Reiseziel Che Guevara – Mit dem Motorrad durch Lateinamerika
Kinostart:
10.11.2005
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Die Spuren eines Mythos
Die Faszination, die vom „Guerrillero heroico numero uno“, auch bekannt als Che Guevara, ausgeht, ist bis heute ungebrochen. Obwohl schon lange nicht mehr am Leben, oder vielleicht auch gerade deshalb, wurde aus dem Menschen Guevara ein Mythos. Aus dem Mythos schließlich die Popfigur, die in den Regalen der Souvenir-Läden direkt neben James Dean und Kurt Cobain ihren Platz gefunden hat. Heute gibt es Che-T-Shirts und -Unterwäsche, Che-Aufkleber, -Poster, -Taschentücher, -Tassen, -Untersetzer, selbst Che-Bier und vieles mehr. „Aber es war nicht nur der blühende Kapitalismus der Ersten Welt, der sich das Porträt von Che zu nutze machte. Die Kubaner druckten Ches Konterfei auf Banknoten, die Ecuadorianer produzierten Schmutzfänger für südamerikanische Lastwagen, und in Argentinien wurde Che wieder einmal zu einer der beliebtesten Personen gewählt, obwohl die Regierung seine Anhänger einst durch die Slums gejagt hatte.“ So beschreibt Patrick Symmes in Reiseziel Che Guevara – Mit dem Motorrad durch Lateinamerika den Kult um einen Menschen, von dem viele die sein Porträt stolz auf der Brust tragen, nicht einmal mehr wissen, war er nun Argentinier oder Kubaner, Bolivier oder doch Chilene?
Ernesto Guevara Lynch de la Serna – kurz Che oder auch El Che, wurde und wird bis heute für die unterschiedlichsten Zwecke missbraucht. Allein die langjährige Suche nach dem Leichnam Guevaras hatte staatspolitische Hintergründe: „ Die argentinische Linke wollte ein Symbol für ihre eigene Opferrolle; die Kubaner eine Reliquie, um ihrer komatösen Revolution neues Leben einzuhauchen; und die Bolivianer hofften auf Einnahmen aus dem Zustrom von Touristen.“ Doch wer war dieser Che wirklich? Wie wurde aus dem ambitionierten Medizinstudenten Ernesto Guevara Lynch de la Serna, dem Sohn aus gutem Hause, das Sinnbild für Revolution und Klassenkampf? Und welche Bedeutung hat El Comandante heute noch für die lateinamerikanische Bevölkerung? Eben dieser Frage versucht Patrick Symmes auf den Grund zu gehen: „Ich war nach Südamerika gekommen, um einen jugendlichen und ursprünglichen Guevara zu finden, vielleicht einen jungen Mann, der seiner Legendenbildung zeitlich vorausgegangen war, einen Ernesto, den es bereits vor Che gegeben hatte.“
Und so begibt sich Patrick Symmes auf eine abenteuerliche Reise. Im Sattel seines Geländemotorrads startet er seine Spurensuche in Argentinien und verfolgt von Buenos Aires aus die gleiche Route, die Ernesto Guevara 1952 quer durch Lateinamerika führte. Wen wundert es: Als Reiseführer fungierte hierbei Ches Reisetagebuch, berühmt geworden durch den Film The Motorcycle Diaries. Und entstanden auf eben jenem Trip, der Guevara angeblich erst zu dem machte, als der er bis heute verehrt wird: Il Che. Dem Mitherausgeber von Harpers (nicht zu verwechseln mit dem Hochglanzmagazin Harpers Bazar) ist ganz nebenbei ein sehr lesenswerter Reisebericht gelungen, der vor allem eins ist – eine Hommage an ein Land und seine Einwohner. Sehr gekonnt verknüpft der selbsternannte Südamerika-Fan die Geschichte des Revolutionärs Che, mit dem Mythos und spickt all’ das mit Auszügen aus den Tagebüchern Guevaras und Alberto Granados. Denn für alle, die es noch nicht wussten: Auch Ches Reisegefährte machte sich während der Reise tägliche Notizen, was Anlass genug ist, die Eintragungen ab und an miteinander zu vergleichen.
Die Art wie Symmes es gelingt dies alles zudem mit historischen Daten und aktuellen politischen Fakten zu verweben, macht das Buch zu einem informativen und gleichzeitig kurzweiligen Lesevergnügen; nicht nur für Südamerika-Freunde. Wie nebenbei erfährt der Leser von politischen Unruhen, sozialen Missständen und den täglichen Herausforderungen der Bevölkerung. Dass sie trotz ihrer Skepsis gegenüber Gringos per se eine enorme Hilfsbereitschaft an den Tag legen, führt zu mitunter rührenden, zum Teil aber auch urkomischen Anekdoten, die dem Reisebericht erst seine nötige Würze geben. So wird Patrick Symmes bereits vor Beginn seiner Rundfahrt mit der südamerikanischen Mentalität konfrontiert, als er in den Docks von Buenos Aires sein Motorrad abholen möchte: „In der Ecke stand ein Motorrad, das mit einer Plastikplane zugedeckt war. Diese Plane riss der Vorarbeiter mit großer Geste herunter und präsentierte mir einen glänzenden Honda Chopper. Ein wunderschönes Motorrad, aber leider nicht meins. Der Vorarbeiter war der Ansicht, ich solle mein BMW-Geländemotorrad doch einfach vergessen und stattdessen die Honda nehmen…“
Stets auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, was Che für die Menschen heute noch bedeutet, findet Symmes während seiner Reise die unterschiedlichsten Definitionen. Besonders erwähnenswert die Episode, als der Journalist einen neunjährigen Jungen, der bis zu diesem Zeitpunkt ohne Punkt und Komme gequasselt hatte, die kurze Frage stellt: „Kennst du Che?“ Und dieser nicht mehr zu entgegnen weiß, als ein erstauntes und unwissendes: „Spielt der Fußball?“ Am Ende seiner Reise hat Symmes über 16.000 Kilometer zurückgelegt, hat einen der letzten Weggefährten Guevaras aus der Zeit in Bolivien getroffen und mit Alberto Granado eine Nacht lang in Havanna durchgesoffen. Ausgerechnet einen Tag bevor Ches Leichnam – in Bolivien aufwendig exhumiert – in Havanna vielleicht wirklich zum aller letzen Mal beigesetzt wurde.
