Großes Kino für die Ohren - und den Raum dazwischen
"Richtiges Kino gibt’s nur im Kino", besagt eine häufig bemühte (Binsen)Weisheit. Was ist aber mit all den Zeiten, in denen man (aus verschiedensten Gründen) nicht im Dunkel der Filmtheater weilen kann? Man kann sich natürlich zuhause Filme anschauen (was ja bedauerlicherweise immer mehr Menschen machen), man kann zu Filmbüchern greifen, kann den Soundtracks lauschen oder eben zu der CD SMOVIE No. 01 – Das Leben, die Dinge, die Zeit greifen, die man am ehesten als ein Mixtape für Cineasten bezeichnen kann und die sich als ein echtes Kleinod für Filmfreaks erweist.
Das Konzept von SMOVIE, das als Reihe gedacht ist, ist ebenso so verblüffend wie überzeugend: Thematisch rund um die Liebe (und deren zeitweilige Unmöglichkeit) angesiedelt, vereint die CD Dialoge aus verschiedenen Filmen mit Songs, die den zuvor gehörten Dialog kommentieren, ergänzen, weitertreiben, so dass zwischen Musik und dem gesprochenen Wort eine Wechselbeziehung entsteht, die dazu anregt, die Worte und die Musik in sich nachklingen zu lassen. Auf diese Weise kommt das eigene Kopfkino in Bewegung, entstehen Assoziationsketten, Bilder, Szenen, die zum Denken in filmreifen Szenen verleiten. Zugleich machen die Ausschnitte Lust aufs Kino und schärfen die Wahrnehmung, so dass man sich unwillkürlich dabei ertappt, dass man beim nächsten Kinobesuch um einiges aufmerksamer den Dialogen lauscht und sich überlegt, welche Gespräche in Filmen sich besonders gut für eine solche Collage eignen würden.
Die Dialoge entstammen aus Filmen wie My Blueberry Nights von Wong Kar Wai, Frau Rettich, die Czerni und ich von Markus Imboden, Crazy von Hans–Christian Schmid, Wie im Himmel von Kay Pollak, Nackt von Doris Dörrie, Match Point von Woody Allen, Persepolis von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud und Die Invasion der Barbaren von Denys Arcand. Ebenso bunt gemixt geht es musikalisch auf SMOVIE No. 01 zu, der Bogen spannt sich von Joe Jackson ("Happy Ending") und Brigitte Bardot ("Un jour comme un autre") über The Cure ("Boys don’t cry") und Jack Radics (("No Matter") bis hin zu Johnny Cash ("I can see clearly now"), dessen trotz aller Schwere optimistischer Song des idealen Ausklang für die Reise bildet. Ausgestattet mit einem liebevoll gestalteten Booklet bietet die CD nicht nur Ohren, sondern auch Augenfutter
So faszinierend wie die CD ist auch die Entstehungsgeschichte dieses Hörfilms der besonderen Art. Die Idee entstand vor fast 20 Jahren in einem VW Käfer. In dem fuhren Jürgen Debus und ein Freund durch die Gegend und konnten einfach nicht genug bekommen von Butch Cassidy und Sundance Kid, dessen Tonspur sie einfach auf Kassette aufgenommen hatten. Es war der Beginn einer Leidenschaft für das Ohrenkino, die sich seitdem wie ein roter Faden durch das Leben des Gastronomen aus Darmstadt zog. So beispielsweise auch bei einer sehr schmerzhaften Trennung, bei der er seiner Ex-Freundin ein Mixtape mit auf den Weg gab, auf dem all die gemeinsamen Lieblingslieder und Filmdialoge zu hören waren. Aus diesen beiden Urerlebnisse entwickelte sich die Idee, Dialoge aus Filmen mit der passenden Musik zu verbinden – doch was folgte, war vor allem die Erkenntnis, dass die scheinbar einfachen Dinge oft entsetzlich schwer umzusetzen sind. Vor allem dann, wenn man selbst das Ganze ohne tiefere Branchenkenntnis und allein durch den eigenen Enthusiasmus gespeist in Angriff nimmt.
Mehr als zehn Jahre dauerte die folgende Odyssee durch die Lizenzabteilungen der Platten- und Filmindustrie. Und wer von seinen Freunden hörte, welches Mammutprojekt Debus auf sich genommen hatte (und sich ein wenig in der Medienbranche auskannte), erklärte ihn schlichtweg für verrückt oder zumindest das Projekt von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Dass er es dennoch geschafft hat und da die bisherigen Reaktionen auf die Collage durchweg positiv bis enthusiastisch ausgefallen sind, ist SMOVIE No. 02 bereits in Arbeit – mit einem anderen thematischen Schwerpunkt, aber hoffentlich genauso gelungen wie der Auftakt zu der Reihe.
Die CD ist bei amazon und über die Homepage von SMOVIE erhältlich. Für Hardcore-Cineasten und hoffnungslose Romantiker gibt es wohl kaum ein besseres Präsent fürs kommende Weihnachtsfest.
