Klaus Kreimeier: Die Ufa-Story – Geschichte eines Filmkonzerns
Kinostart:
27.04.2004
Leserbewertung:
Noch nicht genügend Bewertungen
Ein wichtiges Kapitel deutsche Filmgeschichte
Kaum ein Filmkonzern hatte so eine Machtfülle inne und verstand sich dergestalt darauf, Film und Politik miteinander zu verquicken wie die Universum Film AG, kurz Ufa genannt. Der Filmjournalist und Autor Klaus Kreimeier hat die 75jährigen Wiederkehr der Firmengründung zum Anlass genommen, sich eingehend mit der Geschichte des bedeutendsten deutschen Medienkonzerns der Weimarer Republik und des Dritten Reiches zu befassen, eine Chronik von ungeheurer Materialdichte und großen Unterhaltungswert, die einen genauen Einblick in die Verstrickungen von Kunst und Politik gibt.
Im ersten Teil seines Buches beschreibt Klaus Kreimeier die Phase der Entstehung und des langsamen Aufstiegs der UFA, ein Weg, der keineswegs gradlinig war, sondern der sich vielmehr äußerst widersprüchlich liest. Denn in der UFA fanden außergewöhnlichen Künstler ebenso eine Heimat wie stramm deutschnationale Ideologen und Funktionäre, eine Mischung, die Kreimeier als geradezu kennzeichnend für die UFA ansieht. Offensichtlich. so der Autor weiter, spiegelte sich in der UFA die deutsche Gesellschaft in all ihren unterschiedlichen ideologischen und kulturellen Strömungen wieder.
Dabei war die Gründung der UFA keineswegs im Geiste der Toleranz vonstatten gegangen, denn die Universum Film AG wurde am 18. Dezember 1917 von der damaligen Reichsregierung zusammen mit dem Kriegsministerium und der Deutschen Bank gegründet – mit dem klaren Ziel, im Ausland Propaganda für Deutschland im Ausland zu betreiben. Doch es sollte sich schnell herausstellen, dass die Interessen der Partner zu unterschiedlich waren, denn der Deutschen Bank ging es weniger ums Vaterland, sondern vielmehr um den Profit, so dass statt der geforderten Propagandastreifen Spielfilme entstanden.
Doch der wirtschaftliche Fokus war in den zwanziger Jahren nur eine andere Art des Krieges, denn es war vor allem das Ziel der Konzernleitung, den Filmen aus Hollywood etwas entgegenzusetzen. Schritt für Schritt baute die UFA ihre Vormachtstellung in Deutschland aus, als eine Art Dachorganisation der deutschen Filmwirtschaft, die fusionierte, aufkaufte und so mehr und mehr eine Quasi-Monopolstellung erreichte, bis 1927 der Vorsitzende der deutschnationalen Volkspartei die UFA kaufte und endgültig in den Dienst der rechten Sache stellte.
Doch entgegen älteren Analysen belässt es der Autor nicht dabei, subsummierend die UFA als reine Propagandamaschine darzustellen. Denn selbst unter der Ägide Hugenbergs galt das Hauptaugenmerk der Studiobosse in erster Linie der Qualität der Filme und ihrer Verwertbarkeit und dann erst der politischen Linientreue.
Im Mittelpunkt von Kreimeiers Interesse steht aber die Zeit des Nationalsozialismus, in der der Film von Staats wegen und unter der Führung der beiden Filmnarren Hitler und Goebbels zum staatstragenden Propagandamedium Nummer 1 wurde. Eine verhängnisvolle Verstrickung, die schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg zu der weitgehenden Zerschlagung und Entflechtung des Medienkonzerns führte, der schließlich 1963 in die Hände der Bertelsmann Verlagsgruppe überging.
Ein Buch, das vor allem durch seine Materialfülle besticht und für Filmfans mit Interesse an der Geschichte des deutschen Films ein unerlässliches Standardwerk sein dürfte.
Im ersten Teil seines Buches beschreibt Klaus Kreimeier die Phase der Entstehung und des langsamen Aufstiegs der UFA, ein Weg, der keineswegs gradlinig war, sondern der sich vielmehr äußerst widersprüchlich liest. Denn in der UFA fanden außergewöhnlichen Künstler ebenso eine Heimat wie stramm deutschnationale Ideologen und Funktionäre, eine Mischung, die Kreimeier als geradezu kennzeichnend für die UFA ansieht. Offensichtlich. so der Autor weiter, spiegelte sich in der UFA die deutsche Gesellschaft in all ihren unterschiedlichen ideologischen und kulturellen Strömungen wieder.
Dabei war die Gründung der UFA keineswegs im Geiste der Toleranz vonstatten gegangen, denn die Universum Film AG wurde am 18. Dezember 1917 von der damaligen Reichsregierung zusammen mit dem Kriegsministerium und der Deutschen Bank gegründet – mit dem klaren Ziel, im Ausland Propaganda für Deutschland im Ausland zu betreiben. Doch es sollte sich schnell herausstellen, dass die Interessen der Partner zu unterschiedlich waren, denn der Deutschen Bank ging es weniger ums Vaterland, sondern vielmehr um den Profit, so dass statt der geforderten Propagandastreifen Spielfilme entstanden.
Doch der wirtschaftliche Fokus war in den zwanziger Jahren nur eine andere Art des Krieges, denn es war vor allem das Ziel der Konzernleitung, den Filmen aus Hollywood etwas entgegenzusetzen. Schritt für Schritt baute die UFA ihre Vormachtstellung in Deutschland aus, als eine Art Dachorganisation der deutschen Filmwirtschaft, die fusionierte, aufkaufte und so mehr und mehr eine Quasi-Monopolstellung erreichte, bis 1927 der Vorsitzende der deutschnationalen Volkspartei die UFA kaufte und endgültig in den Dienst der rechten Sache stellte.
Doch entgegen älteren Analysen belässt es der Autor nicht dabei, subsummierend die UFA als reine Propagandamaschine darzustellen. Denn selbst unter der Ägide Hugenbergs galt das Hauptaugenmerk der Studiobosse in erster Linie der Qualität der Filme und ihrer Verwertbarkeit und dann erst der politischen Linientreue.
Im Mittelpunkt von Kreimeiers Interesse steht aber die Zeit des Nationalsozialismus, in der der Film von Staats wegen und unter der Führung der beiden Filmnarren Hitler und Goebbels zum staatstragenden Propagandamedium Nummer 1 wurde. Eine verhängnisvolle Verstrickung, die schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg zu der weitgehenden Zerschlagung und Entflechtung des Medienkonzerns führte, der schließlich 1963 in die Hände der Bertelsmann Verlagsgruppe überging.
Ein Buch, das vor allem durch seine Materialfülle besticht und für Filmfans mit Interesse an der Geschichte des deutschen Films ein unerlässliches Standardwerk sein dürfte.
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Klaus Kreimeier: Die Ufa-Story – Geschichte eines Filmkonzerns
Autor:
Klaus Kreimeier
Erscheinungsort:
Frankfurt
Erscheinungsdatum:
2002
Seiten:
520
Verlag:
Fischer
ISBN:
3-596-15575-4
BEWERTUNG
Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.
MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Buch (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)
Artikel zum Thema
Traum und Exzess - Die Kulturgeschichte des frühen Kinos





