Sex und Macht. Eine Metaerzählung des amerikanischen Films des 20. Jahrhunderts
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100 Jahre Film auf 336 Seiten
Hundert Jahre Film hat sich Hans Scheugl vorgenommen; in seinem Buch Sex und Macht. Eine Metaerzählung des amerikanischen Films des 20. Jahrhunderts, rekonstruiert er die US-amerikanische Filmgeschichte von den frühen Anfängen bis in die 1990er Jahre und zeigt anhand ausgewählter Filmbeispiele, wie Mann und Frau zum Spielball politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse werden und wie sie sich dabei zueinander verhalten – oder auch nicht, denn "Beziehung bedeutet nämlich auch ihr Scheitern oder ihr Fehlen". Seine These ist, dass sich aus der hundertjährigen Filmgeschichte eine Meta-Geschichte herausfiltern lässt, eine "mythische Erzählung […], die sich aus allen Filmen, die erinnerten wie die vergessenen, zusammensetzt" und eine Parallelwelt zur außerfilmischen Wirklichkeit bildet.
Die These bildet sozusagen den roten Faden des Buches; ob man ihm immer folgen mag oder nicht, sei dem Leser überlassen. Scheugls Film-Geschichte lohnt sich vornehmlich dann, wenn man auf knappem Raum die bedeutendsten US-amerikanischen Produktionen versammelt und sie dabei auf einen der wichtigsten Gegenstände des Films überhaupt hin untersucht: Liebe, Sexualität und die Macht zwischen den Geschlechtern. Bisweilen verliert sich Scheugl dabei in etwas ermüdendem Namedropping und ganzen Filmlisten; immerhin hat er, selbst Experimentalfilmer, 1.200 Filme gesichtet, die er im Buch unterzubringen sucht. Und so verwundert es auch nicht, dass die Filmografie nicht den Weg ins Buch gefunden hat: Sie kann dafür jedoch als PDF-Datei auf der Webseite des Verlags heruntergeladen werden. Damit ist der Titel vor allem eins: ein gutes Nachschlagewerk der US-amerikanischen Kinoproduktion im 20. Jahrhundert.
Darüber hinaus konzentriert sich Scheugl auf die in den Filmen inszenierten Geschlechterrollen und den Machtkampf zwischen den Geschlechtern und zieht immer wieder die Verbindung zum historischen Kontext. Er zeigt, welche Auswirkungen die Weltkriege auf das Kino und die Frauen- wie Männerbilder im Film hatten, welche Rolle Homosexualität in den verschiedenen Jahrzehnten spielte und wie sich die Frau, nachdem sie in den 1980ern von der Leinwand verdrängt worden war, in den 1990ern ihren Status zurückerobern musste und sich ganz neue Rollen schuf. Dabei weiß Scheugl auch immer wieder Anekdoten über die Wirkung von Film-Mann und Film-Frau auf das Publikum zu berichten, beispielsweise, wie Antonin Artaud von einem Film mit Shirley Temple "so angewidert" war, dass er die Vorführung störte, wohingegen sich Graham Greene mit seinem abfälligen Urteil eine Klage und Verurteilung einhandelte. Ein Fazit zieht Scheugl allerdings nicht, was bei einer motivgeleiteten Filmgeschichte wünschenswert und nötig wäre, will man die an den Anfang gesetzten Thesen nachvollziehen.
(Verena Schmöller)
Die These bildet sozusagen den roten Faden des Buches; ob man ihm immer folgen mag oder nicht, sei dem Leser überlassen. Scheugls Film-Geschichte lohnt sich vornehmlich dann, wenn man auf knappem Raum die bedeutendsten US-amerikanischen Produktionen versammelt und sie dabei auf einen der wichtigsten Gegenstände des Films überhaupt hin untersucht: Liebe, Sexualität und die Macht zwischen den Geschlechtern. Bisweilen verliert sich Scheugl dabei in etwas ermüdendem Namedropping und ganzen Filmlisten; immerhin hat er, selbst Experimentalfilmer, 1.200 Filme gesichtet, die er im Buch unterzubringen sucht. Und so verwundert es auch nicht, dass die Filmografie nicht den Weg ins Buch gefunden hat: Sie kann dafür jedoch als PDF-Datei auf der Webseite des Verlags heruntergeladen werden. Damit ist der Titel vor allem eins: ein gutes Nachschlagewerk der US-amerikanischen Kinoproduktion im 20. Jahrhundert.
Darüber hinaus konzentriert sich Scheugl auf die in den Filmen inszenierten Geschlechterrollen und den Machtkampf zwischen den Geschlechtern und zieht immer wieder die Verbindung zum historischen Kontext. Er zeigt, welche Auswirkungen die Weltkriege auf das Kino und die Frauen- wie Männerbilder im Film hatten, welche Rolle Homosexualität in den verschiedenen Jahrzehnten spielte und wie sich die Frau, nachdem sie in den 1980ern von der Leinwand verdrängt worden war, in den 1990ern ihren Status zurückerobern musste und sich ganz neue Rollen schuf. Dabei weiß Scheugl auch immer wieder Anekdoten über die Wirkung von Film-Mann und Film-Frau auf das Publikum zu berichten, beispielsweise, wie Antonin Artaud von einem Film mit Shirley Temple "so angewidert" war, dass er die Vorführung störte, wohingegen sich Graham Greene mit seinem abfälligen Urteil eine Klage und Verurteilung einhandelte. Ein Fazit zieht Scheugl allerdings nicht, was bei einer motivgeleiteten Filmgeschichte wünschenswert und nötig wäre, will man die an den Anfang gesetzten Thesen nachvollziehen.
(Verena Schmöller)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Sex und Macht. Eine Metaerzählung des amerikanischen Films des 20. Jahrhunderts
Autor:
Hans Scheugl
Erscheinungsort:
Stuttgart
Erscheinungsdatum:
2008
Seiten:
336
Verlag:
Schmetterling Verlag
ISBN:
3-89657-616-X
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