Ein nostalgischer Blick auf die goldene Ära des Kinos
Der Anfang war banal und hatte doch gewaltige Folgen. Um den Verkauf von Grundstücken in den Hügeln von Los Angeles anzukurbeln, wurde gut sichtbar für jedermann eine Reihe von durch Glühbirnen illuminierten Lettern aufgestellt, die heute zum Synonym des cineastischen Sehnsuchtsortes schlechthin geworden sind – H-O-L-L-Y-W-O-O-D-L-A-N-D. Man schrieb das Jahr 1923, und das Menetekel, das dort in den kalifornischen Nächten weithin sichtbar leuchtete, kündigte die goldenen Zeiten von Hollywood an, die in greifbarer Nähe lagen. Der Rest ist Legende. Das Leuchtfeuer hielt gerade mal ein Jahr, nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die letzten vier Buchstaben der Inschrift entfernt – was den Ruf der Traumfabrik aber keineswegs beschädigte.
Die Grundlagen für die bis heute weltbeherrschende Marktstellung der US-amerikanischen Filmindustrie festigte sich in jener Ära, über die der Illustrator Robert Nippoldt und der Autor Daniel Kothenschulte (Leiter der Filmredaktion der Frankfurter Rundschau) nun ein prächtiges Buch mit dem etwas spröden Titel Hollywood in den 1930er Jahren vorgelegt haben. Umso erfreulicher, dass der Titel dieses standesgemäß in goldenes Leinen gebundenen Buches das Gewöhnlichste an diesem durch und durch extraordinären Werk ist.
Das Schöne an Hollywood in den 1930er Jahren ist nicht nur seine Gestaltung, sondern auch der Aufbau, der selbst schon fast wirkt wie ein Film. Bereits die sehr sinnlichen und ansprechenden Bildern auf den ersten Seiten imaginieren, dass der Leser nun eines der prachtvollen alten Filmtheater betreten würde, um einer Vorstellung beizuwohnen. Das Thema des imaginären Films, den der Illustrator Robert Nippoldt und der Autor Daniel Kothenschulte mit ihren Bildern und Texten tatsächlich zum Laufen bringen, ist natürlich das goldene Zeitalter Hollywoods selbst. Mit leichter Hand und nicht immer streng der Chronologie folgend, reiht das Buch in einem nahezu "filmischen" Erzählfluss Porträts von Stars, Regisseuren, Filmtechnikern und Produzenten an prägnante Beschreibungen von wichtigen Genres, lässt auch mal Abschweifungen zu (wo findet man sonst eine Kartographie von Jean Harlows von Film zu Film wechselnden Schönheitsflecken?) und bleibt doch stets anregend, profund und unterhaltsam.
Der Wille zur (filmischen) Gestaltung zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch und findet schließlich auf den letzten Seiten zu einem ebenso genialen wie schlüssigen Ende: Dort findet man statt einer Danksagung an die vielen Helfer und Unterstützer des Mammutprojekts einen grafisch gestalteten "Abspann", der in Form und Inhalt den Schlusstiteln alter Schwarzweiß-Filme aus den 1930er Jahren verblüffend ähnelt. Sollte jemals jemand auf die Idee kommen, eine "animated documentary" über die goldene Ära Hollywoods zu drehen – sie müsste genau so aussehen.
Nach der Lektüre des Buchs, die man am liebsten über viele Abende ausdehnen möchte, ist eines sicher: Die goldenen Jahre Hollywoods, denen sich diese Hommage widmet, kommen nicht mehr wieder. Immerhin aber werden sie dank Robert Nippoldts liebevoller Gestaltung und Daniel Kothenschultes kenntnisreichen Texten für eine kleine Weile lebendig. Wie schön!
(Joachim Kurz)
Die Grundlagen für die bis heute weltbeherrschende Marktstellung der US-amerikanischen Filmindustrie festigte sich in jener Ära, über die der Illustrator Robert Nippoldt und der Autor Daniel Kothenschulte (Leiter der Filmredaktion der Frankfurter Rundschau) nun ein prächtiges Buch mit dem etwas spröden Titel Hollywood in den 1930er Jahren vorgelegt haben. Umso erfreulicher, dass der Titel dieses standesgemäß in goldenes Leinen gebundenen Buches das Gewöhnlichste an diesem durch und durch extraordinären Werk ist.
Das Schöne an Hollywood in den 1930er Jahren ist nicht nur seine Gestaltung, sondern auch der Aufbau, der selbst schon fast wirkt wie ein Film. Bereits die sehr sinnlichen und ansprechenden Bildern auf den ersten Seiten imaginieren, dass der Leser nun eines der prachtvollen alten Filmtheater betreten würde, um einer Vorstellung beizuwohnen. Das Thema des imaginären Films, den der Illustrator Robert Nippoldt und der Autor Daniel Kothenschulte mit ihren Bildern und Texten tatsächlich zum Laufen bringen, ist natürlich das goldene Zeitalter Hollywoods selbst. Mit leichter Hand und nicht immer streng der Chronologie folgend, reiht das Buch in einem nahezu "filmischen" Erzählfluss Porträts von Stars, Regisseuren, Filmtechnikern und Produzenten an prägnante Beschreibungen von wichtigen Genres, lässt auch mal Abschweifungen zu (wo findet man sonst eine Kartographie von Jean Harlows von Film zu Film wechselnden Schönheitsflecken?) und bleibt doch stets anregend, profund und unterhaltsam.
Der Wille zur (filmischen) Gestaltung zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch und findet schließlich auf den letzten Seiten zu einem ebenso genialen wie schlüssigen Ende: Dort findet man statt einer Danksagung an die vielen Helfer und Unterstützer des Mammutprojekts einen grafisch gestalteten "Abspann", der in Form und Inhalt den Schlusstiteln alter Schwarzweiß-Filme aus den 1930er Jahren verblüffend ähnelt. Sollte jemals jemand auf die Idee kommen, eine "animated documentary" über die goldene Ära Hollywoods zu drehen – sie müsste genau so aussehen.
Nach der Lektüre des Buchs, die man am liebsten über viele Abende ausdehnen möchte, ist eines sicher: Die goldenen Jahre Hollywoods, denen sich diese Hommage widmet, kommen nicht mehr wieder. Immerhin aber werden sie dank Robert Nippoldts liebevoller Gestaltung und Daniel Kothenschultes kenntnisreichen Texten für eine kleine Weile lebendig. Wie schön!
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Hollywood in den 1930er Jahren
Erscheinungsort:
Hildesheim
Erscheinungsdatum:
2010
Seiten:
160
Verlag:
Gerstenberg Verlag
ISBN:
978-3-8369-2628-7
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