Im Hollywood der Lustfabriken
Pornoland. Was für ein Titel. So nahe liegend, so vielsagend. Warum kam da keiner vorher drauf? Na gut, so viele Bücher über das einträgliche Geschäft mit Körperflüssigkeiten gibt es dann auch wieder nicht. Abgesehen von ein paar Biografien von Szenegrößen wie Kelly Trump oder Jenna Jameson. Doch arg viel Neuigkeiten bietet Pornoland dann auch nicht, um es zu einem Hintergrundbericht über das Pornogeschäft zu stilisieren. Pornoland ist mehr ein Bildband. Mit einem Vorwort, dass in der Buchmitte steht. Eingerahmt von einigen ganzseitigen Fotos (dazu gleich mehr), versucht Autor Martin Amis dem Leser schockierende Fakten über das Pornobusiness nahe zu bringen. Chloe hat Herpes. Und so ziemlich jeder andere im Business auch. Aber es gibt keiner zu, weswegen es dann heißt "Ich bin nur wund gerieben." Alles klar. "Nach einer Weile denkt man sich, dass Pornostars zwar sehr schlechte Schauspieler sind, eins aber grandios beherrschen – sich das Lachen zu verbeißen." Mit diesem Zitat von Autor Amis wird klar, wie es auf dem Filmset einer Pornoproduktion zugeht. Wie in einigen der begleitenden Bildern gezeigt, ist es für die meisten tatsächlich nur ein Job. In den Pausen plauscht man miteinander, raucht eine, tauscht Tricks und Erfahrungen aus.
Aber es gibt auch starken Tobak. Wenn ein Produzent kalt darüber schwadroniert, wie 18jährige Mädchen von der Industrie durchgekaut und ausgespuckt werden. Da merkt man dann wieder, dass es eine Industrie ist, die hier arbeitet. Menschen sind die Maschinen. Und irgendwann sind diese verschlissen, werden durch neue Maschinen ersetzt. "Man hört mich in dem Film schreien, ‚Stell die verdammte Kamera ab’. Aber die haben einfach weitergefilmt." berichtet eine Darstellerin bitter, als sie sich an einen besonders heftigen Hardcore-Dreh erinnert.
Die Fotos dieses Bildbandes wurden im Lauf einiger Jahre vom Fotografen Stefano De Luigi gemacht. Oft sind es bloß Momentaufnahmen vom Dreh (eine Darstellerin stillt ihr Baby, Zigarettenpause), dann wieder inszenierte Ausschnitte vom Leben eines Pornodarstellers, überstilisiert, farblich verändert. Für sich gesehen sagen die Bilder auch eine Menge über die Menschen, die in diesem Geschäft arbeiten. Doch man wünscht sich doch mehr Hintergrundinformationen. Mehr Text wäre hier ein großes Plus. Den Vorhandenen hat man nämlich in einer halben Stunde durch.
(Renatus Töpke)
Aber es gibt auch starken Tobak. Wenn ein Produzent kalt darüber schwadroniert, wie 18jährige Mädchen von der Industrie durchgekaut und ausgespuckt werden. Da merkt man dann wieder, dass es eine Industrie ist, die hier arbeitet. Menschen sind die Maschinen. Und irgendwann sind diese verschlissen, werden durch neue Maschinen ersetzt. "Man hört mich in dem Film schreien, ‚Stell die verdammte Kamera ab’. Aber die haben einfach weitergefilmt." berichtet eine Darstellerin bitter, als sie sich an einen besonders heftigen Hardcore-Dreh erinnert.
Die Fotos dieses Bildbandes wurden im Lauf einiger Jahre vom Fotografen Stefano De Luigi gemacht. Oft sind es bloß Momentaufnahmen vom Dreh (eine Darstellerin stillt ihr Baby, Zigarettenpause), dann wieder inszenierte Ausschnitte vom Leben eines Pornodarstellers, überstilisiert, farblich verändert. Für sich gesehen sagen die Bilder auch eine Menge über die Menschen, die in diesem Geschäft arbeiten. Doch man wünscht sich doch mehr Hintergrundinformationen. Mehr Text wäre hier ein großes Plus. Den Vorhandenen hat man nämlich in einer halben Stunde durch.
(Renatus Töpke)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Pornoland
Autor:
Stefano DeLuigi, Martin Amis
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2004
Seiten:
112
Verlag:
Knesebeck
ISBN:
978-3896602176
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