Heinz Rühmann und "Die Feuerzangenbowle" - Die Geschichte eines Filmklassikers
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Die breite Basis der Bowle
Aus diesen Zeilen spricht fraglos der Germanist. Oliver Ohmann, der Deutsche Literatur und Alte Geschichte studierte, bedauert es, dass die Filmwissenschaft vom Forscherfleiß des 19. Jahrhunderts naturgemäß nicht zu profitieren vermag. So kluge und systematische Sammler wie Jacob und Wilhelm Grimm, Konrad Duden und Georg Büchmann habe der Film bisher nicht gefunden. "Diesen unendlich zuverlässigen und fleißigen Karteikarten- und Zettelschreibern verdankt die Literatur- und Sprachwissenschaft bis heute die gründlichsten Vorarbeiten, auf denen sich die wissenschaftliche Disziplin gründet."
Die Wissenschaft vom Film sei dagegen noch sehr jung und werde in der Regel nicht von biederen Schulmeistern im Gehrock betrieben. In Abgrenzung zur trivialen Darstellung in den Illustrierten neige sie zum Theoretisieren und vernachlässige dabei die Grundlagenforschung. "Als Beispiel sei nur die Erfassung der Schauspieler und ihrer Rollen genannt, die man bis heute selbst für sehr berühmte Filme nur sehr unvollständig betreibt. Viel zu oft verlässt man sich auf leidenschaftliche Enthusiasten, die aus dem bereits Veröffentlichten schöpfen, statt systematisch vorhandene Archivbestände zu bemühen."
Geht man fehl, sich Oliver Ohmann als biederen Journalisten im Gehrock vorzustellen? Der Berliner Autor stellte jedenfalls verwundert fest, dass es über Die Feuerzangenbowle (1944), der Deutschen liebsten Film, kaum etwas zu lesen gibt und schaffte selbst beste, ausführliche Abhilfe. Sein etwas umständlich betiteltes Buch Heinz Rühmann und "Die Feuerzangenbowle" - Die Geschichte eines Filmklassikers ist gut 400 Seiten stark und bietet dabei auf mehr als 200 Seiten "Material", insbesondere Biografisches zu allen Beteiligten.
Die andere Hälfte seines Buches nutzt Ohmann, die ganze Geschichte der Bowle zu erzählen, von Heinrich Spoerls und Hans Reimanns Romanvorlage über den Vorgängerfilm So ein Flegel (1934), der leider etwas zu kurz kommt, bis zum Nachleben in den albernen Lümmel-Filmen der 70er und neuesten Produktionen wie 17 Again - Back to High School.
Besonders leitet den Autor die Frage nach den Schauspielern in kleinen und kleinsten Rollen. Waren es Schüler eines Berliner Gymnasiums, wie Heinz Rühmann sich zu erinnern glaubte, oder doch "Professionelle"? Er findet die Antwort, räumt, wie nebenbei, mit mehreren (populären) Irrtümern auf und schildert außerordentlich anschaulich die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des deutschen Komödienklassikers.
Ohmann hat recht. Wir bräuchten mehr dieser klugen und systematischen Sammler, dieser zuverlässigen und fleißigen Schreiber.
(Stefan Otto)
Die Wissenschaft vom Film sei dagegen noch sehr jung und werde in der Regel nicht von biederen Schulmeistern im Gehrock betrieben. In Abgrenzung zur trivialen Darstellung in den Illustrierten neige sie zum Theoretisieren und vernachlässige dabei die Grundlagenforschung. "Als Beispiel sei nur die Erfassung der Schauspieler und ihrer Rollen genannt, die man bis heute selbst für sehr berühmte Filme nur sehr unvollständig betreibt. Viel zu oft verlässt man sich auf leidenschaftliche Enthusiasten, die aus dem bereits Veröffentlichten schöpfen, statt systematisch vorhandene Archivbestände zu bemühen."
Geht man fehl, sich Oliver Ohmann als biederen Journalisten im Gehrock vorzustellen? Der Berliner Autor stellte jedenfalls verwundert fest, dass es über Die Feuerzangenbowle (1944), der Deutschen liebsten Film, kaum etwas zu lesen gibt und schaffte selbst beste, ausführliche Abhilfe. Sein etwas umständlich betiteltes Buch Heinz Rühmann und "Die Feuerzangenbowle" - Die Geschichte eines Filmklassikers ist gut 400 Seiten stark und bietet dabei auf mehr als 200 Seiten "Material", insbesondere Biografisches zu allen Beteiligten.
Die andere Hälfte seines Buches nutzt Ohmann, die ganze Geschichte der Bowle zu erzählen, von Heinrich Spoerls und Hans Reimanns Romanvorlage über den Vorgängerfilm So ein Flegel (1934), der leider etwas zu kurz kommt, bis zum Nachleben in den albernen Lümmel-Filmen der 70er und neuesten Produktionen wie 17 Again - Back to High School.
Besonders leitet den Autor die Frage nach den Schauspielern in kleinen und kleinsten Rollen. Waren es Schüler eines Berliner Gymnasiums, wie Heinz Rühmann sich zu erinnern glaubte, oder doch "Professionelle"? Er findet die Antwort, räumt, wie nebenbei, mit mehreren (populären) Irrtümern auf und schildert außerordentlich anschaulich die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des deutschen Komödienklassikers.
Ohmann hat recht. Wir bräuchten mehr dieser klugen und systematischen Sammler, dieser zuverlässigen und fleißigen Schreiber.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Heinz Rühmann und "Die Feuerzangenbowle" - Die Geschichte eines Filmklassikers
Autor:
Oliver Ohmann
Erscheinungsort:
Leipzig
Erscheinungsdatum:
2010
Seiten:
407
Verlag:
Lehmstedt Verlag
ISBN:
978-3-937146-98-0
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