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Filme sind ein guter Reiseführer. Mit Brügge sehen … und sterben? jagt der Zuschauer durch die belgische Stadt, in Die fabelhafte Welt der Amélie flaniert er durch Paris. Zugleich illustrieren Filme aber auch die Geschichte von Städten – gerade wenn sie häufige Handlungsorte sind wie Los Angeles. In den Stummfilmen der 1920er und 1930er Jahre ist Los Angeles noch ein großes Dorf, in Frau ohne Gewissen (1944) und Sunset Boulevard (1950) schon eine Großstadt mit Vororten und Einkaufszentren. Dadurch wurde Los Angeles zur Kulisse für den film noir, "dessen düstere Atmosphäre stilprägend für die Stadt werden sollte." Roman Polanskis Chinatown greift nicht nur den Stil des film noir, sondern auch den historischen Fall der Wasserverschwörung aus dem Jahr 1905 auf und verlegt ihn in die 1930er Jahre – die Zeit, in der sich Los Angeles "hektisch ausbreitete". Damit verweist Roman Polanskis Film zudem auf die abgeschlossenen Viertel, die in Los Angeles entstanden. Und die Riots sowie der Fall Rodney King aus dem Jahr 1992 sind wichtige Hintergrundereignisse für Filme wie Strange Days oder Dark Blue. Dieser Zusammenhang zwischen Stadt- und Filmgeschichte lässt sich durch die Jahrzehnte nachweisen.
Filme spiegeln also die Geschichte der Stadt – und schaffen zudem Klischees. An Filmbeispielen aus den letzten 30 Jahren weist Wolf Jahnke auf typische Bilder von Los Angeles hin: Die Stadt ist Hintergrund der dystopischen Zerfalls wie in Blade Runner, sozialer Brennpunkt im Ghettodrama (Boyz N the Hood), Schauplatz für Serienmörder (The Hillside Strangler), seit den 1980er Jahren Hauptschauplatz für Filme über den sozialen Verfall und vor allem Handlungsort von Ensemblefilmen. In ihnen sieht Wolf Jahnke einen der wichtigsten Beiträge zum Image von Los Angeles, da der Ensemblefilm (Grand Canyon, Pulp Fiction, Short Cuts, L.A.Crash) sowohl der Weitläufigkeit als auch Beliebigkeit der Stadt und Abgeschlossenheit ihrer Viertel am ehesten entspricht. Außerdem sind – passend zu den Serienmörderfilmen – in Los Angeles meist die Menschen die Bösen, während der Teufel in Filmen meist in New York gastiert.
Auf jeder Seite von Los Angeles - Mit Hollywood durch LA ist Wolf Jahnkes Begeisterung für sein Thema zu spüren. Indem er die filmische Inszenierung der Realität gegenüberstellt, kommt man beim Lesen der Stadt Los Angeles Stück für Stück näher und erkennt das interessante Wechselspiel zwischen Drehort und Film. Allerdings sind die Ausführungen zu den einzelnen Aspekten teilweise zu detailliert und auch die Gliederung erschließt sich erst beim Lesen. Hier wäre eine bessere Übersicht und Ordnung wünschenswert geworden, das zeigen schon die Verhältnis längeren Abschnitte zu einzelnen Regisseuren – wie beispielsweise Michael Mann oder Quentin Tarantino – sowie ausführlicheren Betrachtungen von Filmen, in denen die Stadt Los Angeles eine größere Rolle spielt. Sie sind die stärksten Abschnitte des Buches. Eine chronologische Lektüre ist indes nicht erforderlich, da Wolf Jahnke die einzelnen Aspekte weitgehend isoliert voneinander betrachtet. Daher ist sein Buch gut geeignet, um Anregungen für weiterführende Beschäftigungen zu erhalten.
Abgeschlossen wird dieser informative Band mit einem "Reiseführer zu Drehschauplätzen". Neben bekannten Orten wie den Mulholland Drive widmet sich Wolf Jahnke auch Orten wie Westwood und Brentwood, die eine typische Kulisse für Mittelstandsdramen bieten. Gerade Filmfans und Kinogänger werden sich über diese Anregungen für einen Aufenthalt in der Stadt der Engel sicher freuen.
Insgesamt hat Wolf Jahnke in seinem interessanten Buch Los Angeles - Mit Hollywood durch LA eine Fülle von Material gesammelt und lädt den Leser nun dazu ein, mit ihm auf eine Reise zu gehen. Und dieser Einladung kommt man gerne nach.
