Neue Bücher über Billy Wilder
Kinostart:
23.10.2006
Leserbewertung:
Noch nicht genügend Bewertungen
Vier Bücher fürs Billy-Regal
Am 22. Juni 2006 wäre Billy Wilder 100 Jahre alt geworden. Wenn er nicht 2002 gestorben wäre ... Ungefähr 30 Bücher gab es bisher über den Regisseur - nun sind anlässlich des Jubiläums dreieinhalb bis vier dazugekommen: zwei aus Deutschland, zwei aus Wien.
In Filmemacher mit Akzent - Billy Wilder in Hollywood zeigt Gerd Gemünden den Autor und Regisseur als europäischen Amerikaner oder amerikanischen Europäer, als Exilanten und Außenseiter. \"Filme wie Double Indemnity, Sunset Boulevard oder The Apartment gehören in das Pantheon des amerikanischen Films\", schreibt er im \"Vorspann\" seines fundierten, detaillierten und dennoch gut lesbaren Buches, \"aber sie bezeugen auch die differenzierte Sichtweise eines in der Fremde geborenen Künstlers. Wilders Werk besitzt eine entschieden transkulturelle Dimension, die sich aus den sehr unterschiedlichen Sensibilitäten zweier Kulturkreise speist.\" Gemünden untersucht exemplarisch sieben Wilder-Filme aus den Jahren 1944 bis 1978 und zeigt, dass der Mann mit diesen und auch mit seinen übrigen Filmen auf seine deutsche und alt-österreichische Vergangenheit zurückgriff, dass er seine früheren Arbeiten umschrieb, europäische Bühnenstücke adaptierte oder sein amerikanisches Material mit einer großzügigen Dosis jüdischen Humors, Wiener Dekadenz oder weimardeutscher Moderne versetzte.
(Gerd Gemünden: Filmemacher mit Akzent - Billy Wilder in Hollywood. Synema Verlag Wien 2006, 218 Seiten, ISBN: 3-901644-20-2)
Daniel Hermsdorf arbeitet in seiner wissenschaftlichen Untersuchung Billy Wilder. Filme - Motive - Kontroverses den Autor und Satiriker Wilder heraus und entdeckt einen \"Skeptiker, der nicht nur mit liebevoller Ironie menschliche Verhaltensweisen skizziert und die klassische Hollywood-Dramaturgie beherrscht, (einen,) der seit seinem ersten Film die filmische Form als solche befragt, eingekleidet in den Mantel amüsanter, kommensurabler Geschichten und Bilder.\" Er zeigt die ästhetischen Strategien Wilders auf, die Strukturen seiner Filme, thematische, gestalterische und metaphorische Parallelen und widmet sich einzelnen wiederkehrenden Motiven wie Fenstern, Drogen, der Sprache, der deutschen Geschichte und der Psychoanalyse. Gut, dass Hermsdorf genau hinsieht und kritische Potentiale herausliest, die andere Interpretationen sonst nicht offenlegen, und schön, dass er die Regiearbeiten komplett durchgeht, von Mauvaise Graine (1934) bis Buddy, Buddy (1981), und die unbekannteren und zu häufig vernachlässigten Filme nicht unter den Schreibtisch fallen lässt.
(Daniel Hermsdorf: Billy Wilder. Filme - Motive – Kontroverses. Paragon Verlag, Bochum 2006, 290 Seiten, ISBN: 3-932872-16-9)
\"Billie\" - Billy Wilders Wiener journalistische Arbeiten enthält sämtliche Beiträge, die Wilder in den Jahren 1925 bis 1927 für Die Bühne. Zeitung für Theater, Literatur, Film, Mode, Kunst, Gesellschaft und Sport und Die Stunde schrieb, zwei Zeitungen, die in einem Wiener Verlag erschienen. Wilder verfasst die Reportage Erlebnisse eines Eintänzers, er denkt sich Rätsel aus, er interviewt Asta Nielsen und den Multimillionär Cornelius Vanderbilt jr., er berichtet von Sportwettkämpfen und schreibt über Theateraufführungen und Filme. Ein sehr schön gestaltetes Buch, in dem die Artikel von Billy Wilder eingeleitet werden von gleich vier Texten der Herausgeber, die zurückblicken auf seine Anfänge als Mensch, als Reporter und als Drehbuchautor. \"Billie\" ist eine begrüßenswerte Ergänzung zu dem 1996 erschienenen Buch Der Prinz von Wales geht auf Urlaub, das Wilders Berliner Reportagen, Feuilletons und Kritiken der zwanziger Jahre versammelt.
(Rolf Aurich, Andreas Hutter, Wolfgang Jacobsen, Günter Krenn (Hg.): \"Billie\" - Billy Wilders Wiener journalistische Arbeiten. Filmarchiv Austria, Wien 2006, 211 Seiten, ISBN: 3-901932-90-9)
Das vierte Buch ist keine Neuerscheinung, sondern eine \"aktualisierte und erweiterte Neuausgabe\" des erstmals 1992 erschienenen Titels Billy Wilder - Eine Nahaufnahme von Hellmuth Karasek. Die Aktualisierung und Erweiterung besteht im Wesentlichen aus einem Vorwort und einem Nachwort, in dem Karasek persönliche Erinnerungen an seine journalistischen Begegnungen mit Wilder schildert. Ansonsten bleibt diese Nahaufnahme das eher enttäuschende, bisweilen nachlässig formulierte Buch, das es schon vor fast fünfzehn Jahren war.
