Prag-Film AG 1941-1945 und Zwischen Barrandov und Babelsberg
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Zwei Bücher über deutsch-tschechische Filmgeschichte
Das Verhältnis zwischen deutscher und tschechischer Kultur hat sich durch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts entscheidend verändert. Diese Entwicklung spiegelt sich ganz selbstverständlich auch in der Filmgeschichte. In der silbergrauen edition text + kritik wurden nun gleich zwei Bücher veröffentlicht, die sich mit diesem Thema, mit den Filmbeziehungen dieser Länder befassen.
Prag-Film AG 1941-1945 - Im Spannungsfeld zwischen Protektorats- und Reichs-Kinematografie ist ein aus mehreren ungleichen Kapiteln zusammengefügtes, interessantes Buch, das sich mit dem in Deutschland lange vernachlässigten, weil politisch heiklen Thema der deutsch-tschechischen Filmbeziehungen in der Epoche der Okkupation der Nazis befasst. Zunächst liefert Ivan Klimeš vom Národní filmový archiv (NFA), dem Nationalen Filmarchiv in Prag, einen einführenden Überblick über die Strukturen der Kinematografie im von 1939 bis 1945 bestehenden "Protektorat Böhmen und Mähren". Der restliche, viel umfangreichere Teil des Bandes stammt von der Prager Filmwissenschaftlerin Tereza Dvoráková. Sie konzentriert sich auf die 1941 gegründete Prag-Film Aktiengesellschaft, ein ganz wichtiges Element der Kinematografie im Protektorat. Die Autorin schildert die Umstände der Entstehung, der Funktionsweise und des Niedergangs der Filmproduktionsgesellschaft, deren Einfluss ab 1943 anstieg, als Prag wegen der relativen Sicherheit vor Bombenangriffen ein gefragter Ort für Filmer aus dem Deutschen Reich wurde. Dvoráková liefert außerdem eine lobenswert umfangreiche Filmografie der Prag-Film sowie eine Reihe von Dokumenten und zeitgenössischen Pressestimmen.
Das zweite Buch, Zwischen Barrandov und Babelsberg - Deutsch-tschechische Filmbeziehungen im 20. Jahrhundert, versammelt siebzehn Beiträge von Film- und Literaturwissenschaftlern, Historikern und Soziologen. Sie befassen sich mit den Auswirkungen der wechselnden politischen Konstellationen auf die Filmproduktion und -rezeption, den Karrieren der Filmschaffenden und den inhaltlichen Reflexionen in deutschen und tschechoslowakischen Filmen. Themen sind ebenso der organisatorische Aufbau des Lenkungsapparates im Reichsprotektorat (auch Tereza Dvoráková ist hier mit einem Beitrag vertreten), exemplarische Biografien von NS-Filmfunktionären und die ambivalente Rolle tschechischer Filmschaffender. Weitere Schwerpunkte sind die Produktions- und Distributionsstrategien deutscher Konzerne in der Tschechoslowakei in der Zeit zwischen den Kriegen, die ideologischen und ökonomischen Hintergründe der Coproduktionen der CSSR mit der DDR oder der BRD, Analysen zum Bild der Deutschen im tschechosolowakischen Nachkriegsfilm und zum Umgang mit der Vertriebenenproblematik in den Filmen der Länder.
(Stefan Otto)
Prag-Film AG 1941-1945 - Im Spannungsfeld zwischen Protektorats- und Reichs-Kinematografie ist ein aus mehreren ungleichen Kapiteln zusammengefügtes, interessantes Buch, das sich mit dem in Deutschland lange vernachlässigten, weil politisch heiklen Thema der deutsch-tschechischen Filmbeziehungen in der Epoche der Okkupation der Nazis befasst. Zunächst liefert Ivan Klimeš vom Národní filmový archiv (NFA), dem Nationalen Filmarchiv in Prag, einen einführenden Überblick über die Strukturen der Kinematografie im von 1939 bis 1945 bestehenden "Protektorat Böhmen und Mähren". Der restliche, viel umfangreichere Teil des Bandes stammt von der Prager Filmwissenschaftlerin Tereza Dvoráková. Sie konzentriert sich auf die 1941 gegründete Prag-Film Aktiengesellschaft, ein ganz wichtiges Element der Kinematografie im Protektorat. Die Autorin schildert die Umstände der Entstehung, der Funktionsweise und des Niedergangs der Filmproduktionsgesellschaft, deren Einfluss ab 1943 anstieg, als Prag wegen der relativen Sicherheit vor Bombenangriffen ein gefragter Ort für Filmer aus dem Deutschen Reich wurde. Dvoráková liefert außerdem eine lobenswert umfangreiche Filmografie der Prag-Film sowie eine Reihe von Dokumenten und zeitgenössischen Pressestimmen.
Das zweite Buch, Zwischen Barrandov und Babelsberg - Deutsch-tschechische Filmbeziehungen im 20. Jahrhundert, versammelt siebzehn Beiträge von Film- und Literaturwissenschaftlern, Historikern und Soziologen. Sie befassen sich mit den Auswirkungen der wechselnden politischen Konstellationen auf die Filmproduktion und -rezeption, den Karrieren der Filmschaffenden und den inhaltlichen Reflexionen in deutschen und tschechoslowakischen Filmen. Themen sind ebenso der organisatorische Aufbau des Lenkungsapparates im Reichsprotektorat (auch Tereza Dvoráková ist hier mit einem Beitrag vertreten), exemplarische Biografien von NS-Filmfunktionären und die ambivalente Rolle tschechischer Filmschaffender. Weitere Schwerpunkte sind die Produktions- und Distributionsstrategien deutscher Konzerne in der Tschechoslowakei in der Zeit zwischen den Kriegen, die ideologischen und ökonomischen Hintergründe der Coproduktionen der CSSR mit der DDR oder der BRD, Analysen zum Bild der Deutschen im tschechosolowakischen Nachkriegsfilm und zum Umgang mit der Vertriebenenproblematik in den Filmen der Länder.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Prag-Film AG 1941-1945 und Zwischen Barrandov und Babelsberg
Erscheinungsdatum:
2008
Seiten:
211 (Prag-Film) und 208 (Zwischen Barrandov und Babelsberg)
Verlag:
edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag
ISBN:
978-3-88377-950-8 und 978-3-88377-949-2
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