Die Wiedergeburt eines Kultbuchs
Es gibt Bücher, auf die wartet man jahrelang. Theodore Roszaks Roman Schattenlichter, der bereits 1991 in den USA unter dem Titel Flicker erschien, ist einer dieser Fälle. Bereits kurz nach dem erscheinen zeigten sich Kritiker und Filmverrückte in den USA begeistert von dem Buch und erhoben es schnell in den Status eines Kultbuchs. In Deutschland allerdings wartete man vergebens auf das Werk des amerikanischen Geschichtsprofessors, von dem nahezu alle anderen Schriften übersetzt wurden, nur eben Flicker nicht. Das Warten hat nun ein Ende.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der junge Filmwissenschaftler Jonathan Gates, dessen Interesse am Film zuerst lediglich von seinen erotischen Phantasien geleitet ist. Doch als er die Programmkinobetreiberin Clare kennenlernt und ihr sowohl sexueller als auch cineastischer Schüler wird, beginnt sich sein Geschmack auszuformen. Durch einen Zufall stößt Jonathan auf das als verschollen geltende cineastische Werk des deutschen Emigranten Max Castle (die anglisierte Form des Namens Maximillian von Kastell), der ab 1925 in Hollywood wirkte und vor allem als Regisseur von obskuren B-Movies in Erscheinung trat. Obwohl die Filme auf den ersten Blick als beliebige Vampir-, Horror- oder Gefängnisstreifen der zweiten und dritten Kategorie sind, zeichnen sie sich doch durch enorme filmische und emotionale Qualitäten aus, die einen eigenartigen Sog auf die Zuschauer ausüben. Auch Jonathan ist gleichermaßen berührt wie abgeschreckt von den Filmen des exzentrischen Regisseur, der 1941 starb. Immer tiefer taucht er in die Filme ein und entdeckt subliminale Botschaften, raffinierte Montagen und versteckte Bilder, die offensichtlich dem Zweck dienen, Castles düstere Botschaften im Unterbewusstsein des Publikums zu verankern.
Immer wieder stößt Jonathan Gates im Lauf der Jahre, in denen er vom einfachen Studenten zum Professor für Film wird, auf eine geheimnisvolle Gruppierung mit dem Namen „Die Sturmwaisen“, die ihre Zöglinge in der Kunst des Filmhandwerks unterrichtete und die auf diese Weise über einen gewaltigen Einfluss auf das weltweite Filmschaffen verfügt. Doch die Gruppierung ist wenig an den Nachforschungen interessiert und hintertreibt die Untersuchungen über Max Castles Werk, der einer der Ihren war. Doch Jonathan Gates gibt nicht auf und dringt immer tiefer in die Geheimnisse der Sekte ein, die bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht und deren Ziele ebenso düster sind wie ihre Methoden. Film, so stellt sich heraus, ist ein mächtiges religiöses Symbol, der ewige Kampf zwischen Licht und Dunkel, Gut und Böse und in dieser Ambivalenz geradezu prädestiniert als gnostisches Propagandainstrument.
Zugegeben: Auf den ersten Blick klingt die Handlung von Schattenlichter wie ein ganz „normaler“ Verschwörungs-Thriller. Doch wenn man diese Plotline weglässt, entfaltet sich eine Subgeschichte des Kinos, wie sie schöner und aufschlussreicher kaum sein könnte. Besonders bemerkenswert dabei ist vor allem, mit welcher Leichtigkeit und Kenntnis Roszak die Fake-Persönlichkeit Max Castles mit realen Größen der Filmgeschichte zusammenbringt. Er knüpft Verbindungen zu Orson Welles und dessen geplanter Verfilmung des Romans Heart of Darkness, der später als Apocalypse Now Filmgeschichte schreiben sollte. Ebenso taucht John Houstons Klassiker Die Spur des Falken auf und entpuppt sich als Werk, auf das Max Castle gewaltigen Einfluss gehabt haben soll. Und selbst wer nicht an das Wirken der Sturmwaisen glaubt, entdeckt in Schattenlichter ganz neue Seiten an Filmen, entdeckt, welch machtvolles Instrument die bewegten Bilder darstellen und taucht ein in die Welt der Spinner, Häretiker, Phantasten, Visionäre und Besessenen, für die Film eine Religion ist. Eines ist gewiss: Wer Schattenlichter gelesen, der wird sich nie wieder einen Film anschauen, wie er das zuvor getan hat.
