Ich traue meinen Augen nicht - Streifzüge durch 400 Jahre Karikatur und Bildsatire
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Ich traue meinen Augen nicht - Streifzüge durch 400 Jahre Karikatur und Bildsatire begleitet als Katalog die gleichnamige Ausstellung im Karikaturmuseum im niederösterreichischen Krems. Sie ist noch bis zum 18.9.2011 zu sehen und führt wie das selbstredend reich bebilderte Buch in eine vielfältige und widersprüchliche Welt, in der den Betrachter Mehrdeutigkeiten, Ungewissheiten, Rätsel und Überraschungen erwarten.
Die Ausstellung und ihr Katalog bauen in erster Linie auf die große, außergewöhnliche Sammlung von Werner Nekes auf, die um die Geschichte der Bilderzeugung und die Vielfalt der optischen Medien herum aufgebaut ist. Bis in die neunziger Jahre trat Nekes selbst auch als Regisseur von Experimentalfilmen wie Johnny Flash und Uliisses und Dokumentationen wie Was geschah wirklich zwischen den Bildern? hervor.
Vor allem mit seinen ungefähr 150 Abbildungen nimmt der Katalog seine Betrachter mit zu interessanten Begegnungen vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Zeichnungen, Radierungen, Stiche, Holzschnitte, Fotos, Objekte und Lithografien, die hier zu sehen sind, erlauben es, die Voraussetzungen, Anfänge und die physiognomischen Wurzeln von Karikatur und Satire mit eigenen Augen nachzuvollziehen. Die Spottbilder erweisen sich dabei als Gegenentwurf zur Wirklichkeit oder als Deformation im Zerrbild.
Werner Hofmann, der ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle und einer der drei Herausgeber, schrieb auch den größten Teil des Katalogs. In seinen Texten versucht er unter anderem, das herkömmliche Urteil über die Entstehung der Moderne zu revidieren. Er betrachtet die Karikatur im kunsthistorischen und kulturphilosophischen Kontext, untersucht die Methoden, mit denen die Bildsatire arbeitet, und legt die Unterwanderung der Bildenden Kunst durch die "Randkunst" Karikatur dar.
Karikaturen, Satiren und Bilderspiele seien nicht für die Ewigkeit geschaffen worden, schreibt er. Durch ihr massenhaftes, weder von Kritikern noch Kunsthändlern propagiertes Auftreten stünden sie im Gegensatz zur exquisiten Sammlerkunst. "In den Abseiten des Kunstgeschehens, denen aus der Sicht der ästhetischen Beckmesser die Kunstwürde abgeht," sei die vielschichtige Geschmackswende vorbereitet worden, die dann in den Avantgarden des 20. Jahrhunderts die "Moderne" konstituiert habe. Die "Tageskunst" Karikatur sei dagegen zur schnellen und unterhaltsamen Befriedigung des Bildhungers geschaffen und dem raschen Verschleiß ausgeliefert. Ja, gäbe es nicht Bücher wie dieses!
(Stefan Otto)
Die Ausstellung und ihr Katalog bauen in erster Linie auf die große, außergewöhnliche Sammlung von Werner Nekes auf, die um die Geschichte der Bilderzeugung und die Vielfalt der optischen Medien herum aufgebaut ist. Bis in die neunziger Jahre trat Nekes selbst auch als Regisseur von Experimentalfilmen wie Johnny Flash und Uliisses und Dokumentationen wie Was geschah wirklich zwischen den Bildern? hervor.
Vor allem mit seinen ungefähr 150 Abbildungen nimmt der Katalog seine Betrachter mit zu interessanten Begegnungen vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die Zeichnungen, Radierungen, Stiche, Holzschnitte, Fotos, Objekte und Lithografien, die hier zu sehen sind, erlauben es, die Voraussetzungen, Anfänge und die physiognomischen Wurzeln von Karikatur und Satire mit eigenen Augen nachzuvollziehen. Die Spottbilder erweisen sich dabei als Gegenentwurf zur Wirklichkeit oder als Deformation im Zerrbild.
Werner Hofmann, der ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle und einer der drei Herausgeber, schrieb auch den größten Teil des Katalogs. In seinen Texten versucht er unter anderem, das herkömmliche Urteil über die Entstehung der Moderne zu revidieren. Er betrachtet die Karikatur im kunsthistorischen und kulturphilosophischen Kontext, untersucht die Methoden, mit denen die Bildsatire arbeitet, und legt die Unterwanderung der Bildenden Kunst durch die "Randkunst" Karikatur dar.
Karikaturen, Satiren und Bilderspiele seien nicht für die Ewigkeit geschaffen worden, schreibt er. Durch ihr massenhaftes, weder von Kritikern noch Kunsthändlern propagiertes Auftreten stünden sie im Gegensatz zur exquisiten Sammlerkunst. "In den Abseiten des Kunstgeschehens, denen aus der Sicht der ästhetischen Beckmesser die Kunstwürde abgeht," sei die vielschichtige Geschmackswende vorbereitet worden, die dann in den Avantgarden des 20. Jahrhunderts die "Moderne" konstituiert habe. Die "Tageskunst" Karikatur sei dagegen zur schnellen und unterhaltsamen Befriedigung des Bildhungers geschaffen und dem raschen Verschleiß ausgeliefert. Ja, gäbe es nicht Bücher wie dieses!
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Ich traue meinen Augen nicht - Streifzüge durch 400 Jahre Karikatur und Bildsatire
Erscheinungsort:
St. Pölten
Erscheinungsdatum:
2011
Seiten:
160
Verlag:
Residenz Verlag
ISBN:
978-3-7017-3235-7
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