Gefühle in den Augen
Ihre großen und leuchtenden Augen wirkten stets irgendwie ehrfürchtig, hoffnungsvoll und vor allem beseelt. Immer schienen sie tränenvoll zu glänzen, auch wenn sie lachte. Das deutsche Kinopublikum der vierziger und fünfziger Jahre sehnte sich nach einer heilen Welt, nach privatem Glück. Leiden und Schuld sollten möglichst fern gehalten werden, waren aber dennoch präsent. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende und Deutschland befreit, aber zerstört war, da war den Deutschen das Lachen und das Lächeln vergangen. Maria Schell (1926 - 2005) übernahm es stellvertretend für ihr Publikum, im "Gefühlskino", das in dieser Zeit Konjunktur hatte. Ihr freies, offenes, emotionales und engagiertes Spiel war prädestiniert für die Harmoniebedürfnisse des traumatisierten Nachkriegsdeutschland. Die Schell konnte damals mit ihren Zuschauern und besonders ihren vielen Zuschauerinnen weinen und ihnen im selben Augenblick Hoffnung spenden. Sie verkörperte Herz, Seele und die Fähigkeit zum Mitleid, all das, was man in den zurückliegenden Jahren glaubte, verloren zu haben.
Maria Schells großes Vermögen, komplexe, ja widersprüchliche Gefühle in einem Ausdruck zusammenzufassen, ihre Fähigkeit, auf Kommando zu weinen, ihre gesamte, scheinbar so zarte und verletzliche Persönlichkeit, die öfter den Beschützerinstinkt als das Begehren weckte, fand bald ihren Niederschlag in der Bezeichnung "Seelchen", die zum Synonym wurde für Weinerlichkeit, Rührseligkeit und berechnende Heuchelei des angeblich abtrünnigen und erfolgshörigen österreichisch-schweizerisch-deutschen Stars.
In Arbeiten wie den Gerhart-Hauptmann-Verfilmungen Die Ratten und Rose Bernd, in denen sie unbequeme Charaktere verkörperte, spielte Maria Schell gegen dieses Image an. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere drehte sie dann mit Jean Marais, Marcello Mastroianni, Yul Brynner, Gary Cooper und Glenn Ford. Sie filmte in Frankreich, Italien, in Hollywood und weiterhin in Deutschland. Sie arbeitete mit Regisseuren wie Luchino Visconti, Delmer Daves, Anthony Mann, Robert Siodmak, mit Horst Hächler, der ihr erster Mann wurde, und Veit Relin, den sie 1966 heiratete.
Bis 17. Juni 2007 ist im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt/Main die Ausstellung Maria Schell zu sehen. Der Katalog, der dazu erschien, deckt nahezu alle Facetten ihrer Karriere und auch die wichtigsten ihres Privatlebens ab, und ist, ganz kurz gesagt, hervorragend.
(Stefan Otto)
Maria Schells großes Vermögen, komplexe, ja widersprüchliche Gefühle in einem Ausdruck zusammenzufassen, ihre Fähigkeit, auf Kommando zu weinen, ihre gesamte, scheinbar so zarte und verletzliche Persönlichkeit, die öfter den Beschützerinstinkt als das Begehren weckte, fand bald ihren Niederschlag in der Bezeichnung "Seelchen", die zum Synonym wurde für Weinerlichkeit, Rührseligkeit und berechnende Heuchelei des angeblich abtrünnigen und erfolgshörigen österreichisch-schweizerisch-deutschen Stars.
In Arbeiten wie den Gerhart-Hauptmann-Verfilmungen Die Ratten und Rose Bernd, in denen sie unbequeme Charaktere verkörperte, spielte Maria Schell gegen dieses Image an. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere drehte sie dann mit Jean Marais, Marcello Mastroianni, Yul Brynner, Gary Cooper und Glenn Ford. Sie filmte in Frankreich, Italien, in Hollywood und weiterhin in Deutschland. Sie arbeitete mit Regisseuren wie Luchino Visconti, Delmer Daves, Anthony Mann, Robert Siodmak, mit Horst Hächler, der ihr erster Mann wurde, und Veit Relin, den sie 1966 heiratete.
Bis 17. Juni 2007 ist im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt/Main die Ausstellung Maria Schell zu sehen. Der Katalog, der dazu erschien, deckt nahezu alle Facetten ihrer Karriere und auch die wichtigsten ihres Privatlebens ab, und ist, ganz kurz gesagt, hervorragend.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Maria Schell
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2006
Seiten:
224
Verlag:
Henschel
ISBN:
978-3-89487-551-0
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