten und zerstörten Deutschlands gemeinsam haben". Filme wie In jenen Tagen, Ehe im Schatten, Zwischen gestern und morgen, Morituri und Berliner Ballade bildeten insofern einen Zyklus, als ihnen allen dieselbe Problematik zugrunde liege: "der lange Schatten, den das Vermächtnis des Dritten Reiches wirft".
Während die Trümmerfilme, so Shandley, die nationalsozialistische Vergangenheit, direkt oder indirekt, zu einem Teil der Handlung machten, geschehe dies nicht gleichermaßen ehrlich oder reflektiert. "Wie sie offenbaren und gleichzeitig kaschieren, ist von entscheidender Bedeutung. Indem sie sich in den Diskurs zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust einbrachten, spielten sie eine wichtige Rolle bei der Formierung einer kollektiven Haltung gegenüber der Vergangenheit, eine, die viele öffentliche Debatten in den folgenden Jahrzehnten in Deutschland prägte." Während die Filme selbst mehr oder weniger in Vergessenheit gerieten, stellten sie, so Shandley, eine breit rezipierte Reihe von Botschaften über die Vergangenheit dar, die heute noch Teil dessen seien, wie der Nationalsozialismus und der Holocaust in Deutschland erinnert werde.
Wiedergutmachung, Aussöhnung, Neudefinierung, Wiederstabilisierung, Wiedereingliederung, Wiederaufbau, Reprivatisierung macht Shandley als die "Sieben Säulen des Trümmerfilms" aus. "Es ist bemerkenswert", schreibt er, "dass weder die Reflexion noch die Reue zu den Säulen (...) gehören." Die Tatsache, dass die meisten Filmemacher der Trümmerzeit die Verantwortlichkeit und moralische Schuld bis zu einem gewissen Grad teilten, beeinträchtige das Vermögen jedes einzelnen Films, sich den deutschen Kriegserlebnissen und Taten zu stellen.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Träume in Trümmern. Film - Produktion und Propaganda 1940-1950 und Trümmerfilme - Das deutsche Kino der Nachkriegszeit
Erscheinungsdatum:
2009 - 2010
Seiten:
202 und 312
Verlag:
edition text + kritik und Parthas Verlag
ISBN:
978-386916-027-6 und 978-3-86964-021-1
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