Winne
"Vom leidenschaftlichen Bettnässer entwickelte ich mich bald zum leidenschaftlichen Hypochonder", schreibt er, und: "ich war tatsächlich ein ziemlich bösartiges Kind (...) ich war ein Scheusal". Er bezeichnet sich als "verschrobenen Einsiedler" und "Ungeheuer". Selbstkritische Aussagen wie diese sind es unter anderem, die Winfried Glatzeders Autobiografie Paul und ich ehrlich, ausgesprochen offen und freimütig erscheinen lassen. Mit viel Witz beginnt "Winne", wie Glatzeder von seiner Familie und Freunden gerufen wird, den Blick auf sein eigenes Leben mit seiner Zeugung ("zugleich die letzte Begegnung meiner Eltern") und endigt mit einer Einladung zu seiner vorgezogenen Beerdigung, an der er selbst noch als Lebender teilnehmen möchte ("Und ich spreche einen Toast: Auf das letzte Kapitel meines Lebens! Möge es lang und schmerzlos sein!").
Er erzählt abenteuerliche Geschichten aus der Zeit seines Heranwachsens, von seiner Geburt ("kaum hatte man mich aus meiner Mutter gezogen, verlor sie den Verstand"), von Unfällen, Krankheiten, von den Suizidversuchen seiner Mutter und seiner Großmutter, vom idealen und vom realen Sozialismus, von seiner Ausbildung beim VEB Kühlautomat, von den Annäherungen der Stasi und prägenden Begegnungen mit den Schauspielern Anneliese Reppel, Günther Haack und Fritz Marquardt. 1964 weiß er, dass er ebenfalls Schauspieler werden möchte. "Zwar hatte man an mir bisher keine besonderen Fähigkeiten entdeckt, weder war ich musikalisch noch sportlich, aber ich hörte oft, ich sei eine kuriose Erscheinung. Und das war ich wohl auch mit meinen 1,92 Meter Länge, 75 Kilo und einer merkwürdigen Nase, die ich mir bei einer Prügelei hatte breitschlagen lassen."
Interessant und offen wie durch das ganze Buch hindurch berichtet Glatzeder von seinen Rollen und den Inszenierungen an der Berliner Volksbühne, am Düsseldorfer Schauspielhaus, bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg und anderswo. Von seinen Filmen Zeit der Störche , Der Mann, der nach der Oma kam, Die Legende von Paul und Paula, Till Eulenspiegel, Das Land hinter dem Regenbogen und anderen. Er schreibt über die Dreharbeiten, seine Auffassung seiner Rollen, über die fertigen Filme und ihre Rezeption und nimmt sein Lebenswerk dabei erfreulich ernst, besonders wenn man seine lesenwerten Ausführungen mal mit den Autobiografien anderer deutscher Schauspieler (Heiner Lauterbach, Martin Semmelrogge) vergleicht. Auch die zwölf missglückten Einsätze als Berliner Tatort-Kommissar Ernst Roiter würde so manch anderer verschweigen. Winfried Glatzeder nicht. "Jede Rolle hat mit mir zu tun", sagt er.
(Stefan Otto)
Er erzählt abenteuerliche Geschichten aus der Zeit seines Heranwachsens, von seiner Geburt ("kaum hatte man mich aus meiner Mutter gezogen, verlor sie den Verstand"), von Unfällen, Krankheiten, von den Suizidversuchen seiner Mutter und seiner Großmutter, vom idealen und vom realen Sozialismus, von seiner Ausbildung beim VEB Kühlautomat, von den Annäherungen der Stasi und prägenden Begegnungen mit den Schauspielern Anneliese Reppel, Günther Haack und Fritz Marquardt. 1964 weiß er, dass er ebenfalls Schauspieler werden möchte. "Zwar hatte man an mir bisher keine besonderen Fähigkeiten entdeckt, weder war ich musikalisch noch sportlich, aber ich hörte oft, ich sei eine kuriose Erscheinung. Und das war ich wohl auch mit meinen 1,92 Meter Länge, 75 Kilo und einer merkwürdigen Nase, die ich mir bei einer Prügelei hatte breitschlagen lassen."
Interessant und offen wie durch das ganze Buch hindurch berichtet Glatzeder von seinen Rollen und den Inszenierungen an der Berliner Volksbühne, am Düsseldorfer Schauspielhaus, bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg und anderswo. Von seinen Filmen Zeit der Störche , Der Mann, der nach der Oma kam, Die Legende von Paul und Paula, Till Eulenspiegel, Das Land hinter dem Regenbogen und anderen. Er schreibt über die Dreharbeiten, seine Auffassung seiner Rollen, über die fertigen Filme und ihre Rezeption und nimmt sein Lebenswerk dabei erfreulich ernst, besonders wenn man seine lesenwerten Ausführungen mal mit den Autobiografien anderer deutscher Schauspieler (Heiner Lauterbach, Martin Semmelrogge) vergleicht. Auch die zwölf missglückten Einsätze als Berliner Tatort-Kommissar Ernst Roiter würde so manch anderer verschweigen. Winfried Glatzeder nicht. "Jede Rolle hat mit mir zu tun", sagt er.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Paul und ich
Autor:
Winfried Glatzeder, Manuela Runge
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2008
Seiten:
238
Verlag:
Aufbau Verlag
ISBN:
978-3-351-02665-3
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