Screening Nostalgia - 100 Years of German Heimat Film
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From Heimat to Hitler and beyond
Dr. habil Alexandra Ludewig ist Associate Dean an der Faculty of Arts, Humanities und Social Sciences an der University of Western Australia in Perth. Screening Nostalgia - 100 Years of German Heimat Film ist die erweiterte und aktualisierte Ausgabe ihrer Habilitationsschrift in Cultural Studies, die sie an der Universität Koblenz-Landau vorlegte. Das Buch ist annähernd 500 Seiten dick und unbebildert. Die Schrift ist klein und der Fußnoten sind zahlreiche. Und was das Abschreckendste ist: Alles auf Englisch!
Als deutscher Leser muss man sich auch erstmal daran gewöhnen, dass Die Geier-Wally hier Vulture Waltraud heißt und Im weißen Rößl In the White Horse Hotel. Screening Nostalgia lohnt aber die Mühe des Lesens. Die Hürden, die sich stellen, lassen sich nehmen, und Gerhard Bliesbachs lange angekündigte Neufassung von So grün war die Heide lässt ohnehin auf sich warten.
Es geht in Alexandra Ludewigs Buch auch ganz und gar nicht nur um die Filme, die vor unser Augen zu laufen beginnen, wenn wir den Begriff "Heimatfilm" hören. Natürlich spielt Luis Trenkers Der verlorene Sohn eine zentrale Rolle, ebenso Sonja Ziemann als Schwarzwaldmädel. Die Hermann-Löns-Verfilmung Grün ist die Heide fehlt ebensowenig wie Edgar Reitz' Heimat-Trilogie und Hierankl von Hans Steinbichler. Doch Ludewig stützt sich nicht nur auf die traditionell dem Genre zugeordneten Filme von den zwanziger Jahren an, sondern sie bezieht ganz unkonventionell auch Werke wie Die verlorene Ehre der Katharina Blum und Hans-Christian Schmids Requiem mit ein.
So bekommt, wenn es um die Heimatfilme der fünfziger Jahre geht, zum Beispiel auch Sönke Wortmanns Das Wunder von Bern eine wesentliche Rolle zugesprochen, der vor weniger als zehn Jahren entstand, aber 1954 spielt. Tom Tykwers Bergfilm Winterschläfer, der hier Wintersleepers heißt, wird genauso wichtig genommen wie die einschlägigen Filme von Trenker, Arnold Fanck und Leni Riefenstahl.
Eingehend widmet Ludewig sich kritischen und ambivalenten Heimatfilmen, der "hyphenated heimat", wie sie sie nennt, in Filmen wie Gegen die Wand und Fremde Haut, ostalgischen Filmen, die nach der Wende entstanden, aber in der DDR spielen, oder Werken wie Herr Lehmann, die die Mauer von der anderen Seite in Betracht nehmen.
Screening Nostalgia untersucht damit alle möglichen deutschen filmischen Interpretationen von Heimat, zeigt in einem weitgehend chronologischen Panorama Parallelen und Brüche auf, die auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen sind, und findet zahlreiche Indikatoren, die interessante Einblicke in die jeweilige Gesellschaft und Zeit erlauben, der die Filme entstammen.
Und Ludewig hat ja auch recht, wenn sie konstatiert: "The Heimat film genre, assumed to be passé by so many, is alive and well."
(Stefan Otto)
Als deutscher Leser muss man sich auch erstmal daran gewöhnen, dass Die Geier-Wally hier Vulture Waltraud heißt und Im weißen Rößl In the White Horse Hotel. Screening Nostalgia lohnt aber die Mühe des Lesens. Die Hürden, die sich stellen, lassen sich nehmen, und Gerhard Bliesbachs lange angekündigte Neufassung von So grün war die Heide lässt ohnehin auf sich warten.
Es geht in Alexandra Ludewigs Buch auch ganz und gar nicht nur um die Filme, die vor unser Augen zu laufen beginnen, wenn wir den Begriff "Heimatfilm" hören. Natürlich spielt Luis Trenkers Der verlorene Sohn eine zentrale Rolle, ebenso Sonja Ziemann als Schwarzwaldmädel. Die Hermann-Löns-Verfilmung Grün ist die Heide fehlt ebensowenig wie Edgar Reitz' Heimat-Trilogie und Hierankl von Hans Steinbichler. Doch Ludewig stützt sich nicht nur auf die traditionell dem Genre zugeordneten Filme von den zwanziger Jahren an, sondern sie bezieht ganz unkonventionell auch Werke wie Die verlorene Ehre der Katharina Blum und Hans-Christian Schmids Requiem mit ein.
So bekommt, wenn es um die Heimatfilme der fünfziger Jahre geht, zum Beispiel auch Sönke Wortmanns Das Wunder von Bern eine wesentliche Rolle zugesprochen, der vor weniger als zehn Jahren entstand, aber 1954 spielt. Tom Tykwers Bergfilm Winterschläfer, der hier Wintersleepers heißt, wird genauso wichtig genommen wie die einschlägigen Filme von Trenker, Arnold Fanck und Leni Riefenstahl.
Eingehend widmet Ludewig sich kritischen und ambivalenten Heimatfilmen, der "hyphenated heimat", wie sie sie nennt, in Filmen wie Gegen die Wand und Fremde Haut, ostalgischen Filmen, die nach der Wende entstanden, aber in der DDR spielen, oder Werken wie Herr Lehmann, die die Mauer von der anderen Seite in Betracht nehmen.
Screening Nostalgia untersucht damit alle möglichen deutschen filmischen Interpretationen von Heimat, zeigt in einem weitgehend chronologischen Panorama Parallelen und Brüche auf, die auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen sind, und findet zahlreiche Indikatoren, die interessante Einblicke in die jeweilige Gesellschaft und Zeit erlauben, der die Filme entstammen.
Und Ludewig hat ja auch recht, wenn sie konstatiert: "The Heimat film genre, assumed to be passé by so many, is alive and well."
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Screening Nostalgia - 100 Years of German Heimat Film
Autor:
Alexandra Ludewig
Erscheinungsort:
Bielefeld
Erscheinungsdatum:
2011
Seiten:
475
Verlag:
Transcript Verlag
ISBN:
978-3-8376-1462-6
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