(Jasmin Haery)
Ernesto Guevara Lynch de la Serna – kurz Che oder auch El Che, wurde und wird bis heute für die unterschiedlichsten Zwecke missbraucht. Allein die langjährige Suche nach dem Leichnam Guevaras hatte staatspolitische Hintergründe: „ Die argentinische Linke wollte ein Symbol für ihre eigene Opferrolle; die Kubaner eine Reliquie, um ihrer komatösen Revolution neues Leben einzuhauchen; und die Bolivianer hofften auf Einnahmen aus dem Zustrom von Touristen.“ Doch wer war dieser Che wirklich? Wie wurde aus dem ambitionierten Medizinstudenten Ernesto Guevara Lynch de la Serna, dem Sohn aus gutem Hause, das Sinnbild für Revolution und Klassenkampf? Und welche Bedeutung hat El Comandante heute noch für die lateinamerikanische Bevölkerung? Eben dieser Frage versucht Patrick Symmes auf den Grund zu gehen: „Ich war nach Südamerika gekommen, um einen jugendlichen und ursprünglichen Guevara zu finden, vielleicht einen jungen Mann, der seiner Legendenbildung zeitlich vorausgegangen war, einen Ernesto, den es bereits vor Che gegeben hatte.“
Und so begibt sich Patrick Symmes auf eine abenteuerliche Reise. Im Sattel seines Geländemotorrads startet er seine Spurensuche in Argentinien und verfolgt von Buenos Aires aus die gleiche Route, die Ernesto Guevara 1952 quer durch Lateinamerika führte. Wen wundert es: Als Reiseführer fungierte hierbei Ches Reisetagebuch, berühmt geworden durch den Film The Motorcycle Diaries. Und entstanden auf eben jenem Trip, der Guevara angeblich erst zu dem machte, als der er bis heute verehrt wird: Il Che. Dem Mitherausgeber von Harpers (nicht zu verwechseln mit dem Hochglanzmagazin Harpers Bazar) ist ganz nebenbei ein sehr lesenswerter Reisebericht gelungen, der vor allem eins ist – eine Hommage an ein Land und seine Einwohner. Sehr gekonnt verknüpft der selbsternannte Südamerika-Fan die Geschichte des Revolutionärs Che, mit dem Mythos und spickt all’ das mit Auszügen aus den Tagebüchern Guevaras und Alberto Granados. Denn für alle, die es noch nicht wussten: Auch Ches Reisegefährte machte sich während der Reise tägliche Notizen, was Anlass genug ist, die Eintragungen ab und an miteinander zu vergleichen.
Die Art wie Symmes es gelingt dies alles zudem mit historischen Daten und aktuellen politischen Fakten zu verweben, macht das Buch zu einem informativen und gleichzeitig kurzweiligen Lesevergnügen; nicht nur für Südamerika-Freunde. Wie nebenbei erfährt der Leser von politischen Unruhen, sozialen Missständen und den täglichen Herausforderungen der Bevölkerung. Dass sie trotz ihrer Skepsis gegenüber Gringos per se eine enorme Hilfsbereitschaft an den Tag legen, führt zu mitunter rührenden, zum Teil aber auch urkomischen Anekdoten, die dem Reisebericht erst seine nötige Würze geben. So wird Patrick Symmes bereits vor Beginn seiner Rundfahrt mit der südamerikanischen Mentalität konfrontiert, als er in den Docks von Buenos Aires sein Motorrad abholen möchte: „In der Ecke stand ein Motorrad, das mit einer Plastikplane zugedeckt war. Diese Plane riss der Vorarbeiter mit großer Geste herunter und präsentierte mir einen glänzenden Honda Chopper. Ein wunderschönes Motorrad, aber leider nicht meins. Der Vorarbeiter war der Ansicht, ich solle mein BMW-Geländemotorrad doch einfach vergessen und stattdessen die Honda nehmen…“
Stets auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, was Che für die Menschen heute noch bedeutet, findet Symmes während seiner Reise die unterschiedlichsten Definitionen. Besonders erwähnenswert die Episode, als der Journalist einen neunjährigen Jungen, der bis zu diesem Zeitpunkt ohne Punkt und Komme gequasselt hatte, die kurze Frage stellt: „Kennst du Che?“ Und dieser nicht mehr zu entgegnen weiß, als ein erstauntes und unwissendes: „Spielt der Fußball?“ Am Ende seiner Reise hat Symmes über 16.000 Kilometer zurückgelegt, hat einen der letzten Weggefährten Guevaras aus der Zeit in Bolivien getroffen und mit Alberto Granado eine Nacht lang in Havanna durchgesoffen. Ausgerechnet einen Tag bevor Ches Leichnam – in Bolivien aufwendig exhumiert – in Havanna vielleicht wirklich zum aller letzen Mal beigesetzt wurde.
(Jasmin Haery)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Reiseziel Che Guevara – Mit dem Motorrad durch Lateinamerika
Autor:
Patrick Symmes
Erscheinungsort:
Hamburg
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
348
Verlag:
Edition Nautilus
ISBN:
3-89401-464-4
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