Jeder tötet, was er liebt

Kinostart: 26.02.2007
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Take my Breath away

Überraschend von einer Kugel getroffen, kippt Juanita de Cordoba langsam hintenüber. Sie entgleitet der Umarmung des Schützen Rico Parra, der aus nächster Nähe zielte. In seinem olivgrünen Militärgewand bleibt er regungslos vor ihr stehen, während sie auf den mamornen Fußboden fällt und ihr violettes Abendkleid sich um sie herum ausbreitet wie eine erblühende Blume. Um Szenen wie diese - in Topaz - ging es François Truffaut, als er 1974 anlässlich eines Abends zu Ehren Alfred Hitchcocks sagte, dass bei Hitchcock "alle Liebesszenen wie Mordszenen gefilmt waren und alle Mordszenen wie Liebesszenen. (...) Auf der Leinwand nichts als Spritzer, Knallkörper, Ejakulationen, Stöhnen, Keuchen, Schreie, Blutvergießen, Tränen, verdrehte Handgelenke, und mir ging auf, dass in Hitchcocks (...) Kino der Liebesakt und der Tod eins sind."

In seinem Buch Jeder tötet, was er liebt - Liebes- und Todesszenen in den Filmen Alfred Hitchcocks geht Gregor J. Weber diesem Eindruck nach und untersucht, inwieweit Hitchcock seine Liebesszenen mit dem Motiv des Todes und seine Todesszenen mit dem Motiv der Sexualität verbindet. Er überprüft, ob sich Truffauts Beobachtung als stichhaltig erweist und welche erzählerischen oder ästhetischen Funktionen die "Paarung von Eros und Thanatos" haben könnten.

Weber unternimmt einen Exkurs durch die Kunst- und die Filmgeschichte und zeigt, dass Hitchcock nicht der einzige Filmemacher und schon überhaupt nicht der einzige Künstler ist, der in seinen Werken die Verschränkung von Liebe und Tod betreibt. Anhand einer Auswahl geeigneter Szenen aus Suspicion, North by Northwest, Psycho und Frenzy analysiert der Film- und Fernsehwissenschaftler die Motive, die narrativen Muster und die formalen Strategien der Verschränkung. "Hitchcock artikuliert in seinen Liebes- und Todesszenen eine symbolische Fusion von Sexualität und Mord", schreibt er und zeigt, "dass sich der Aspekt der Verschmelzung keineswegs auf die Szenen beschränkt, in denen Gewalt oder erotische Handlungen denotativ gezeigt werden."

Dass Tod und Sexualität zu den thematischen Charakteristika von Hitchcock-Filmen zählen, ist schon lange erkannt. Die ästhetische Paarung dieser beiden Motive wurde bislang jedoch allenfalls en passant behandelt, eine eigenständige Publikation inspirierten sie zuvor noch nicht. In seinem nicht immer leicht - viele Fußnoten, viele Zitate, viele Klammern -, aber mit Gewinn zu lesendem und schön - im Stil der Bücher des Bertz + Fischer-Verlags - bebilderten Buch füllt Gregor J. Weber diese Lücke.

(Stefan Otto)

DATEN & FAKTEN

ÜBERBLICK

Titel: Jeder tötet, was er liebt
Erscheinungsort: Marburg
Erscheinungsdatum: 2007
Seiten: 112
Verlag: Schüren Verlag
ISBN: 978-3-89472-487-0

Cover

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Bisherige Kommentare (Anzeige: 1 von insgesamt 1)
Von: Birgit Schimmer am: 20.05.09
Sehr geehrter Herr Weber; um es kurz zu machen: ich war von Ihrem Buch sehr entäuscht. Darf ich aus dem Wegweiser der Uni Mainz zum Studium der Filmwissenschaften zitieren: "Die Fußnoten solten möglichst nur Angaben zu Quellen und Forschungsliteratur enthalten (...) was wichtig ist, gehört in den Text, was nicht bedeutend genug ist, um dort erwähnt zu werden, sollte auch nicht die Fußnoten belasten" Ihr Text ist nun leider derart mit extrem ausführlichen Fußnoten überladen, dass die Freude am Lesen sehr schnell dem Ärger weicht; denn leider haben Sie es versäumt, die Aussagen des Fließtextes ausreichend mit den Zitaten zu verknüpfen. Auf mich wirkt diese schier unglaubliche Anhäufung wie der Versuch, möglichst viel an Bildung und Belesenheit zu dokumentieren; auch die völlig überflüssige Verwendung höchst merkwürdiger Fremdworte trägt nicht zum Lesevergnügen bei. Vieles ist natürlich auch dem unglücklichen Layout des Buches geschuldet (den Verlag habe ich von meiner Sichtweise in Kenntnis gesetzt); allerdings: hätte man die Fußnoten konsequent an das Ende des Buches verbannt, wäre die - entschuldigen Sie meine Offenheit - Dürftigkeit Ihrer Argumentationslinie noch stärker ins Auge gefallen. Die grundlegenden Ideen werden meines Erachtens nicht ausführlich genug besprochen, gedankliche und sprachliche Lücken daher mit besagten Fußnoten aufgefüllt. Das ist schade, denn Ihre überlegungen hätten eine konzise Betrachtung durchaus verdient; wenn auch die Einbeziehung psychoanalytischer Wertungen so manches Mal eine gewisse Tendenz zur Überinterpretation aufweist. Ein gutes Lektorat wäre hier sehr hilfreich gewesen, dieses Versäumnis hat allerdings der Verlag zu verantworten. Mit freundlichen Grüßen Ihre Birgit Schimmer
   
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