Wie ein toll gewordener Löwe
Wenn er nicht gestorben wär', wär' er im vergangenen Oktober 80 Jahre alt geworden: Klaus Kinski (1926 - 1991). Zu diesem Geburtstag erscheint Kinski - Die Biographie, verfasst von dem Österreicher Christian David, der über Kinski promovierte. Nach Kinskis eigenen autobiografischen Arbeiten Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund, Ich will Liebe und Paganini ist Davids Buch die erste umfassende Biografie über den äußerst schillernden und berühmt-berüchtigten deutschen Schauspieler aus Zoppot (heute in Polen).
David schildert Kinskis Leben zuverlässig und gewissenhaft Jahr für Jahr, Projekt für Projekt und Film für Film. Kinski als Kind, als Fallschirmjäger, Kriegsgefangener, als Schauspieler an Laien- und professionellen Theatern, seine erfolgreichen Rezitationen, seine Zeit in Berlin, in Rom, in Hollywood und natürlich die über 130 Filme, die er in diesen Städten und andernorts drehte. Die Edgar-Wallace-Verfilmungen, die Italo-Western, die wahllos abgedrehten und die Werner-Herzog-Filme. Das hört sich, so zusammengefasst, viel langweiliger an, als es sich in dieser guten Biografie liest.
Kinskis Leben war nämlich wild. Ein Dasein, in dem Höhenrausch und Abgrund offensichtlich nahe beieinander lagen. Er war in den fünfziger Jahren "eine Unendlichkeit entfernt von den brav gescheitelten, proper gekleideten Jugendlichen, die durch harmlose Filme tollten", in den Sechzigern verkörperte er "die Ausgegrenzten, Verrückten, Enthemmten, Grausamen, die andere und zugleich sich selbst quälten." Er war, so Regisseur Peter Zadek, eine "absurde Person (...), die andauernd im Theater für Ärger sorgte und rausflog". Als Rezitator der Werke François Villons und Arthur Rimbauds war er der "Literatur-Presley" und als Filmstar einer, der - Gott sei Dank - keinen Unterschied machte zwischen Trash und angeblicher Hochkultur.
Klaus Kinskis zunehmend unberechenbares, bizarres, anmaßendes bis offen aggressives Verhalten in allen möglichen Situationen führt Kinski-Kenner David auf dessen Kokainkonsum zurück, und erwägt die Möglichkeit einer (eher unbewussten) "Strategie": "denn die Aufmerksamkeit verschob sich von einem an seiner Aufgabe scheiternden Künstler hin zu einer Skandale erregenden Zelebrität, über deren Talente und Mankos nicht mehr diskutiert wurde. Es ging nicht mehr um Kinskis schauspielerische Leistung, vielmehr stürzten sich die Medien und Zuschauer nun allein auf die Persönlichkeit des Akteurs. Dieser Ablenkungsversuch gelang: Statt seine Darbietung zu attackieren, stellte man nun vor allem auf seine Eigenheiten und Allüren ab, Kinskis Stellenwert als Schauspieler wurde von niemandem mehr thematisiert." Bis die posthume Anerkennung einsetzte.
(Stefan Otto)
David schildert Kinskis Leben zuverlässig und gewissenhaft Jahr für Jahr, Projekt für Projekt und Film für Film. Kinski als Kind, als Fallschirmjäger, Kriegsgefangener, als Schauspieler an Laien- und professionellen Theatern, seine erfolgreichen Rezitationen, seine Zeit in Berlin, in Rom, in Hollywood und natürlich die über 130 Filme, die er in diesen Städten und andernorts drehte. Die Edgar-Wallace-Verfilmungen, die Italo-Western, die wahllos abgedrehten und die Werner-Herzog-Filme. Das hört sich, so zusammengefasst, viel langweiliger an, als es sich in dieser guten Biografie liest.
Kinskis Leben war nämlich wild. Ein Dasein, in dem Höhenrausch und Abgrund offensichtlich nahe beieinander lagen. Er war in den fünfziger Jahren "eine Unendlichkeit entfernt von den brav gescheitelten, proper gekleideten Jugendlichen, die durch harmlose Filme tollten", in den Sechzigern verkörperte er "die Ausgegrenzten, Verrückten, Enthemmten, Grausamen, die andere und zugleich sich selbst quälten." Er war, so Regisseur Peter Zadek, eine "absurde Person (...), die andauernd im Theater für Ärger sorgte und rausflog". Als Rezitator der Werke François Villons und Arthur Rimbauds war er der "Literatur-Presley" und als Filmstar einer, der - Gott sei Dank - keinen Unterschied machte zwischen Trash und angeblicher Hochkultur.
Klaus Kinskis zunehmend unberechenbares, bizarres, anmaßendes bis offen aggressives Verhalten in allen möglichen Situationen führt Kinski-Kenner David auf dessen Kokainkonsum zurück, und erwägt die Möglichkeit einer (eher unbewussten) "Strategie": "denn die Aufmerksamkeit verschob sich von einem an seiner Aufgabe scheiternden Künstler hin zu einer Skandale erregenden Zelebrität, über deren Talente und Mankos nicht mehr diskutiert wurde. Es ging nicht mehr um Kinskis schauspielerische Leistung, vielmehr stürzten sich die Medien und Zuschauer nun allein auf die Persönlichkeit des Akteurs. Dieser Ablenkungsversuch gelang: Statt seine Darbietung zu attackieren, stellte man nun vor allem auf seine Eigenheiten und Allüren ab, Kinskis Stellenwert als Schauspieler wurde von niemandem mehr thematisiert." Bis die posthume Anerkennung einsetzte.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Kinski - Die Biographie
Autor:
Christian David
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2006
Seiten:
447
Verlag:
Aufbau-Verlag
ISBN:
3-351-02634-X
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