Reisefilme. Ästhetik und Geschichte
Kinostart:
07.04.2005
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Mit der Filmkamera durch die Welt
„Jeder Film ist eine Reise“, sagte der Regisseur Edgar Reitz 1995 bei einem Vortrag an der Universität Trier und brachte damals auf den Punkt, worum es sich in dem 384 Seiten starken Buch von Annette Deeken dreht: In Reisefilme – einer überarbeiteten Version ihrer Habilitationsschrift – geht es um das weite Feld des Reisefilms. Wann wird ein Film zum Reisefilm? Genügt es schon, wenn Fortbewegung dargestellt wird? Darf ein Reisefilm auch fiktionale Züge tragen? Oder muss ein Reisefilm zwingend dokumentarisch sein? All’ diesen Fragen geht die ehemalige FAZ-Redakteurin auf die Spur und beweist, dass es eine einheitliche Definition, wann ein Film zum Reisefilm wird, bis heute nicht wirklich gibt.
Sowohl die typischen ästhetischen Mittel als auch die untypischen Grenzformen des Reisefilms werden vorgestellt. Gleichzeitig werden die unterschiedlichen Strömungen und Theorien genannt und die diversen Typen des Genres beleuchtet, die „vom Halbsekundenfilm bis zum Mehrstunden-Werk, vom nüchternen Dokumentarismus bis zur poetischen Zustandsbeschreibung und vom Kinofilm bis zur künstlerischen Rauminstallation“ reichen. Gleichzeitig entblättert die heutige Dozentin für Photo- und Kinematographie an der Universität Trier die historische Entwicklung des Reisefilms. Die Tradition beginnt bereits mit den Anfängen der bewegten Bilder, mit den Brüdern Lumières, die Film grundsätzlich als Dokumentation von Bewegung und Fortbewegung verstanden. Film, Bewegung und auf Reise sein gehörte für die Filmpioniere unmittelbar zusammen, war es doch ihrer Meinung zufolge zwingend nötig unterwegs zu sein, um filmische Motive überhaupt erst zu erhalten, bzw. eine Darstellungsberechtigung zu erlangen.
Doch wird ein Film schon zum Reisefilm, nur weil ein Kamerateam sich aus dem Studio heraus begibt und sich an die Originalschauplätze der Geschichten begibt? Es scheint fast so, denn auch Die Jagd nach der Hundertpfundnote oder Die Reise um die Welt, ein Film von Willy Zeyn aus dem Jahre 1919, der auf einem Freigelände bei Berlin gedreht wurde und durch Hilfsfilme aus Ägypten, Indien, Japan und Kairo ergänzt wurde, zählt laut Annette Deeken zu den Reisefilmen.
Immer wieder wird die theoretische und ästhetische Diskussion durch Anekdoten und Making Ofs aufgelockert. So wird beispielsweise die nach wie vor eindrucksvolle Entstehungsgeschichte von Werner Herzogs Film Fitzcarraldo nacherzählt. Handelt es sich doch um einen Film, bei dem Mario Adorf, Klaus Kinski, Claudia Cardinale und auch Mick Jagger mitwirkten, der während seiner Entstehungszeit immer wieder von Rück- und Schicksalsschlägen überschattet wurde und der eine lebhafte Diskussion über den Sinn und Unsinn von absoluter Authentizität anregte. Und selbstverständlich darf bei einer Abhandlung des Genres Reisefilm auch die Frage nach dem Unterschied zwischen Reisenden und Touristen nicht fehlen, muss die Frage nach der Moral und der Verantwortung der Filmemacher gestellt werden sowie die Frage nach Authentizität: Wäre beispielsweise Ulrike Ottingers China-Film ohne die Öffnung Chinas für die westliche Welt je möglich gewesen? Reisefilme sind somit auch Zeugnis kultureller Wenden, sie „spiegeln die geographische und kulturelle Fremde, mitunter spielen sie aber auch mit den Abbildern dieser Welt. Reisefilme laden ihre Zuschauer zu einem Bummel durch Raum und Zeit ein und bieten ihnen touristische, sozialkritische, neugierige, staunende oder erhellende Blicke an“, bringt es der Klappentext auf den Punkt. Und dem ist nichts hinzu zu fügen.
