Das Weltreich der Autoren
Der Berliner Polizist Sven Lottner alias Ronald Zehrfeld beugt sich aus dem Fenster und zielt. Das Bild oben auf dem Titel, das aus Im Angesicht des Verbrechens stammt, deutet es schon an: ein Schwerpunkt der fünften Ausgabe von Scenario gilt Dominik Graf und seinen Autoren.
Regisseur Graf selbst befasst sich hier in einem schönen Essay mit fünf Drehbuchautoren, mit denen er arbeitete: Rolf Basedow (Eine Stadt wird erpresst), Markus Busch (Dreileben: Komm mir nicht nach), Christoph Fromm (Spieler), Günter Schütter (Der rote Kakadu) und Bernd Schwamm (Deine besten Jahre). Sein Text ist auch so etwas wie eine Positionsbestimmung von Regie und Drehbuch im Bereich des filmischen Erzählens. Fast, oder tatsächlich, ist er dazu eine Liebeserklärung an die Autoren. Die, mit denen er bislang das Glück gehabt habe, zu arbeiten, hätten sein Leben verändert, schreibt Graf. "In ihren Drehbüchern habe ich jeden Augenblick gespannt gelesen, immer wieder wurde ich überrascht, angefixt, letztendlich glücklich gemacht. (...) 'Meine' Filme sind im Grunde ihre Filme. Sie bilden für mich das Weltreich der Autoren, das so viel geheimnisvoller, verführerischer ist als die Welt der Regisseure."
Mit Dominik Grafs Blick auf seine Schreiber korrespondiert das ausführliche Werkstattgespräch, das Herausgeber Jochen Brunow mit Rolf Basedow führte. Es geht darin besonders, aber nicht nur um die Basedow-Grafschen Filme Hotte im Paradies und Im Angesicht des Verbrechens.
In einem anderen Beitrag in Scenario befasst sich der Amerikaner Keith Cunningham, Autor von The Soul of Screenwriting, mit der Würde des Dramas. Es entstand, schreibt er, zur gleichen Zeit und am gleichen Ort wie die Ideen der Demokratie und der Wissenschaft. Es sei nicht allein ein Medium der Unterhaltung, sondern von seiner ursprünglichen Funktion her ein Instrument der Untersuchung menschlicher Konflikte. Was das für Autoren und Regisseure zu bedeuten hat, führt er in seinem Text aus.
Mit Engel aus Eisen, Domino und Der Passagier - Welcome to Germany von Thomas Brasch, der vor zehn Jahren starb, befasst sich Michael Töteberg. Die drei Filme aus den achtziger Jahren sieht er als "markante Ereignisse in der Filmgeschichte, die jedoch nicht ins Repertoire eingingen. Stilbewusst, kühn und innovativ, Kinotraditionen von Expressionismus, DEFA (Gerhard Klein, Konrad Wolf) und westdeutschem Autorenfilm (Fassbinder) aufgreifend und doch ganz eigen und gegenwärtig."
Zu diesen erwähnten kommen noch zehn Beiträge dazu, erst sie machen das Jahrbuch komplett. Scenario bleibt damit, was es schon von seiner ersten Ausgabe 2007 an war: ein lebendiges Forum für die Formen filmischen Erzählens.
(Stefan Otto)
Regisseur Graf selbst befasst sich hier in einem schönen Essay mit fünf Drehbuchautoren, mit denen er arbeitete: Rolf Basedow (Eine Stadt wird erpresst), Markus Busch (Dreileben: Komm mir nicht nach), Christoph Fromm (Spieler), Günter Schütter (Der rote Kakadu) und Bernd Schwamm (Deine besten Jahre). Sein Text ist auch so etwas wie eine Positionsbestimmung von Regie und Drehbuch im Bereich des filmischen Erzählens. Fast, oder tatsächlich, ist er dazu eine Liebeserklärung an die Autoren. Die, mit denen er bislang das Glück gehabt habe, zu arbeiten, hätten sein Leben verändert, schreibt Graf. "In ihren Drehbüchern habe ich jeden Augenblick gespannt gelesen, immer wieder wurde ich überrascht, angefixt, letztendlich glücklich gemacht. (...) 'Meine' Filme sind im Grunde ihre Filme. Sie bilden für mich das Weltreich der Autoren, das so viel geheimnisvoller, verführerischer ist als die Welt der Regisseure."
Mit Dominik Grafs Blick auf seine Schreiber korrespondiert das ausführliche Werkstattgespräch, das Herausgeber Jochen Brunow mit Rolf Basedow führte. Es geht darin besonders, aber nicht nur um die Basedow-Grafschen Filme Hotte im Paradies und Im Angesicht des Verbrechens.
In einem anderen Beitrag in Scenario befasst sich der Amerikaner Keith Cunningham, Autor von The Soul of Screenwriting, mit der Würde des Dramas. Es entstand, schreibt er, zur gleichen Zeit und am gleichen Ort wie die Ideen der Demokratie und der Wissenschaft. Es sei nicht allein ein Medium der Unterhaltung, sondern von seiner ursprünglichen Funktion her ein Instrument der Untersuchung menschlicher Konflikte. Was das für Autoren und Regisseure zu bedeuten hat, führt er in seinem Text aus.
Mit Engel aus Eisen, Domino und Der Passagier - Welcome to Germany von Thomas Brasch, der vor zehn Jahren starb, befasst sich Michael Töteberg. Die drei Filme aus den achtziger Jahren sieht er als "markante Ereignisse in der Filmgeschichte, die jedoch nicht ins Repertoire eingingen. Stilbewusst, kühn und innovativ, Kinotraditionen von Expressionismus, DEFA (Gerhard Klein, Konrad Wolf) und westdeutschem Autorenfilm (Fassbinder) aufgreifend und doch ganz eigen und gegenwärtig."
Zu diesen erwähnten kommen noch zehn Beiträge dazu, erst sie machen das Jahrbuch komplett. Scenario bleibt damit, was es schon von seiner ersten Ausgabe 2007 an war: ein lebendiges Forum für die Formen filmischen Erzählens.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Scenario 5 - Film- und Drehbuch-Almanach
Autor:
Jochen Brunow
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2011
Seiten:
348
Verlag:
Bertz + Fischer
ISBN:
978-3-86505-209-4
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