Der Krimi
Der Krimi in den modernen Massenmedien, besonders in ihren audiovisuellen Spielarten, ist das Thema des Bandes MedienMorde, der auf ein Symposium des Kulturwissenschaftlichen Instituts des Landes Nordrhein-Westfalen zurückgeht. Herausgegeben von Jochen Vogt (Knapp vorbei. Zur Literatur des letzten Jahrhunderts) versammelt MedienMorde dreizehn Beiträge vierzehn verschiedener Autoren zum Thema.
In "Von Morden und Medien. Wie neue Medien ein altes Genre immer wieder neu erfinden" widmet sich Gabriela Holzmann der Verflechtung von Gattungs- und Mediengeschichte. Sie belegt an exemplarischen Stationen, wie mediale Innovationen, insbesondere die Fotografie und der Film, das Genre immer wieder neu beleben können. Stefanie Abt untersucht in "Journalisten, Kamera-Augen und Computer", wie die Thematik und Problematik der heutigen Massenmedien in den Kriminalromanen von Henning Mankell und Ulrich Ritzel literarisch reflektiert wird. Nia Perivolaropoulou liefert eine Detailanalyse von Miller’s Crossing (1990). Den Coen-Brüdern "gelingt", so die Autorin, "eine kinematographische tour de force, ein vollständig reflexiver Genrefilm, das heißt ein Film, der sich der Geschichte der Gattung, und ihres Endes, bewusst ist, und das Genre zugleich und ganz beiläufig neu belebt." Eine Fallstudie zu vier deutschen Jerry-Cotton-Filmen aus den Jahren 1965 und 1966 und eine zum Kriminalhörspiel belegen die zunehmende Akzeptanz des Genres in den fünfziger und sechziger Jahren in der Bundesrepublik Deutschland. Reinhold Viehoffs Überlegungen zur Genre- und Programmgeschichte des Krimis im Fernsehen folgen zwei Beiträge zur TV-Reihe Tatort, die Herausgeber Jochen Vogt "den wahren deutschen Gesellschaftsroman" nennt.
Die Beiträge in MedienMorde sind klug zusammengestellt, immer Gewinn bringend und in den meisten Fällen auch gut zu lesen. Das Buch führt wieder einmal vor Augen, dass es im universitären Wissenschaftssystem keinen festen Ort für die Erforschung populärer Genres gibt. Anders gesagt, zeigt es, dass das Genre unter den Aspekten von Produktion, medialer Konstitution und Rezeption ein interdisziplinärer Gegenstand par excellence ist.
(Stefan Otto)
In "Von Morden und Medien. Wie neue Medien ein altes Genre immer wieder neu erfinden" widmet sich Gabriela Holzmann der Verflechtung von Gattungs- und Mediengeschichte. Sie belegt an exemplarischen Stationen, wie mediale Innovationen, insbesondere die Fotografie und der Film, das Genre immer wieder neu beleben können. Stefanie Abt untersucht in "Journalisten, Kamera-Augen und Computer", wie die Thematik und Problematik der heutigen Massenmedien in den Kriminalromanen von Henning Mankell und Ulrich Ritzel literarisch reflektiert wird. Nia Perivolaropoulou liefert eine Detailanalyse von Miller’s Crossing (1990). Den Coen-Brüdern "gelingt", so die Autorin, "eine kinematographische tour de force, ein vollständig reflexiver Genrefilm, das heißt ein Film, der sich der Geschichte der Gattung, und ihres Endes, bewusst ist, und das Genre zugleich und ganz beiläufig neu belebt." Eine Fallstudie zu vier deutschen Jerry-Cotton-Filmen aus den Jahren 1965 und 1966 und eine zum Kriminalhörspiel belegen die zunehmende Akzeptanz des Genres in den fünfziger und sechziger Jahren in der Bundesrepublik Deutschland. Reinhold Viehoffs Überlegungen zur Genre- und Programmgeschichte des Krimis im Fernsehen folgen zwei Beiträge zur TV-Reihe Tatort, die Herausgeber Jochen Vogt "den wahren deutschen Gesellschaftsroman" nennt.
Die Beiträge in MedienMorde sind klug zusammengestellt, immer Gewinn bringend und in den meisten Fällen auch gut zu lesen. Das Buch führt wieder einmal vor Augen, dass es im universitären Wissenschaftssystem keinen festen Ort für die Erforschung populärer Genres gibt. Anders gesagt, zeigt es, dass das Genre unter den Aspekten von Produktion, medialer Konstitution und Rezeption ein interdisziplinärer Gegenstand par excellence ist.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
MedienMorde
Autor:
Jochen Vogt (Hg.)
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
270
Verlag:
Wilhelm Fink Verlag
ISBN:
3-7705-4034-4
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