Werner beinhart
Mit einer Stirnlampe an seinem Helm führt er derzeit deutsche Kinozuschauer durch Die Höhle der vergessenen Träume. Ein seltenes Vergnügen, denn in die Kinos seines Heimatlandes kam in den letzten zwanzig Jahren nur ein Bruchteil der Filme Werner Herzogs.
Der Bayer Herzog, der neben Fassbinder, Schlöndorff und Wenders zu den international am höchsten dekorierten Filmemachern der Generation Neuer Deutscher Film zählt, wurde hierzulande lange Zeit gerne als "Egomane", "Exzentriker" und "Neo-Romantiker" beschrieben und als "Ausbeuter" angefeindet.
In Lektionen in Herzog blickt Herausgeber Chris Wahl auf die Rezeption von Herzogs Filmen in Deutschland von den Anfängen bis heute zurück und arbeitet ihre großen Linien heraus. Diesem ersten Kapitel, in dem vor allem zeitgenössische Kritiken ausgewertet werden, werden in drei weiteren die Rezeptionsgeschichten Herzogs in Frankreich, Italien und USA gegenübergestellt. Während die Straßburgerin Valérie Carré dabei sehr nahe an den Argumentationsketten der französischen Rezensionen bleibt, liefert der Florentiner Federico Pierotti eine minutiöse Aufführungsgeschichte von Herzogs Filmen in Italien im Verbund mit einer penibel recherchierten Bibliografie. Die Kalifornierin Jaimie Baron zeichnet den Verlauf der Beziehung zwischen dem deutschen Regisseur und der amerikanischen Filmkritik nach und macht dabei besonders auf zwei Wendepunkte aufmerksam, Fitzcarraldo und Grizzly Man, die durchaus auch in der französischen und italienischen Rezeption eine Rolle spielen.
Verschiedene Aufsätze vor allem amerikanischer Autoren verdeutlichen beispielhaft die Herzog-Rezeption im Ausland. Nur ein Beitrag widmet sich dabei einem einzelnen Film: Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen / Bad Lieutenant - Port of Call New Orleans von 2009. Die anderen nehmen eher herzogliche Motive in den Blick, seinen Blick auf das Fremde und Exotische, sein Verhältnis zur Oper oder sein Erkenntnisinteresse. Brad Prager, der Autor der bisher umfassendsten Monografie über den Regisseur (The Cinema of Werner Herzog - Aesthetic Ecstasy and Truth), konzentriert sich in seinem Beitrag auf die Tierwelt in Herzogs Filmen und besonders auf die Menschenaffen, wobei er Tradtionslinien aus der deutschen Literatur aufzeigt. Und Eric Ames von der University of Washington in Seattle unternimmt einen Rundgang durch das wachsende Material an amerikanischen Parodien Werner Herzogs, die treffend einen Rückschluss auf seinen Status in Übersee erlauben.
(Stefan Otto)
Der Bayer Herzog, der neben Fassbinder, Schlöndorff und Wenders zu den international am höchsten dekorierten Filmemachern der Generation Neuer Deutscher Film zählt, wurde hierzulande lange Zeit gerne als "Egomane", "Exzentriker" und "Neo-Romantiker" beschrieben und als "Ausbeuter" angefeindet.
In Lektionen in Herzog blickt Herausgeber Chris Wahl auf die Rezeption von Herzogs Filmen in Deutschland von den Anfängen bis heute zurück und arbeitet ihre großen Linien heraus. Diesem ersten Kapitel, in dem vor allem zeitgenössische Kritiken ausgewertet werden, werden in drei weiteren die Rezeptionsgeschichten Herzogs in Frankreich, Italien und USA gegenübergestellt. Während die Straßburgerin Valérie Carré dabei sehr nahe an den Argumentationsketten der französischen Rezensionen bleibt, liefert der Florentiner Federico Pierotti eine minutiöse Aufführungsgeschichte von Herzogs Filmen in Italien im Verbund mit einer penibel recherchierten Bibliografie. Die Kalifornierin Jaimie Baron zeichnet den Verlauf der Beziehung zwischen dem deutschen Regisseur und der amerikanischen Filmkritik nach und macht dabei besonders auf zwei Wendepunkte aufmerksam, Fitzcarraldo und Grizzly Man, die durchaus auch in der französischen und italienischen Rezeption eine Rolle spielen.
Verschiedene Aufsätze vor allem amerikanischer Autoren verdeutlichen beispielhaft die Herzog-Rezeption im Ausland. Nur ein Beitrag widmet sich dabei einem einzelnen Film: Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen / Bad Lieutenant - Port of Call New Orleans von 2009. Die anderen nehmen eher herzogliche Motive in den Blick, seinen Blick auf das Fremde und Exotische, sein Verhältnis zur Oper oder sein Erkenntnisinteresse. Brad Prager, der Autor der bisher umfassendsten Monografie über den Regisseur (The Cinema of Werner Herzog - Aesthetic Ecstasy and Truth), konzentriert sich in seinem Beitrag auf die Tierwelt in Herzogs Filmen und besonders auf die Menschenaffen, wobei er Tradtionslinien aus der deutschen Literatur aufzeigt. Und Eric Ames von der University of Washington in Seattle unternimmt einen Rundgang durch das wachsende Material an amerikanischen Parodien Werner Herzogs, die treffend einen Rückschluss auf seinen Status in Übersee erlauben.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Lektionen in Herzog
Autor:
Chris Wahl
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2011
Seiten:
392
Verlag:
edition tex + kritik im Richard Boorberg Verlag
ISBN:
978-3-86916-118-1
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