Wiener Projektionen der Sehnsucht
Das großformatige und reich, fast überreich bebilderte Buch Saturn - Wiener Filmerotik 1906-1910 erzählt von der Geburt des österreichischen Films aus dem Geist des Voyeurismus. Denn die Wiener Produktionsfirma Saturn drehte von 1906 bis 1910 jene erotischen Kurzfilme, die als die ersten in Österreich hergestellten Spielfilme überhaupt gelten.
"Wer Bedarf an hochpikanten Herrenabend-Films hat, wende sich an untenstehende Firma. Für tadelloses Material und erstklassige Ausführung garantiert (...) Atelier 'Saturn', Vertretung: Wien III" - mit diesen Zeilen warb die Produktion des Schlesiers Johann Schwarzer 1906 in der Zeitschrift Der Komet. Die pikanten Laufbilder waren nach französischen Vorbildern gefertigt und positionierten Damen, die sich entkleideten oder von vornherein nackt waren, an heimischen und exotischen Schauplätzen. Dabei betonte man, dass die Filme "rein künstlerischer Tendenz" seien und Saturn "auf das peinlichste" vermeide, "der Schönheit durch Geschmacklosigkeit Abbruch zu tun."
Die Filmminiaturen, die so deutlich sprechende Titel wie Diana im Bade, In der Garderobe oder Pfänderspiele tragen, erzählen kleine Geschichten nachgeordneter Dramaturgie, die die Grenzen des Spielerischen niemals verlassen. Zu sehen sind Badende, Aktmodelle, Stubenmädchen oder Orientalinnen, und die Handlung, so formuliert es Filmwissenschaftler Günter Krenn in seinem Beitrag zur Komik in den Saturn-Filmen "variiert zumeist ein singuläres Grundschema, wonach sich eine oder mehrere Frauen aus irgendeinem Vorwand oder zu irgendeinem Zweck ihrer Kleidung entledigen, damit Männer von ihnen Notiz (oder mehr) nehmen können".
Den halben Umfang des Buches nimmt die ausführliche und sehr reich bebilderte Saturn-Filmografie ein. Die andere Hälfte offeriert verschiedene Beiträge der Herausgeber und weiterer Autoren. Unter anderem zur Überlieferungssituation der Filme, zur Quellenlage und zur Restaurierung, zur Historie der Firma, zu den Auswirkungen ihrer Produktionen auf die österreichische Filmzensur oder, etwas weiter wegführend, überhaupt zu Erotik, Pornografie und Adult Remakes, wo aus Filmen wie Sin City Titel wie Sex City erwachsen.
Saturn - Wiener Filmerotik 1906-1910 gibt es einzeln als auch im Verbund mit einer DVD Saturn - Filme 1906-1910 - Die erotischen Anfänge der österreichischen Kinematografie, die 22 Filme, dazu Fragmente und das Reprint des Katalogs Saturn-Films aus dem Jahr 1907 enthält.
(Stefan Otto)
"Wer Bedarf an hochpikanten Herrenabend-Films hat, wende sich an untenstehende Firma. Für tadelloses Material und erstklassige Ausführung garantiert (...) Atelier 'Saturn', Vertretung: Wien III" - mit diesen Zeilen warb die Produktion des Schlesiers Johann Schwarzer 1906 in der Zeitschrift Der Komet. Die pikanten Laufbilder waren nach französischen Vorbildern gefertigt und positionierten Damen, die sich entkleideten oder von vornherein nackt waren, an heimischen und exotischen Schauplätzen. Dabei betonte man, dass die Filme "rein künstlerischer Tendenz" seien und Saturn "auf das peinlichste" vermeide, "der Schönheit durch Geschmacklosigkeit Abbruch zu tun."
Die Filmminiaturen, die so deutlich sprechende Titel wie Diana im Bade, In der Garderobe oder Pfänderspiele tragen, erzählen kleine Geschichten nachgeordneter Dramaturgie, die die Grenzen des Spielerischen niemals verlassen. Zu sehen sind Badende, Aktmodelle, Stubenmädchen oder Orientalinnen, und die Handlung, so formuliert es Filmwissenschaftler Günter Krenn in seinem Beitrag zur Komik in den Saturn-Filmen "variiert zumeist ein singuläres Grundschema, wonach sich eine oder mehrere Frauen aus irgendeinem Vorwand oder zu irgendeinem Zweck ihrer Kleidung entledigen, damit Männer von ihnen Notiz (oder mehr) nehmen können".
Den halben Umfang des Buches nimmt die ausführliche und sehr reich bebilderte Saturn-Filmografie ein. Die andere Hälfte offeriert verschiedene Beiträge der Herausgeber und weiterer Autoren. Unter anderem zur Überlieferungssituation der Filme, zur Quellenlage und zur Restaurierung, zur Historie der Firma, zu den Auswirkungen ihrer Produktionen auf die österreichische Filmzensur oder, etwas weiter wegführend, überhaupt zu Erotik, Pornografie und Adult Remakes, wo aus Filmen wie Sin City Titel wie Sex City erwachsen.
Saturn - Wiener Filmerotik 1906-1910 gibt es einzeln als auch im Verbund mit einer DVD Saturn - Filme 1906-1910 - Die erotischen Anfänge der österreichischen Kinematografie, die 22 Filme, dazu Fragmente und das Reprint des Katalogs Saturn-Films aus dem Jahr 1907 enthält.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Saturn - Wiener Filmerotik 1906-1910
Erscheinungsort:
Wien
Erscheinungsdatum:
2009
Seiten:
200
Verlag:
Filmarchiv Austria
ISBN:
978-3-902531-80-3
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