In traurigen Zeiten blüht der Witz
Ronny Loewy, der Frankfurter Leiter des Projekts "Cinematographie des Holocaust", formuliert im Titel des ersten Beitrags gleich die zentrale Frage: Ist ein jüdischer Komiker jüdisch-komisch oder, wie ein exzellenter jüdischer Geiger, schier ein exzellenter Komiker? Sein Fazit, das wie zu erwarten uneindeutig ausfällt, lässt sich in folgendem Zitat zusammenfassen: "Der ganze Unterschied zwischen einem jüdischen Witz und einem Judenwitz kann in einer Nuance bestehen."
Spaß beiseite, Film ab beruht auf Vorträgen, die 2004 beim 17. Internationalen Filmhistorischen Kongress in Hamburg gehalten wurden. Das Buch untersucht die Komik im deutschen Film vor und während des 2. Weltkriegs und die Rolle(n), die jüdische Komödianten dabei spielten. Die Annäherung ist dabei auf Kontexte und Vergleiche ausgerichtet: Es geht um Übergänge und Brüche in der Entwicklung vom komischen Kintopp der Kaiserzeit bis zur NS-Filmkomödie sowie um Bezüge zur internationalen Filmgeschichte. Die Beiträge fragen nach Traditionen und Spielformen, untersuchen Stereotypien und Rollenbilder.
Horst Claus beleuchtet die Produktions- und Rezeptionsgeschichte des Films Familientag im Hause Prellstein (1927) und diskutiert den Vorwurf der diskriminierenden "Selbstverhöhnung". Jürgen Kasten untersucht die im Konfektionsmilieu angesiedelten Lubitsch-Komödien sowie die Außenseiterfiguren Reinhold Schünzels. Frank Stern befasst sich mit dem musikalischen NS-Lustspiel Robert und Bertram (1939), Thomas Brandlmeier mit "Tendenzen der (reichs)deutschen Lachkultur", Jeanpaul Goergen mit der Geschichte der humoristischen Kurzfilme, Knut Hickethier mit Militärschwänken im Weimarer Kino. Im längsten Beitrag des ansprechenden Buches behandelt Rainer Dick den "Wandel im Typenarsenal des komischen Films nach dem Exodus seiner exponiertesten Darsteller". Er beobachtet die Veränderungen im Genre, die der Verlust von Stars wie Ossi Oswalda, Felix Bressart und Max Hansen zur Folge hatte. Damit findet Dick eine weitere Antwort auf die eingangs zitierte Frage Ronny Loewys.
(Stefan Otto)
Spaß beiseite, Film ab beruht auf Vorträgen, die 2004 beim 17. Internationalen Filmhistorischen Kongress in Hamburg gehalten wurden. Das Buch untersucht die Komik im deutschen Film vor und während des 2. Weltkriegs und die Rolle(n), die jüdische Komödianten dabei spielten. Die Annäherung ist dabei auf Kontexte und Vergleiche ausgerichtet: Es geht um Übergänge und Brüche in der Entwicklung vom komischen Kintopp der Kaiserzeit bis zur NS-Filmkomödie sowie um Bezüge zur internationalen Filmgeschichte. Die Beiträge fragen nach Traditionen und Spielformen, untersuchen Stereotypien und Rollenbilder.
Horst Claus beleuchtet die Produktions- und Rezeptionsgeschichte des Films Familientag im Hause Prellstein (1927) und diskutiert den Vorwurf der diskriminierenden "Selbstverhöhnung". Jürgen Kasten untersucht die im Konfektionsmilieu angesiedelten Lubitsch-Komödien sowie die Außenseiterfiguren Reinhold Schünzels. Frank Stern befasst sich mit dem musikalischen NS-Lustspiel Robert und Bertram (1939), Thomas Brandlmeier mit "Tendenzen der (reichs)deutschen Lachkultur", Jeanpaul Goergen mit der Geschichte der humoristischen Kurzfilme, Knut Hickethier mit Militärschwänken im Weimarer Kino. Im längsten Beitrag des ansprechenden Buches behandelt Rainer Dick den "Wandel im Typenarsenal des komischen Films nach dem Exodus seiner exponiertesten Darsteller". Er beobachtet die Veränderungen im Genre, die der Verlust von Stars wie Ossi Oswalda, Felix Bressart und Max Hansen zur Folge hatte. Damit findet Dick eine weitere Antwort auf die eingangs zitierte Frage Ronny Loewys.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Spaß beiseite, Film ab
Autor:
Jan Distelmeyer (Red.)
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2006
Seiten:
152
Verlag:
edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag
ISBN:
3-88377-803-6
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