(Sonja Hartl)
Los Angeles - Mit Hollywood durch LA
Ein filmischer Reise(ver)führer
Kein anderes Stadtbild wurde von Filmen so geprägt wie das von Los Angeles. In seinem kurzweiligen Buch Los Angeles - Mit Hollywood durch LA führt Wolf Jahnke durch die die Metropole und die Filme, die dort gedreht wurden. Dabei ist sein Buch keine soziologische Auseinandersetzung mit dem Thema Stadt im Film, sondern eine Mischung aus Reise- und Sachbuch.Filme sind ein guter Reiseführer. Mit Brügge sehen … und sterben? jagt der Zuschauer durch die belgische Stadt, in Die fabelhafte Welt der Amélie flaniert er durch Paris. Zugleich illustrieren Filme aber auch die Geschichte von Städten – gerade wenn sie häufige Handlungsorte sind wie Los Angeles. In den Stummfilmen der 1920er und 1930er Jahre ist Los Angeles noch ein großes Dorf, in Frau ohne Gewissen (1944) und Sunset Boulevard (1950) schon eine Großstadt mit Vororten und Einkaufszentren. Dadurch wurde Los Angeles zur Kulisse für den film noir, "dessen düstere Atmosphäre stilprägend für die Stadt werden sollte." Roman Polanskis Chinatown greift nicht nur den Stil des film noir, sondern auch den historischen Fall der Wasserverschwörung aus dem Jahr 1905 auf und verlegt ihn in die 1930er Jahre – die Zeit, in der sich Los Angeles "hektisch ausbreitete". Damit verweist Roman Polanskis Film zudem auf die abgeschlossenen Viertel, die in Los Angeles entstanden. Und die Riots sowie der Fall Rodney King aus dem Jahr 1992 sind wichtige Hintergrundereignisse für Filme wie Strange Days oder Dark Blue. Dieser Zusammenhang zwischen Stadt- und Filmgeschichte lässt sich durch die Jahrzehnte nachweisen.
Filme spiegeln also die Geschichte der Stadt – und schaffen zudem Klischees. An Filmbeispielen aus den letzten 30 Jahren weist Wolf Jahnke auf typische Bilder von Los Angeles hin: Die Stadt ist Hintergrund der dystopischen Zerfalls wie in Blade Runner, sozialer Brennpunkt im Ghettodrama (Boyz N the Hood), Schauplatz für Serienmörder (The Hillside Strangler), seit den 1980er Jahren Hauptschauplatz für Filme über den sozialen Verfall und vor allem Handlungsort von Ensemblefilmen. In ihnen sieht Wolf Jahnke einen der wichtigsten Beiträge zum Image von Los Angeles, da der Ensemblefilm (Grand Canyon, Pulp Fiction, Short Cuts, L.A.Crash) sowohl der Weitläufigkeit als auch Beliebigkeit der Stadt und Abgeschlossenheit ihrer Viertel am ehesten entspricht. Außerdem sind – passend zu den Serienmörderfilmen – in Los Angeles meist die Menschen die Bösen, während der Teufel in Filmen meist in New York gastiert.
Auf jeder Seite von Los Angeles - Mit Hollywood durch LA ist Wolf Jahnkes Begeisterung für sein Thema zu spüren. Indem er die filmische Inszenierung der Realität gegenüberstellt, kommt man beim Lesen der Stadt Los Angeles Stück für Stück näher und erkennt das interessante Wechselspiel zwischen Drehort und Film. Allerdings sind die Ausführungen zu den einzelnen Aspekten teilweise zu detailliert und auch die Gliederung erschließt sich erst beim Lesen. Hier wäre eine bessere Übersicht und Ordnung wünschenswert geworden, das zeigen schon die Verhältnis längeren Abschnitte zu einzelnen Regisseuren – wie beispielsweise Michael Mann oder Quentin Tarantino – sowie ausführlicheren Betrachtungen von Filmen, in denen die Stadt Los Angeles eine größere Rolle spielt. Sie sind die stärksten Abschnitte des Buches. Eine chronologische Lektüre ist indes nicht erforderlich, da Wolf Jahnke die einzelnen Aspekte weitgehend isoliert voneinander betrachtet. Daher ist sein Buch gut geeignet, um Anregungen für weiterführende Beschäftigungen zu erhalten.
Abgeschlossen wird dieser informative Band mit einem "Reiseführer zu Drehschauplätzen". Neben bekannten Orten wie den Mulholland Drive widmet sich Wolf Jahnke auch Orten wie Westwood und Brentwood, die eine typische Kulisse für Mittelstandsdramen bieten. Gerade Filmfans und Kinogänger werden sich über diese Anregungen für einen Aufenthalt in der Stadt der Engel sicher freuen.
Insgesamt hat Wolf Jahnke in seinem interessanten Buch Los Angeles - Mit Hollywood durch LA eine Fülle von Material gesammelt und lädt den Leser nun dazu ein, mit ihm auf eine Reise zu gehen. Und dieser Einladung kommt man gerne nach.
(Sonja Hartl)
Daten & Fakten
| Titel: | Los Angeles - Mit Hollywood durch LA |
|---|---|
| Autor: | Wolf Jahnke |
| Erscheinungsort: | Marburg |
| Erscheinungsdatum: | 2010 |
| Seiten: | 208 |
| Verlag: | Schüren Verlag |
| ISBN: | 978-3-89472-563-1 |
2013
23/05
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