The Walking Dead

Kinostart: 25.06.2007
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Was das Herz begehrt

Man stelle sich vor: Der Morgen graut, man steht auf und geht aus dem Haus und Alles. Ist. Anders. Die Welt, wie man sie kannte, ist grundlegend verändert. Keine Menschen laufen mehr herum, keine Kinder spielen. Nur Untote, Zombies, bevölkern die Strassen und Städte. Kollegen, Nachbarn, Freunde – alle tot und auf der Jagd nach warmen Menschenfleisch. Von jeher war es dies, was die Faszination des Zombiegenres ausmachte. Die Ohnmacht, vor der schieren Masse an Bösem zu stehen. Und nichts dagegen tun können.

Waren es in den legendären Originalen wie Night of the Living Dead, Dawn und Day of the Dead von George A. Romero die schlurfenden Untoten, die alleine für sich genommen gar nicht so gefährlich waren, sondern erst in ihrer schier unüberschaubaren Masse eine Flucht unmöglich machten, wurden sie mit der Zeit immer flinker. In Umberto Lencis unsäglichem Großangriff der Zombies konnten sie rennen und besser schießen als das hilflose Militär, in Zack Snyders grandiosem Dawn of the Dead-Remake und Danny Boyles 28 Days Later konnten sie locker flüchtenden Autos über Kilometer hinterher jagen.

The Walking Dead, eine Graphic Novel, ein Comic, von Robert Kirkman, besinnt sich auf die alten Stärken (bzw. Schwächen) der Untoten und lässt sie wieder trostlos durch die Botanik stapfen. Gut so. Denn auf diese Weise kann sich wie in den Genreklassikern die Spannung ausbreiten, die in den neuzeitlichen Zombiefilmen durch Action ersetzt wurde. Kirkman wollte nach eigener Aussage wissen, was nach dem Abspann eines Zombiefilms passiert. Die Menschheit hat den Kampf gegen die Zombieinvasion verloren und ist beinahe ausgerottet. Doch es gibt Überlebende. Wenige zwar, aber sie sind da. Und müssen versuchen zu überleben. Nicht gebissen zu werden. Denn dann dauert es nicht lange und man wird zu einem der ihren. Denn der Mensch steht nicht mehr länger an der Spitze der Nahrungskette. Die Borg aus Star Trek lassen grüßen.

Cop Rick Grimes wird angeschossen und wacht Wochen später im Krankenhaus auf. Er ist alleine, keine Krankenschwester kümmert sich um ihn, kein Arzt weit und breit. Bei seiner Suche nach Menschen im Krankenhaus, öffnet Rick eine Tür zuviel. Eine ganze Horde Zombies glotzt ihn an – und greift sofort an. Nur mit Mühe schafft es Rick zu entkommen und sich nach Hause durch zu schlagen. Doch seine Frau und der kleine Sohn sind nicht da. Sind sie etwa auch solche "Dinger" geworden? Zufällig findet Rick noch zwei andere Überlebende und die Hoffnung, dass seine Familie noch lebt, lässt ihn sich auf die Suche machen. Den Menschen wurden bei Ausbruch der Seuche, oder was auch immer die Zombieplage heraufbeschworen hat, aufgefordert, in die Städte zu gehen, erfährt er. Dort gäbe es Schutz. Rick bricht sofort ins nahe Atlanta auf. Doch was ihn dort erwartet, ist das pure Grauen. Straßenzüge, die überborden vor Untoten, die nur auf ihn gewartet zu haben scheinen. Nur mit der Hilfe eines Jungen schafft es Rick, aus dieser Hölle zu entkommen. Gemeinsam schlagen sie sich zu einem Camp mit Überlebenden durch und endlich kann Rick auch wieder seine Frau und den Sohn in die Arme schließen. Gemeinsam macht man sich auf die Odyssee nach einem besseren Leben in einem von Monstern bevölkerten Land.

"In The Walking Dead möchte ich untersuchen, wie Menschen mit extremen Situationen umgehen und wie solche Ereignisse sie verändern.", sagt Autor Robert Kirkman. Es gelingt ihm. Eine Gruppe zusammengewürfelter Mensch muss sich in einer Extremsituation behaupten. Neben den üblichen Streitigkeiten wie zum Beispiel "Wer hat dich denn zum Anführer ernannt", werden Wesensveränderungen einzelner Überlebender und das nächste Essen zu beinahe größeren Problemen, als die Zombies selbst. Mit dem Fortgang der Geschichte (bislang sind vier Bände in Deutsch erschienen) verschwinden Mitglieder der Gruppe, neue kommen hinzu und manchmal, wenn man anderen Überlebenden begegnet, sind es sogar diese, die sich als wahre Bestien entpuppen, kaltblütig und gewissenlos handeln. Einziger Störfaktor ist manchmal Hauptcharakter Rick, der zu oft als Gutmensch dargestellt wird und anscheinend einfach immer selbstlos handelt. Die Glaubwürdigkeit bleibt in diesen Momenten auf der Strecke und macht ihn sogar ein Müh unsympathisch. Das ist jedoch anhand der Flut an positiven Eindrücken zu verschmerzen.

Hervorheben sollte man unbedingt die detailreichen Schwarzweißzeichnungen und die hervorragenden Covergestaltungen. Auch finden sich auf die einzelnen Bände verteilt Interviews mit Mastermind Robert Kirkman und Zeichner Tony Moore, sowie ein Kommentar von Shaun of the Dead Co-Autor Simon Pegg. Des Weiteren finden sich kurze Essays zu Zombies in Literatur, Film und PC-Spiel. Fans des Genres werden nicht drum herum kommen, aber The Walking Dead gehört in jede Sammlung.

(Renatus Töpke)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: The Walking Dead
Erscheinungsort: Asperg
Erscheinungsdatum: 2007
Seiten: 141
Verlag: Cross Cult
ISBN: 978-3936480344

Cover

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