Hollywoods Traum von Rom
Kinostart:
27.07.2004
Leserbewertung:
Noch nicht genügend Bewertungen
Past Imperfect
Marcus Junkelmann, der bekannte und umtriebige Althistoriker und Experimentalarchäologe, der in den achtziger Jahren als römischer 'Centurio' von Verona nach Augsburg wanderte, hat sich anlässlich von Ridley Scotts Gladiator dem kurzzeitig wieder erstarkten Genre ‘Sandalenfilm’ angenommen. Das Thema seines reichlich und klug bebilderten Buches Hollywoods Traum von Rom ist die Darstellung der römischen Antike im Spielfilm.
Junkelmann holt weit aus und beginnt bei D. W. Griffith und dem "Bild von der Geschichte in einer postliteraten Welt". Er beschäftigt sich mit der Rolle des historischen Beraters beim Film und untersucht Monumentalfilme hinsichtlich des Geschichtsbildes, das ihnen zugrunde liegt. Auf die Darstellung der Stadt Rom, Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe, Frisuren und Kleidung geht er besonders ein.
Natürlich läuft die Annäherung des Altertumswissenschaftlers an Filme des 20. Jahrhunderts auf eine Suche nach Filmfehlern und die Dekonstruktion cineastischer Illusionen hinaus. "Draba als retarius müsste den Armschutz links statt rechts tragen", schreibt Junkelmann beispielsweise neben eine Abbildung eines Gladiatorenkampfes in Spartacus, "sein Gegner müsste mit Helm, großem Schild und linker kurzer Beinschiene geschützt sein. Außerdem war diese Form des Gladiatorenkampfes zur Zeit des Spartacus noch völlig unbekannt." Der Autor weist nach, dass zahlreiche Motive des Monumentalfilms sich nicht der realen Antike verdanken, sondern von Historiengemälden des 19. jahrhunderts und filmischen Vorbildern herzuleiten sind.
Junkelmann versteht es dabei, seinen Ansatz nicht besserwisserisch zu verfolgen, sondern lehrreich und äußerst spannend zu vermitteln. Er sieht durchaus die Gründe, die Filmemacher veranlassen, nicht nur geschichtliche Fakten darzustellen. "Film", schreibt er, "hat sich (...) im 20. Jahrhundert nicht nur als ein Vehikel für vereinfachend und entstellende, für falsch romantisierende und nicht minder falsch aktualisierende Geschichtsfiktion erwiesen, sondern auch als ein Medium, das unsere Vision von der Vergangenheit erweitern und ergänzen kann und dem, wie auch immer der konkrete Informationswert beschaffen sein mag, das Verdienst zukommt, wieder und wieder das Interesse an historischen Themen entzündet und wachgehalten zu haben. Es kann kein Zweifel bestehen: Nichts hat in den letzten hundert Jahren so wirksame Reklame für die Beschäftigung mit dem Altertum gemacht wie der vielbelächelte ‘Sandalenfilm’".
Junkelmann holt weit aus und beginnt bei D. W. Griffith und dem "Bild von der Geschichte in einer postliteraten Welt". Er beschäftigt sich mit der Rolle des historischen Beraters beim Film und untersucht Monumentalfilme hinsichtlich des Geschichtsbildes, das ihnen zugrunde liegt. Auf die Darstellung der Stadt Rom, Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe, Frisuren und Kleidung geht er besonders ein.
Natürlich läuft die Annäherung des Altertumswissenschaftlers an Filme des 20. Jahrhunderts auf eine Suche nach Filmfehlern und die Dekonstruktion cineastischer Illusionen hinaus. "Draba als retarius müsste den Armschutz links statt rechts tragen", schreibt Junkelmann beispielsweise neben eine Abbildung eines Gladiatorenkampfes in Spartacus, "sein Gegner müsste mit Helm, großem Schild und linker kurzer Beinschiene geschützt sein. Außerdem war diese Form des Gladiatorenkampfes zur Zeit des Spartacus noch völlig unbekannt." Der Autor weist nach, dass zahlreiche Motive des Monumentalfilms sich nicht der realen Antike verdanken, sondern von Historiengemälden des 19. jahrhunderts und filmischen Vorbildern herzuleiten sind.
Junkelmann versteht es dabei, seinen Ansatz nicht besserwisserisch zu verfolgen, sondern lehrreich und äußerst spannend zu vermitteln. Er sieht durchaus die Gründe, die Filmemacher veranlassen, nicht nur geschichtliche Fakten darzustellen. "Film", schreibt er, "hat sich (...) im 20. Jahrhundert nicht nur als ein Vehikel für vereinfachend und entstellende, für falsch romantisierende und nicht minder falsch aktualisierende Geschichtsfiktion erwiesen, sondern auch als ein Medium, das unsere Vision von der Vergangenheit erweitern und ergänzen kann und dem, wie auch immer der konkrete Informationswert beschaffen sein mag, das Verdienst zukommt, wieder und wieder das Interesse an historischen Themen entzündet und wachgehalten zu haben. Es kann kein Zweifel bestehen: Nichts hat in den letzten hundert Jahren so wirksame Reklame für die Beschäftigung mit dem Altertum gemacht wie der vielbelächelte ‘Sandalenfilm’".
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Hollywoods Traum von Rom
Autor:
Marcus Junkelmann
Erscheinungsort:
Mainz
Erscheinungsdatum:
2004
Seiten:
462
Verlag:
Philipp von Zabern
ISBN:
3-8053-2905-9
BEWERTUNG
Klicken Sie auf einen Stern, um Ihre Bewertung abzugeben.
MEINUNGEN
Ihre Meinung zu diesem Buch (Felder mit * müssen ausgefüllt sein)





