In Freiheit dressiert
Am 12. Juli 2007 plädierte er in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung für eine schärfere Trennung von Kino und Fernsehen. Der Artikel kostete ihn die Regie von Die Päpstin, weil die Firma Constantin die Vertrauensbasis mit ihm zerstört sah. Ihm wurde "eine anwaltliche Kündigung zugestellt. Lautstark warfen wir, die Produzenten und ich, uns gegenseitig vor, den 'falschen Film' machen zu wollen. Schließlich erhielt ich eine bescheidene Abfindung und hatte plötzlich viel freie Zeit." Diesem Umstand, der gewonnenen Zeit, ist Volker Schlöndorffs Autobiografie Licht, Schatten und Bewegung - Mein Leben und meine Filme zu verdanken.
Sie ist auf besondere Weise interessant, da Schlöndorff kein Autorenfilmer ist, sondern ein Literaturverfilmer. Einer, der in seinen Filmen selbst nicht zu erkennen ist, sondern hinter den Buchvorlagen verborgen bleibt. "Selbsterlebtes erschien mir nicht immer wichtig", schreibt er dementsprechend in seinem Vorwort. "Leseerlebnisse dagegen waren regelrechte Offenbarungen: Erst wenn ich meine Gefühle in der Literatur wiederfand, begann ich sie ernst zu nehmen; umgekehrt erlebte ich beim Lesen um Jahre im Voraus, was mir erst später zustieß." In seinem Buch offenbart er sich nun. Er nennt es "eine lange Rückblende auf Freunde und Bücher, Frauen und Länder, auf das, was sonst noch gewesen ist".
Von seiner Kindheit als Arztsohn im Taunus erzählt Schlöndorff in Licht, Schatten und Bewegung, von seiner Schulzeit, von Rowohlts-Rotations-Romanen ("meine Zuflucht"), von den Internaten in der Bretagne und in Paris, wo Bertrand Tavernier sein Klassenkamerad war, von der Pariser Bohème ("näher am Elend des 19. Jahrhunderts (...), als an der fröhlichen Anarchie der späten sechziger Jahre"), von seiner Zeit als Simultanübersetzer in der Cinémathèque Française, von der Zeit des Baader-Meinhof-Komplexes, von den USA und von Babelsberg. Von der Regieassistenz bei Ludwig Berger (Die Nacht in Zaandam), Louis Malle (Zazie dans le Métro / Zazie), Alain Resnais (L' Année dernière à Marienbad / Letztes Jahr in Marienbad) und Jean-Pierre Melville (Léon Morin, Prêtre / Eva und der Priester). Von Delphine Seyrig und Margarethe von Trotta, von Begegnungen mit Fritz Lang, Brian Jones, Fassbinder und Billy Wilder. Von seinen Filmen von Der junge Törless (1966) bis zu Ulzhan - Das vergessene Licht (2007). Wobei er große Unterschiede macht: auf einige Filme geht er ausführlich ein (besonders auf Die Blechtrommel), andere werden gerade mal erwähnt.
Zusammengefasst, erzählt Schlöndorff davon, was er gelesen, davon, was er gedreht und von dem Leben, das er gelebt hat - und wie das alles zusammengehört. Ansprechend formuliert und gut strukturiert. Wie ein guter Schlöndorff-Film.
(Stefan Otto)
Sie ist auf besondere Weise interessant, da Schlöndorff kein Autorenfilmer ist, sondern ein Literaturverfilmer. Einer, der in seinen Filmen selbst nicht zu erkennen ist, sondern hinter den Buchvorlagen verborgen bleibt. "Selbsterlebtes erschien mir nicht immer wichtig", schreibt er dementsprechend in seinem Vorwort. "Leseerlebnisse dagegen waren regelrechte Offenbarungen: Erst wenn ich meine Gefühle in der Literatur wiederfand, begann ich sie ernst zu nehmen; umgekehrt erlebte ich beim Lesen um Jahre im Voraus, was mir erst später zustieß." In seinem Buch offenbart er sich nun. Er nennt es "eine lange Rückblende auf Freunde und Bücher, Frauen und Länder, auf das, was sonst noch gewesen ist".
Von seiner Kindheit als Arztsohn im Taunus erzählt Schlöndorff in Licht, Schatten und Bewegung, von seiner Schulzeit, von Rowohlts-Rotations-Romanen ("meine Zuflucht"), von den Internaten in der Bretagne und in Paris, wo Bertrand Tavernier sein Klassenkamerad war, von der Pariser Bohème ("näher am Elend des 19. Jahrhunderts (...), als an der fröhlichen Anarchie der späten sechziger Jahre"), von seiner Zeit als Simultanübersetzer in der Cinémathèque Française, von der Zeit des Baader-Meinhof-Komplexes, von den USA und von Babelsberg. Von der Regieassistenz bei Ludwig Berger (Die Nacht in Zaandam), Louis Malle (Zazie dans le Métro / Zazie), Alain Resnais (L' Année dernière à Marienbad / Letztes Jahr in Marienbad) und Jean-Pierre Melville (Léon Morin, Prêtre / Eva und der Priester). Von Delphine Seyrig und Margarethe von Trotta, von Begegnungen mit Fritz Lang, Brian Jones, Fassbinder und Billy Wilder. Von seinen Filmen von Der junge Törless (1966) bis zu Ulzhan - Das vergessene Licht (2007). Wobei er große Unterschiede macht: auf einige Filme geht er ausführlich ein (besonders auf Die Blechtrommel), andere werden gerade mal erwähnt.
Zusammengefasst, erzählt Schlöndorff davon, was er gelesen, davon, was er gedreht und von dem Leben, das er gelebt hat - und wie das alles zusammengehört. Ansprechend formuliert und gut strukturiert. Wie ein guter Schlöndorff-Film.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Licht, Schatten und Bewegung
Autor:
Volker Schlöndorff
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2008
Seiten:
472
Verlag:
Carl Hanser Verlag
ISBN:
978-3-446-23082-8
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