Movie-mientos II. Der lateinamerikanische Film in den Zeiten globaler Umbrüche
Leserbewertung:
Noch nicht genügend Bewertungen
Aus dem Notizbuch einer Filmbegeisterten
Filme aus Lateinamerika finden sich immer häufiger unter den Preisträgern auf internationalen Filmfestivals. Seit einigen Jahren wird zum Beispiel auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin immer mindestens eine Produktion des Subkontinents mit einem der Bären bedacht, so beispielsweise bei der 58. Berlinale Tropa de Elite des Brasilianers José Padilha. Dennoch ist die Literatur über Kino und Film aus Lateinamerika nach wie vor dünn; die Forschung scheint die lateinamerikanischen Filmländer weiterhin außen vor zu lassen. Im deutschsprachigen Raum ist es vor allem Bettina Bremme, die dagegen arbeitet. Mit ihrer Studie Movie-mientos II. Der lateinamerikanische Film in den Zeiten globaler Umbrüche hat sie nun die Fortsetzung zu ihrem Kompendium Movie-mientos. Der lateinamerikanische Film: Streiflichter von unterwegs veröffentlicht und damit die aktuellste Analyse der wichtigsten Filme aus Argentinien, Brasilien und Mexiko sowie der kleineren Filmländer des Subkontinents geliefert.
Dass das Buch nahtlos Anschluss an die Vorgängerpublikation sucht, macht Bremme immer wieder deutlich. Häufig verweist sie auf ihre Filmanalysen im ersten Band, schafft damit vor allem Kontinuität, betont aber auch: Wer sich über Kino und Film aus Lateinamerika informieren will, benötigt beide Bücher. Im Vergleich zum ersten Band wirkt der zweite eher wie der Anhang denn wie ein eigenständiges Buch. Vier Kapitel ohne Einleitung oder Schlussfazit werden nacheinander geschaltet und könnten auch als voneinander unabhängige Aufsätze erscheinen. Sie geben Einblick in die wichtigsten Themen, die innerhalb der lateinamerikanischen Filmlandschaft verhandelt werden: kulturelle Aufbruchstimmung nach Jahren von Diktaturen und/oder Wirtschaftskrisen, Gewalt, Alltagsleben und Identitätssuche im Zeitalter von Migration und Globalisierung. Mit diesen vier Bereichen deckt Bremme nicht nur die wichtigsten Themen ab, sondern untersucht auch die auffälligsten Filme Lateinamerikas der vergangenen Jahre: Internationale Großproduktionen wie Babel von Alejandro González Iñárritu, The Motorcycle Diaries / Diarios de Motorcicleta von Walter Salles oder El Labirinto del Fauno von Guillermo del Toro finden sich in Movie-mientos II ebenso wie die zurückhaltenden Produktionen des Argentiniers Carlos Sorín (Bombón, El Perro; Historias Mínimas und El Camino de San Diego) oder Neuheiten junger Regisseure wie XXY von Lucía Puenzo oder Sábado von Matías Bize. Und dabei lässt sie auch kleine Filmländer wie Uruguay, Chile oder Kolumbien nicht aus.
Darüber hinaus führt Bettina Bremme auch in die Randbereiche des lateinamerikanischen Films ein: Sie liefert Informationen über die Festivals mit latein- oder iberoamerikanischem Schwerpunkt, tangiert die Fernsehindustrie am Rande, berichtet von Latino-Regisseuren in Hollywood oder beschäftigt sich mit dem sich entwickelnden Starkult in und ums "lateinamerikanische Kino". Schade ist, dass man sich diese Informationen in den langen Kapiteln suchen muss; eine systematischere Gliederung würde einem die Orientierung in der Sammlung wertvoller Informationen zum Kino aus Lateinamerika erleichtern, was wünschenswert für ein gutes Handbuch wäre. Dennoch: Einen guten Einblick in das Kino aus Lateinamerika gibt das Buch allemal. Und es macht vor allem eins: Lust auf die Filme. Bremme versteht es, ansprechende Filmbeschreibungen zu schreiben, die viele überzeugende theoretische Ansätze bieten, aber weniger wissenschaftliche Analyse sein wollen als vielmehr Beobachtungen einer Filmbegeisterten. Für Freunde des lateinamerikanischen Films lohnt sich die Lektüre von Movie-mientos II in jedem Fall.
