Wenn Literaten sich ums Kino bemühen
Thomas Mann und das Kino – manch einem mag dies als Anachronismus erscheinen. Meist fällt auch eingefleischten Cineasten ad hoc nur das Meisterwerk Morte a Venezia von Luchino Visconti aus dem Jahr 1971 ein. Bei längerem Grübeln erinnern sich ehemalige Germanistik-Studenten womöglich noch an die Lotte in Weimar-Verfilmung mit Lilli Palmer von 1974 oder die noch ältere Verfilmung Königliche Hoheiten mit Ruth Leuwerik und Dieter Brosche aus dem Jahre 1953. Und da gab es noch die elfteilige, extrem werkstreue Verfilmung der Buddenbrooks, die in den frühen Achtziger Jahren über die deutschen Bildschirme flimmerte. Je länger man nachdenkt, desto mehr Filme werden einem nach und nach wieder in den Sinn kommen, denn im Gegensatz zu der lang gehegten Meinung, Thomas Manns literarisches Werk sei äußerst schwer verfilmbar, erfreut sich das literarische Oeuvre des Dichters einer enormen cineastischen Rezeption. Und das, obgleich sich bis heute der Glaube manifestiert hat, Thomas Mann hätte den Film und das Kino verachtet. Als Beleg dieser These wird stets seine Abhandlung über das Kino im Zauberberg angeführt.
Ein Irrglaube, wie Peter Zander in Thomas Mann und das Kino, belegt. Thomas Mann war fasziniert vom damals noch neuen Medium und versuchte immer wieder – mehr oder weniger erfolglos – selbst in der Filmbranche mitzuwirken. Das ging soweit, dass er während seiner Zeit in Hollywood selbst an Drehbüchern arbeitete. Ohne Erfolg. Ebenso glücklos bemühte sich Thomas Mann – von Zander fast schon als Dollargierig gezeichnet – um die Verfilmung wenigstens eines seiner literarischen Werke in den Staaten. Verschmäht in der neuen Welt, fand man in Europa aber zusehends Gefallen an den literarischen Vorlagen und so lässt sich Thomas Manns Filmographie untergliedern in insgesamt 23 Adaptionen, Transformationen, Transfigurationen und Transpositionen.
Thomas Mann im Kino basiert auf einer Doktorarbeit, mit der Peter Zander 1999 an der FU Berlin promovierte. Umgearbeitet, ergänzt um neuere Forschungsergebnisse und bisher unveröffentlichte Dokumente aus dem Thomas-Mann-Archiv Zürich, hat das Werk seinen wissenschaftlichen Grundton nicht verloren. Mitunter etwas hölzern beschreibt Peter Zander Thomas Manns ambivalentes Verhalten zum Kino und entpuppt fast nebenbei, dass der große Literat offensichtlich eine Vorliebe für Disney-Comics hegte – Bambi soll er gleich zweimal gesehen haben. Aber weder Citizen Kane noch die Kinder des Olymp oder das Method Acting von Lee Straberg und Elia Kazan konnten den Literatur-Nobel-Preisträger so recht überzeugen. Er gab sich vielmehr „freimütig jener Zerstreuung hin, die er im Zauberberg als großen Stumpfsinn angeprangert hatte“.
Erweitert wurde die einstmalige Dissertation um das wunderbare Kapitel Die Manns, in dem sich Peter Zander mit der dreiteiligen TV-Biographie von 2001 beschäftigt und neben Einblicken in Armin Müller-Stahls inneren Kampf sich seiner Rolle zu nähern, fast schon spitzzüngige Abhandlungen über das Phänomen Künstlerbiografien bietet. Eben solche indiskreten Blicke hinter die Kulissen, diese intimen Passagen, in denen der Leser zum Voyeur wird – wie Aschenbach, der dem jungen Tadzio in Tod in Venedig mit seinen Blicken folgt – machen das Buch, das bei weitem keine leichte, aber durchaus fesselnde und teilweise sogar vergnügliche Lese-Kost ist, zu einem Lesevergnügen.
(Jasmin Haery)
Ein Irrglaube, wie Peter Zander in Thomas Mann und das Kino, belegt. Thomas Mann war fasziniert vom damals noch neuen Medium und versuchte immer wieder – mehr oder weniger erfolglos – selbst in der Filmbranche mitzuwirken. Das ging soweit, dass er während seiner Zeit in Hollywood selbst an Drehbüchern arbeitete. Ohne Erfolg. Ebenso glücklos bemühte sich Thomas Mann – von Zander fast schon als Dollargierig gezeichnet – um die Verfilmung wenigstens eines seiner literarischen Werke in den Staaten. Verschmäht in der neuen Welt, fand man in Europa aber zusehends Gefallen an den literarischen Vorlagen und so lässt sich Thomas Manns Filmographie untergliedern in insgesamt 23 Adaptionen, Transformationen, Transfigurationen und Transpositionen.
Thomas Mann im Kino basiert auf einer Doktorarbeit, mit der Peter Zander 1999 an der FU Berlin promovierte. Umgearbeitet, ergänzt um neuere Forschungsergebnisse und bisher unveröffentlichte Dokumente aus dem Thomas-Mann-Archiv Zürich, hat das Werk seinen wissenschaftlichen Grundton nicht verloren. Mitunter etwas hölzern beschreibt Peter Zander Thomas Manns ambivalentes Verhalten zum Kino und entpuppt fast nebenbei, dass der große Literat offensichtlich eine Vorliebe für Disney-Comics hegte – Bambi soll er gleich zweimal gesehen haben. Aber weder Citizen Kane noch die Kinder des Olymp oder das Method Acting von Lee Straberg und Elia Kazan konnten den Literatur-Nobel-Preisträger so recht überzeugen. Er gab sich vielmehr „freimütig jener Zerstreuung hin, die er im Zauberberg als großen Stumpfsinn angeprangert hatte“.
Erweitert wurde die einstmalige Dissertation um das wunderbare Kapitel Die Manns, in dem sich Peter Zander mit der dreiteiligen TV-Biographie von 2001 beschäftigt und neben Einblicken in Armin Müller-Stahls inneren Kampf sich seiner Rolle zu nähern, fast schon spitzzüngige Abhandlungen über das Phänomen Künstlerbiografien bietet. Eben solche indiskreten Blicke hinter die Kulissen, diese intimen Passagen, in denen der Leser zum Voyeur wird – wie Aschenbach, der dem jungen Tadzio in Tod in Venedig mit seinen Blicken folgt – machen das Buch, das bei weitem keine leichte, aber durchaus fesselnde und teilweise sogar vergnügliche Lese-Kost ist, zu einem Lesevergnügen.
(Jasmin Haery)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Thomas Mann im Kino
Autor:
Peter Zander
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
304
Verlag:
Bertz + Fischer Verlag
ISBN:
3-929470-69-1
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