Being Michael Verhoeven
Schon auf dem Buchumschlag ist zu sehen, wer alles zum Verhoeven-Schauspieler-Clan gehört. Es sind ganz schön viele:
Paul Verhoeven, Schauspieler, Regisseur und Begründer der Dynastie
Doris Kiesow, Schauspielerin und Ehefrau von Paul
Michael Verhoeven, Schauspieler, Regisseur, Produzent und Sohn von Paul und Doris
Senta Berger, Schauspielerin, Produzentin und Ehefrau von Michael
Lis Verhoeven, Schauspielerin und Regisseurin, Tochter von Paul und Doris
Mario Adorf, Schauspieler, zeitweise Ehemann von Lis
Simon Verhoeven, Schauspieler, Regisseur, Sohn von Michael und Senta
Luca Verhoeven, Schauspieler, Sohn von Michael und Senta
Stella Maria Adorf, Schauspielerin, Tochter von Lis und Mario
Es sind, wie gesagt, eine ganze Menge Schauspieler, Theater- und Filmschaffende, die da in Michael Verhoevens Familienchronik Paul, ich und wir erfasst werden. Michael Verhoeven, 1938 geboren und aufgewachsen zwischen Theaterbühnen und Filmbüchsen, springt hin und her zwischen ihnen: von Paul zu Doris, von Lis zu Mario, von Simon zu Luca. Von Personennamen zu Rollennamen, von Theaterinszenierungen zu Filmen. Der Autor präsentiert seine Erinnerungen, wie sie ihm einfallen. "Für mein Buch gibt es kein ausgedachtes Konzept", erklärt er im Vorwort. "Ich habe viele Jahre Tagebuch geschrieben, aber für die Arbeit an diesem Buch habe ich in keinem einzigen nachgeblättert. Ich will schreiben, woran ich mich erinnere, nicht, was ich irgendwann notiert habe. Vielleicht ist meine Erinnerung an manches anders, als es in Wirklichkeit war. Egal, ich beschreibe, was mir davon geblieben ist." Der Leser tritt also eine Reise in den Kopf von Michael Verhoeven an. Dass dem Autor alle Familienmitglieder gleichermaßen präsent sind, ist verständlich, dem Leser jedoch kann der Überblick so manches Mal abhanden kommen.
Paul und Michael spielen die größten Rollen in der Familienbiografie, die 1975 mit Pauls Tod beginnt und endet. Michael erzählt von seinem Leben und dem Leben der Seinen. Den Erzählstrang, den er einmal aufgenommen hat, führt er meistens in demselben Kapitel zum Ende, und so kommt es, dass Mutters Courage von 1995 vor Paarungen von 1967 an der Reihe ist und Die Weiße Rose (1982) vor O.K. (1970). Immer wieder eingeschoben sind Abschriften von Tonbändern, die Paul 1972 besprochen hat. "Paul erzählt" heißt es dann und die Leser werden in eine andere Zeit und Umgebung katapultiert. Auf Seite 163, mitten im Buch, brechen diese Einschübe unvermittelt ab.
Bedauerlicherweise fehlt alles, was dem Buch zu mehr Übersichtlichkeit verhelfen würde und was es über das einmalige Lesen hinaus zu einem nützlichen Nachschlagewerk machen könnte. Paul, ich und wir enthält kein Inhaltsverzeichnis, kein Register, keine Filmografie, keinen Stammbaum der Familie.
Vielleicht macht Michael Verhoeven demnächst wieder mal wieder einen richtig guten Film. Er hat mit O.K. den besten Vietnam-Film gedreht und mit Engelchen macht weiter - Hoppe, hoppe Reiter eine der besten Schwabing-Komödien. Er ist einer, der es kann.
(Stefan Otto)
Es sind, wie gesagt, eine ganze Menge Schauspieler, Theater- und Filmschaffende, die da in Michael Verhoevens Familienchronik Paul, ich und wir erfasst werden. Michael Verhoeven, 1938 geboren und aufgewachsen zwischen Theaterbühnen und Filmbüchsen, springt hin und her zwischen ihnen: von Paul zu Doris, von Lis zu Mario, von Simon zu Luca. Von Personennamen zu Rollennamen, von Theaterinszenierungen zu Filmen. Der Autor präsentiert seine Erinnerungen, wie sie ihm einfallen. "Für mein Buch gibt es kein ausgedachtes Konzept", erklärt er im Vorwort. "Ich habe viele Jahre Tagebuch geschrieben, aber für die Arbeit an diesem Buch habe ich in keinem einzigen nachgeblättert. Ich will schreiben, woran ich mich erinnere, nicht, was ich irgendwann notiert habe. Vielleicht ist meine Erinnerung an manches anders, als es in Wirklichkeit war. Egal, ich beschreibe, was mir davon geblieben ist." Der Leser tritt also eine Reise in den Kopf von Michael Verhoeven an. Dass dem Autor alle Familienmitglieder gleichermaßen präsent sind, ist verständlich, dem Leser jedoch kann der Überblick so manches Mal abhanden kommen.
Paul und Michael spielen die größten Rollen in der Familienbiografie, die 1975 mit Pauls Tod beginnt und endet. Michael erzählt von seinem Leben und dem Leben der Seinen. Den Erzählstrang, den er einmal aufgenommen hat, führt er meistens in demselben Kapitel zum Ende, und so kommt es, dass Mutters Courage von 1995 vor Paarungen von 1967 an der Reihe ist und Die Weiße Rose (1982) vor O.K. (1970). Immer wieder eingeschoben sind Abschriften von Tonbändern, die Paul 1972 besprochen hat. "Paul erzählt" heißt es dann und die Leser werden in eine andere Zeit und Umgebung katapultiert. Auf Seite 163, mitten im Buch, brechen diese Einschübe unvermittelt ab.
Bedauerlicherweise fehlt alles, was dem Buch zu mehr Übersichtlichkeit verhelfen würde und was es über das einmalige Lesen hinaus zu einem nützlichen Nachschlagewerk machen könnte. Paul, ich und wir enthält kein Inhaltsverzeichnis, kein Register, keine Filmografie, keinen Stammbaum der Familie.
Vielleicht macht Michael Verhoeven demnächst wieder mal wieder einen richtig guten Film. Er hat mit O.K. den besten Vietnam-Film gedreht und mit Engelchen macht weiter - Hoppe, hoppe Reiter eine der besten Schwabing-Komödien. Er ist einer, der es kann.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Paul, ich und wir
Autor:
Michael Verhoeven
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
313
Verlag:
Ullstein
ISBN:
3-550-07860-9
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