(Jasmin Haery)
Sowohl die typischen ästhetischen Mittel als auch die untypischen Grenzformen des Reisefilms werden vorgestellt. Gleichzeitig werden die unterschiedlichen Strömungen und Theorien genannt und die diversen Typen des Genres beleuchtet, die „vom Halbsekundenfilm bis zum Mehrstunden-Werk, vom nüchternen Dokumentarismus bis zur poetischen Zustandsbeschreibung und vom Kinofilm bis zur künstlerischen Rauminstallation“ reichen. Gleichzeitig entblättert die heutige Dozentin für Photo- und Kinematographie an der Universität Trier die historische Entwicklung des Reisefilms. Die Tradition beginnt bereits mit den Anfängen der bewegten Bilder, mit den Brüdern Lumières, die Film grundsätzlich als Dokumentation von Bewegung und Fortbewegung verstanden. Film, Bewegung und auf Reise sein gehörte für die Filmpioniere unmittelbar zusammen, war es doch ihrer Meinung zufolge zwingend nötig unterwegs zu sein, um filmische Motive überhaupt erst zu erhalten, bzw. eine Darstellungsberechtigung zu erlangen.
Doch wird ein Film schon zum Reisefilm, nur weil ein Kamerateam sich aus dem Studio heraus begibt und sich an die Originalschauplätze der Geschichten begibt? Es scheint fast so, denn auch Die Jagd nach der Hundertpfundnote oder Die Reise um die Welt, ein Film von Willy Zeyn aus dem Jahre 1919, der auf einem Freigelände bei Berlin gedreht wurde und durch Hilfsfilme aus Ägypten, Indien, Japan und Kairo ergänzt wurde, zählt laut Annette Deeken zu den Reisefilmen.
Immer wieder wird die theoretische und ästhetische Diskussion durch Anekdoten und Making Ofs aufgelockert. So wird beispielsweise die nach wie vor eindrucksvolle Entstehungsgeschichte von Werner Herzogs Film Fitzcarraldo nacherzählt. Handelt es sich doch um einen Film, bei dem Mario Adorf, Klaus Kinski, Claudia Cardinale und auch Mick Jagger mitwirkten, der während seiner Entstehungszeit immer wieder von Rück- und Schicksalsschlägen überschattet wurde und der eine lebhafte Diskussion über den Sinn und Unsinn von absoluter Authentizität anregte. Und selbstverständlich darf bei einer Abhandlung des Genres Reisefilm auch die Frage nach dem Unterschied zwischen Reisenden und Touristen nicht fehlen, muss die Frage nach der Moral und der Verantwortung der Filmemacher gestellt werden sowie die Frage nach Authentizität: Wäre beispielsweise Ulrike Ottingers China-Film ohne die Öffnung Chinas für die westliche Welt je möglich gewesen? Reisefilme sind somit auch Zeugnis kultureller Wenden, sie „spiegeln die geographische und kulturelle Fremde, mitunter spielen sie aber auch mit den Abbildern dieser Welt. Reisefilme laden ihre Zuschauer zu einem Bummel durch Raum und Zeit ein und bieten ihnen touristische, sozialkritische, neugierige, staunende oder erhellende Blicke an“, bringt es der Klappentext auf den Punkt. Und dem ist nichts hinzu zu fügen.
(Jasmin Haery)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Reisefilme. Ästhetik und Geschichte
Autor:
Annette Deeken
Erscheinungsort:
Remscheid
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
384
Verlag:
Gardez Verlag
ISBN:
3-89796-130-X
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