(Joachim Kurz)
Das Konzept von SMOVIE, das als Reihe gedacht ist, ist ebenso so verblüffend wie überzeugend: Thematisch rund um die Liebe (und deren zeitweilige Unmöglichkeit) angesiedelt, vereint die CD Dialoge aus verschiedenen Filmen mit Songs, die den zuvor gehörten Dialog kommentieren, ergänzen, weitertreiben, so dass zwischen Musik und dem gesprochenen Wort eine Wechselbeziehung entsteht, die dazu anregt, die Worte und die Musik in sich nachklingen zu lassen. Auf diese Weise kommt das eigene Kopfkino in Bewegung, entstehen Assoziationsketten, Bilder, Szenen, die zum Denken in filmreifen Szenen verleiten. Zugleich machen die Ausschnitte Lust aufs Kino und schärfen die Wahrnehmung, so dass man sich unwillkürlich dabei ertappt, dass man beim nächsten Kinobesuch um einiges aufmerksamer den Dialogen lauscht und sich überlegt, welche Gespräche in Filmen sich besonders gut für eine solche Collage eignen würden.
Die Dialoge entstammen aus Filmen wie My Blueberry Nights von Wong Kar Wai, Frau Rettich, die Czerni und ich von Markus Imboden, Crazy von Hans–Christian Schmid, Wie im Himmel von Kay Pollak, Nackt von Doris Dörrie, Match Point von Woody Allen, Persepolis von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud und Die Invasion der Barbaren von Denys Arcand. Ebenso bunt gemixt geht es musikalisch auf SMOVIE No. 01 zu, der Bogen spannt sich von Joe Jackson ("Happy Ending") und Brigitte Bardot ("Un jour comme un autre") über The Cure ("Boys don’t cry") und Jack Radics (("No Matter") bis hin zu Johnny Cash ("I can see clearly now"), dessen trotz aller Schwere optimistischer Song des idealen Ausklang für die Reise bildet. Ausgestattet mit einem liebevoll gestalteten Booklet bietet die CD nicht nur Ohren, sondern auch Augenfutter
So faszinierend wie die CD ist auch die Entstehungsgeschichte dieses Hörfilms der besonderen Art. Die Idee entstand vor fast 20 Jahren in einem VW Käfer. In dem fuhren Jürgen Debus und ein Freund durch die Gegend und konnten einfach nicht genug bekommen von Butch Cassidy und Sundance Kid, dessen Tonspur sie einfach auf Kassette aufgenommen hatten. Es war der Beginn einer Leidenschaft für das Ohrenkino, die sich seitdem wie ein roter Faden durch das Leben des Gastronomen aus Darmstadt zog. So beispielsweise auch bei einer sehr schmerzhaften Trennung, bei der er seiner Ex-Freundin ein Mixtape mit auf den Weg gab, auf dem all die gemeinsamen Lieblingslieder und Filmdialoge zu hören waren. Aus diesen beiden Urerlebnisse entwickelte sich die Idee, Dialoge aus Filmen mit der passenden Musik zu verbinden – doch was folgte, war vor allem die Erkenntnis, dass die scheinbar einfachen Dinge oft entsetzlich schwer umzusetzen sind. Vor allem dann, wenn man selbst das Ganze ohne tiefere Branchenkenntnis und allein durch den eigenen Enthusiasmus gespeist in Angriff nimmt.
Mehr als zehn Jahre dauerte die folgende Odyssee durch die Lizenzabteilungen der Platten- und Filmindustrie. Und wer von seinen Freunden hörte, welches Mammutprojekt Debus auf sich genommen hatte (und sich ein wenig in der Medienbranche auskannte), erklärte ihn schlichtweg für verrückt oder zumindest das Projekt von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Dass er es dennoch geschafft hat und da die bisherigen Reaktionen auf die Collage durchweg positiv bis enthusiastisch ausgefallen sind, ist SMOVIE No. 02 bereits in Arbeit – mit einem anderen thematischen Schwerpunkt, aber hoffentlich genauso gelungen wie der Auftakt zu der Reihe.
Die CD ist bei amazon und über die Homepage von SMOVIE erhältlich. Für Hardcore-Cineasten und hoffnungslose Romantiker gibt es wohl kaum ein besseres Präsent fürs kommende Weihnachtsfest.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
SMOVIE No. 01 – Das Leben, die Dinge, die Zeit
Autor:
Jürgen Debus
Erscheinungsdatum:
2010
Verlag:
S.Toeche-Mittler Verlag
ISBN:
9783878201380
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Bisherige Kommentare
(Anzeige: 2 von insgesamt 2)
Von: geldoni am: 18.11.10
Grandioses Konzept! Dialogauswahl und Musik danach sind stimmig. Einige Dialoge hab ich sofort erkannt. Und die Filme, die ich noch nicht kenne, stehen jetzt auf meiner Unbedingt-Noch-Schauen-Liste :-)
Von: Wolfgang Gumpelmaier am: 17.11.10
Sehr coole Sache, muss ich unbedingt mal reinhören!
Übrigens, wer coole Filmmusik aus Deutschland unterstützen will, der sollte mal hier vorbeischauen: www.mysherpas.com/de/projekt/The-Good-Life/