(Verena Schmöller)
Dass das Buch nahtlos Anschluss an die Vorgängerpublikation sucht, macht Bremme immer wieder deutlich. Häufig verweist sie auf ihre Filmanalysen im ersten Band, schafft damit vor allem Kontinuität, betont aber auch: Wer sich über Kino und Film aus Lateinamerika informieren will, benötigt beide Bücher. Im Vergleich zum ersten Band wirkt der zweite eher wie der Anhang denn wie ein eigenständiges Buch. Vier Kapitel ohne Einleitung oder Schlussfazit werden nacheinander geschaltet und könnten auch als voneinander unabhängige Aufsätze erscheinen. Sie geben Einblick in die wichtigsten Themen, die innerhalb der lateinamerikanischen Filmlandschaft verhandelt werden: kulturelle Aufbruchstimmung nach Jahren von Diktaturen und/oder Wirtschaftskrisen, Gewalt, Alltagsleben und Identitätssuche im Zeitalter von Migration und Globalisierung. Mit diesen vier Bereichen deckt Bremme nicht nur die wichtigsten Themen ab, sondern untersucht auch die auffälligsten Filme Lateinamerikas der vergangenen Jahre: Internationale Großproduktionen wie Babel von Alejandro González Iñárritu, The Motorcycle Diaries / Diarios de Motorcicleta von Walter Salles oder El Labirinto del Fauno von Guillermo del Toro finden sich in Movie-mientos II ebenso wie die zurückhaltenden Produktionen des Argentiniers Carlos Sorín (Bombón, El Perro; Historias Mínimas und El Camino de San Diego) oder Neuheiten junger Regisseure wie XXY von Lucía Puenzo oder Sábado von Matías Bize. Und dabei lässt sie auch kleine Filmländer wie Uruguay, Chile oder Kolumbien nicht aus.
Darüber hinaus führt Bettina Bremme auch in die Randbereiche des lateinamerikanischen Films ein: Sie liefert Informationen über die Festivals mit latein- oder iberoamerikanischem Schwerpunkt, tangiert die Fernsehindustrie am Rande, berichtet von Latino-Regisseuren in Hollywood oder beschäftigt sich mit dem sich entwickelnden Starkult in und ums "lateinamerikanische Kino". Schade ist, dass man sich diese Informationen in den langen Kapiteln suchen muss; eine systematischere Gliederung würde einem die Orientierung in der Sammlung wertvoller Informationen zum Kino aus Lateinamerika erleichtern, was wünschenswert für ein gutes Handbuch wäre. Dennoch: Einen guten Einblick in das Kino aus Lateinamerika gibt das Buch allemal. Und es macht vor allem eins: Lust auf die Filme. Bremme versteht es, ansprechende Filmbeschreibungen zu schreiben, die viele überzeugende theoretische Ansätze bieten, aber weniger wissenschaftliche Analyse sein wollen als vielmehr Beobachtungen einer Filmbegeisterten. Für Freunde des lateinamerikanischen Films lohnt sich die Lektüre von Movie-mientos II in jedem Fall.
(Verena Schmöller)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Movie-mientos II. Der lateinamerikanische Film in den Zeiten globaler Umbrüche
Autor:
Bettina Bremme
Erscheinungsort:
Stuttgart
Erscheinungsdatum:
2009
Seiten:
152
Verlag:
Schmetterling
ISBN:
3-89657-613-2
BEWERTUNG
Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.
MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Buch (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)





