Akins Erzählungen
Seine Filme gelten als das Beste und Aufregendste, was das deutsche Kino zu bieten hat. Spätestens seit dem Gewinn des Goldenen Bären im Jahre 2004 für Gegen die Wand ist Fatih Akin national wie international in die erste Riege der Regisseure aufgerückt, seine Filme laufen mittlerweile wie selbstverständlich auf den großen Festivals rund um den Globus und erfreuen sich hoher Aufmerksamkeit. Dennoch stellt man sich bang die Frage, ob Akin sich nun all den Dampfplauderern anschließt, die mit deutlich weniger Lebenserfahrung und noch geringeren Leistungen meinen, bereits im zarten Alter eine Autobiographie veröffentlichen zu müssen. Die Sorge ist aber unbegründet. Denn Im Clinch: Die Geschichte meiner Filme hebt sich wohltuend von den "literarischen" Ergüssen anderer A-, B- und Z-Promis ab, weil man merkt, dass der Mann so ist wie seine Filme: direkt, gnadenlos ehrlich, wunderbar unaufgeregt und mit einigem Sinn für Selbstironie.
Möglicherweise ist auch die Machart und Entstehungsweise des Buches nicht ganz unschuldig an dem leichten Ton, der Schwieriges und federleichte Anekdoten, Erinnerungen und Einblicke in das Filmemachen als Prozess locker miteinander verknüpft. Im Clinch beruht nämlich auf protokollierten Gesprächen, die die beiden Herausgeber Michael Töteberg und Volker Behrens mit dem Regisseur geführt haben – zwar nicht im Plauderton, denn leichtes Geplänkel ist Akins Sache sicherlich nicht. Aber man merkt einfach, dass dieses Direkte, Unmittelbare, manchmal auch schlampig Formulierte den Menschen und den Filmemacher Fatih Akin am besten widerspiegelt.
Zwar beginnt das Buch mit Akins Kindheit und zugegebenermaßen recht bewegter Jugend, doch der Schwerpunkt liegt vor allem auf den Filmen des Regisseurs und dem oftmals recht steinigen Wege, bis diese im Kasten waren. Und gerade hier kommt der Titel, der ja aus dem Boxmilieu stammt, endgültig zu seinem Recht. Was auf der Leinwand oftmals leicht und fast immer ungemein kraftvoll und direkt aussieht, entpuppt sich in Akins Erzählungen als in vielerlei Hinsicht schwere Geburten, bei denen der Regisseur und sein Team immer wieder mit schwer zu bändigenden Schauspielern, persönlichen Animositäten, Finanzierungsengpässen und anderen Stolpersteinen der Filmbranche zu kämpfen hatten. Im Gegensatz zu anderen Gesprächen mit so manchem Filmemacher klingt das aber hier niemals larmoyant, sondern zum einen stets unterhaltsam und zum anderen vollkommen ungekünstelt und natürlich – als Teil eines Spiels oder eines (Box-)Kampfes, auf den man sich eben einlassen muss, wenn man in diesem Haifischbecken überleben und Erfolg haben will. "Filmemachen ist wie Boxen", bringt er es auf den Punkt, "Kräfte einteilen, Taktik, Timing."
Das Schöne, das man in Im Clinch in jedem Moment spürt, ist Fatih Akins unbedingte Liebe zum Film, die nichts intellektualisiert, sondern die vor allem aus tiefstem Herzen kommt: "Ich mag es am Set zu sein. Wenn ich am Set bin, fühle ich mich wie ein Fisch im Wasser, ich weiß, wo jedes Kabel hingehört. Ich weiß, wer was macht am Set. Wenn ich zu Hause bin, in meiner Wohnung, ich weiß nicht, wie ich die Kühlschranktür auswechseln soll, ich weiß nicht, wie ich einen Nagel in die Wand schlagen soll, wo die Milch steht, bin ich total überfordert, aber am Set, da weiß ich alles", so heißt es in diesem Buch. Und genau dieses Feuer, das man in seinen Filmen zu spüren bekommt, transportieren auch die Gespräche.