Wem das Buch gefallen hat, für den gibt es an dieser Stelle gute Nachrichten. Anscheinend arbeitet der Kultfilmer Darren Aronofsky (Pi, Requiem for a Dream) derzeit an der Verfilmung des Stoffes. Und wer die düsteren, hoch manipulativen und hypnotisierenden Werke Aronofskys kennt, weiß, dass kaum ein Regisseur geeigneter für den Trip zu Hollywoods dunkler Seite sein könnte als dieser Mann.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der junge Filmwissenschaftler Jonathan Gates, dessen Interesse am Film zuerst lediglich von seinen erotischen Phantasien geleitet ist. Doch als er die Programmkinobetreiberin Clare kennenlernt und ihr sowohl sexueller als auch cineastischer Schüler wird, beginnt sich sein Geschmack auszuformen. Durch einen Zufall stößt Jonathan auf das als verschollen geltende cineastische Werk des deutschen Emigranten Max Castle (die anglisierte Form des Namens Maximillian von Kastell), der ab 1925 in Hollywood wirkte und vor allem als Regisseur von obskuren B-Movies in Erscheinung trat. Obwohl die Filme auf den ersten Blick als beliebige Vampir-, Horror- oder Gefängnisstreifen der zweiten und dritten Kategorie sind, zeichnen sie sich doch durch enorme filmische und emotionale Qualitäten aus, die einen eigenartigen Sog auf die Zuschauer ausüben. Auch Jonathan ist gleichermaßen berührt wie abgeschreckt von den Filmen des exzentrischen Regisseur, der 1941 starb. Immer tiefer taucht er in die Filme ein und entdeckt subliminale Botschaften, raffinierte Montagen und versteckte Bilder, die offensichtlich dem Zweck dienen, Castles düstere Botschaften im Unterbewusstsein des Publikums zu verankern.
Immer wieder stößt Jonathan Gates im Lauf der Jahre, in denen er vom einfachen Studenten zum Professor für Film wird, auf eine geheimnisvolle Gruppierung mit dem Namen „Die Sturmwaisen“, die ihre Zöglinge in der Kunst des Filmhandwerks unterrichtete und die auf diese Weise über einen gewaltigen Einfluss auf das weltweite Filmschaffen verfügt. Doch die Gruppierung ist wenig an den Nachforschungen interessiert und hintertreibt die Untersuchungen über Max Castles Werk, der einer der Ihren war. Doch Jonathan Gates gibt nicht auf und dringt immer tiefer in die Geheimnisse der Sekte ein, die bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht und deren Ziele ebenso düster sind wie ihre Methoden. Film, so stellt sich heraus, ist ein mächtiges religiöses Symbol, der ewige Kampf zwischen Licht und Dunkel, Gut und Böse und in dieser Ambivalenz geradezu prädestiniert als gnostisches Propagandainstrument.
Zugegeben: Auf den ersten Blick klingt die Handlung von Schattenlichter wie ein ganz „normaler“ Verschwörungs-Thriller. Doch wenn man diese Plotline weglässt, entfaltet sich eine Subgeschichte des Kinos, wie sie schöner und aufschlussreicher kaum sein könnte. Besonders bemerkenswert dabei ist vor allem, mit welcher Leichtigkeit und Kenntnis Roszak die Fake-Persönlichkeit Max Castles mit realen Größen der Filmgeschichte zusammenbringt. Er knüpft Verbindungen zu Orson Welles und dessen geplanter Verfilmung des Romans Heart of Darkness, der später als Apocalypse Now Filmgeschichte schreiben sollte. Ebenso taucht John Houstons Klassiker Die Spur des Falken auf und entpuppt sich als Werk, auf das Max Castle gewaltigen Einfluss gehabt haben soll. Und selbst wer nicht an das Wirken der Sturmwaisen glaubt, entdeckt in Schattenlichter ganz neue Seiten an Filmen, entdeckt, welch machtvolles Instrument die bewegten Bilder darstellen und taucht ein in die Welt der Spinner, Häretiker, Phantasten, Visionäre und Besessenen, für die Film eine Religion ist. Eines ist gewiss: Wer Schattenlichter gelesen, der wird sich nie wieder einen Film anschauen, wie er das zuvor getan hat.
Wem das Buch gefallen hat, für den gibt es an dieser Stelle gute Nachrichten. Anscheinend arbeitet der Kultfilmer Darren Aronofsky (Pi, Requiem for a Dream) derzeit an der Verfilmung des Stoffes. Und wer die düsteren, hoch manipulativen und hypnotisierenden Werke Aronofskys kennt, weiß, dass kaum ein Regisseur geeigneter für den Trip zu Hollywoods dunkler Seite sein könnte als dieser Mann.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Schattenlichter
Autor:
Theodore Roszak
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
896
Verlag:
Heyne
ISBN:
3-453-53032-2
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