(Hellmuth Karasek: Billy Wilder - Eine Nahaufnahme. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2006, 557 Seiten, ISBN: 3-455-09553-4)
(Stefan Otto)
In Filmemacher mit Akzent - Billy Wilder in Hollywood zeigt Gerd Gemünden den Autor und Regisseur als europäischen Amerikaner oder amerikanischen Europäer, als Exilanten und Außenseiter. \"Filme wie Double Indemnity, Sunset Boulevard oder The Apartment gehören in das Pantheon des amerikanischen Films\", schreibt er im \"Vorspann\" seines fundierten, detaillierten und dennoch gut lesbaren Buches, \"aber sie bezeugen auch die differenzierte Sichtweise eines in der Fremde geborenen Künstlers. Wilders Werk besitzt eine entschieden transkulturelle Dimension, die sich aus den sehr unterschiedlichen Sensibilitäten zweier Kulturkreise speist.\" Gemünden untersucht exemplarisch sieben Wilder-Filme aus den Jahren 1944 bis 1978 und zeigt, dass der Mann mit diesen und auch mit seinen übrigen Filmen auf seine deutsche und alt-österreichische Vergangenheit zurückgriff, dass er seine früheren Arbeiten umschrieb, europäische Bühnenstücke adaptierte oder sein amerikanisches Material mit einer großzügigen Dosis jüdischen Humors, Wiener Dekadenz oder weimardeutscher Moderne versetzte.
(Gerd Gemünden: Filmemacher mit Akzent - Billy Wilder in Hollywood. Synema Verlag Wien 2006, 218 Seiten, ISBN: 3-901644-20-2)
Daniel Hermsdorf arbeitet in seiner wissenschaftlichen Untersuchung Billy Wilder. Filme - Motive - Kontroverses den Autor und Satiriker Wilder heraus und entdeckt einen \"Skeptiker, der nicht nur mit liebevoller Ironie menschliche Verhaltensweisen skizziert und die klassische Hollywood-Dramaturgie beherrscht, (einen,) der seit seinem ersten Film die filmische Form als solche befragt, eingekleidet in den Mantel amüsanter, kommensurabler Geschichten und Bilder.\" Er zeigt die ästhetischen Strategien Wilders auf, die Strukturen seiner Filme, thematische, gestalterische und metaphorische Parallelen und widmet sich einzelnen wiederkehrenden Motiven wie Fenstern, Drogen, der Sprache, der deutschen Geschichte und der Psychoanalyse. Gut, dass Hermsdorf genau hinsieht und kritische Potentiale herausliest, die andere Interpretationen sonst nicht offenlegen, und schön, dass er die Regiearbeiten komplett durchgeht, von Mauvaise Graine (1934) bis Buddy, Buddy (1981), und die unbekannteren und zu häufig vernachlässigten Filme nicht unter den Schreibtisch fallen lässt.
(Daniel Hermsdorf: Billy Wilder. Filme - Motive – Kontroverses. Paragon Verlag, Bochum 2006, 290 Seiten, ISBN: 3-932872-16-9)
\"Billie\" - Billy Wilders Wiener journalistische Arbeiten enthält sämtliche Beiträge, die Wilder in den Jahren 1925 bis 1927 für Die Bühne. Zeitung für Theater, Literatur, Film, Mode, Kunst, Gesellschaft und Sport und Die Stunde schrieb, zwei Zeitungen, die in einem Wiener Verlag erschienen. Wilder verfasst die Reportage Erlebnisse eines Eintänzers, er denkt sich Rätsel aus, er interviewt Asta Nielsen und den Multimillionär Cornelius Vanderbilt jr., er berichtet von Sportwettkämpfen und schreibt über Theateraufführungen und Filme. Ein sehr schön gestaltetes Buch, in dem die Artikel von Billy Wilder eingeleitet werden von gleich vier Texten der Herausgeber, die zurückblicken auf seine Anfänge als Mensch, als Reporter und als Drehbuchautor. \"Billie\" ist eine begrüßenswerte Ergänzung zu dem 1996 erschienenen Buch Der Prinz von Wales geht auf Urlaub, das Wilders Berliner Reportagen, Feuilletons und Kritiken der zwanziger Jahre versammelt.
(Rolf Aurich, Andreas Hutter, Wolfgang Jacobsen, Günter Krenn (Hg.): \"Billie\" - Billy Wilders Wiener journalistische Arbeiten. Filmarchiv Austria, Wien 2006, 211 Seiten, ISBN: 3-901932-90-9)
Das vierte Buch ist keine Neuerscheinung, sondern eine \"aktualisierte und erweiterte Neuausgabe\" des erstmals 1992 erschienenen Titels Billy Wilder - Eine Nahaufnahme von Hellmuth Karasek. Die Aktualisierung und Erweiterung besteht im Wesentlichen aus einem Vorwort und einem Nachwort, in dem Karasek persönliche Erinnerungen an seine journalistischen Begegnungen mit Wilder schildert. Ansonsten bleibt diese Nahaufnahme das eher enttäuschende, bisweilen nachlässig formulierte Buch, das es schon vor fast fünfzehn Jahren war.
(Hellmuth Karasek: Billy Wilder - Eine Nahaufnahme. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2006, 557 Seiten, ISBN: 3-455-09553-4)
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
BEWERTUNG
Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.
MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Buch (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)