Sofern man einer Einordnung bedarf, ist das Buch wohl am ehesten als Zwischenbilanz zu verstehen. Denn – und auch das klingt kein bisschen eingebildet, sondern eher zwingend logisch – er habe seine besten Filme noch vor sich, so formuliert es der Regisseur – weil es mit der Erfahrung der bislang gemachten Fehler zunehmend leichter wird, solche in Zukunft zu vermeiden. Bis dahin, bis zu den nächsten ganz großen Filmen Fatih Akins, ist dieses Buch eine lohnenswerte Lektüre über einen, den man einfach mögen muss. Seine Erzählungen machen das noch ein wenig leichter.
(Joachim Kurz)
Möglicherweise ist auch die Machart und Entstehungsweise des Buches nicht ganz unschuldig an dem leichten Ton, der Schwieriges und federleichte Anekdoten, Erinnerungen und Einblicke in das Filmemachen als Prozess locker miteinander verknüpft. Im Clinch beruht nämlich auf protokollierten Gesprächen, die die beiden Herausgeber Michael Töteberg und Volker Behrens mit dem Regisseur geführt haben – zwar nicht im Plauderton, denn leichtes Geplänkel ist Akins Sache sicherlich nicht. Aber man merkt einfach, dass dieses Direkte, Unmittelbare, manchmal auch schlampig Formulierte den Menschen und den Filmemacher Fatih Akin am besten widerspiegelt.
Zwar beginnt das Buch mit Akins Kindheit und zugegebenermaßen recht bewegter Jugend, doch der Schwerpunkt liegt vor allem auf den Filmen des Regisseurs und dem oftmals recht steinigen Wege, bis diese im Kasten waren. Und gerade hier kommt der Titel, der ja aus dem Boxmilieu stammt, endgültig zu seinem Recht. Was auf der Leinwand oftmals leicht und fast immer ungemein kraftvoll und direkt aussieht, entpuppt sich in Akins Erzählungen als in vielerlei Hinsicht schwere Geburten, bei denen der Regisseur und sein Team immer wieder mit schwer zu bändigenden Schauspielern, persönlichen Animositäten, Finanzierungsengpässen und anderen Stolpersteinen der Filmbranche zu kämpfen hatten. Im Gegensatz zu anderen Gesprächen mit so manchem Filmemacher klingt das aber hier niemals larmoyant, sondern zum einen stets unterhaltsam und zum anderen vollkommen ungekünstelt und natürlich – als Teil eines Spiels oder eines (Box-)Kampfes, auf den man sich eben einlassen muss, wenn man in diesem Haifischbecken überleben und Erfolg haben will. "Filmemachen ist wie Boxen", bringt er es auf den Punkt, "Kräfte einteilen, Taktik, Timing."
Das Schöne, das man in Im Clinch in jedem Moment spürt, ist Fatih Akins unbedingte Liebe zum Film, die nichts intellektualisiert, sondern die vor allem aus tiefstem Herzen kommt: "Ich mag es am Set zu sein. Wenn ich am Set bin, fühle ich mich wie ein Fisch im Wasser, ich weiß, wo jedes Kabel hingehört. Ich weiß, wer was macht am Set. Wenn ich zu Hause bin, in meiner Wohnung, ich weiß nicht, wie ich die Kühlschranktür auswechseln soll, ich weiß nicht, wie ich einen Nagel in die Wand schlagen soll, wo die Milch steht, bin ich total überfordert, aber am Set, da weiß ich alles", so heißt es in diesem Buch. Und genau dieses Feuer, das man in seinen Filmen zu spüren bekommt, transportieren auch die Gespräche.
Sofern man einer Einordnung bedarf, ist das Buch wohl am ehesten als Zwischenbilanz zu verstehen. Denn – und auch das klingt kein bisschen eingebildet, sondern eher zwingend logisch – er habe seine besten Filme noch vor sich, so formuliert es der Regisseur – weil es mit der Erfahrung der bislang gemachten Fehler zunehmend leichter wird, solche in Zukunft zu vermeiden. Bis dahin, bis zu den nächsten ganz großen Filmen Fatih Akins, ist dieses Buch eine lohnenswerte Lektüre über einen, den man einfach mögen muss. Seine Erzählungen machen das noch ein wenig leichter.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Im Clinch: Die Geschichte meiner Filme
Erscheinungsort:
Hamburg
Erscheinungsdatum:
2011
Seiten:
256
Verlag:
Rowohlt
ISBN:
978-3-498-00669-3
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