Heimat - Suchbild und Suchbewegung
Kinostart:
23.04.2006
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Vom Weggehen und Wiederkehren
In Woppenroth im Hunsrück steht ein Stein. Er wurde gestiftet von der Edgar-Reitz-Filmproduktion und trägt die Inschrift "Heimat". Er verweist auf den gleichnamigen Filmzyklus, der hier gedreht wurde, sowie auf den Hunsrück als Heimat und auf die Heimat überhaupt.
Auf meinem Schreibtisch liegt ein Buch. Es wurde herausgegeben von Fabienne Liptay, Susanne Marschall und Andreas Solbach und trägt den Titel Heimat - Suchbild und Suchbewegung. Wenn ein Buch so heißt und man entsprechend konditioniert ist, denkt man auch hier zuerst an den Hunsrücker Filmzyklus. Tatsächlich enthält das Buch, das auf einer Ringvorlesung an der Universität Mainz basiert, siebzehn Beiträge, die an ganz unterschiedliche Orte führen. Der Leser unternimmt eine Reise in die Literatur, in die Filmgeschichte, in die Philosophie, in die Kunst, in die Schweiz, in die USA, nach Frankreich, in die DDR - und, ja, in den Hunsrück.
Jürgen Israel schreibt über den Heimatbegriff in der DDR-Literatur, Rémy Charbon über jenen von Schweizer Autoren, Irmgard Wirtz widmet sich der Heimat bei Joseph Roth, Andreas Solbach der bei Wolfgang Koeppen, Matthias Bauer der bei Thomas Meinecke und Christoph Peters. Fabienne Liptay schreibt über Szenen der Heimkehr im Film, in The Wizard of Oz beispielsweise, in Emir Kusturicas Underground, in The Searchers, Brief Encounter und in den Filmen von Fatih Akin. Marcus Stiglegger beschäftigt sich mit den USA in den Filmen Oliver Stones, sein älterer Kollege Bernd Kiefer befasst sich in seinem Beitrag mit dem New York in den Filmen Martin Scorseses. Felicitas Kleiner setzt sich auseinander mit Babaettes Gaestebud und Günter Giesenfeld mit dem französisch-arabischen Cinéma beur und dem Cinéma de Banlieue, mit der betonierten Heimat in Filmen wie La Haine und Le Thé au Harem d'Archimède. Thomas Koebner liefert "Anmerkungen zum Heimatfilm", eine fast 30 Seiten umfassende Abhandlung, die so interessant ist, das sie ruhig noch länger hätte werden dürfen. Drei der siebzehn Beiträge des ergiebigen Buches schließlich behandeln den Reitzschen Heimatzyklus: einer handelt von der ersten Heimat Schabbach, einer von der zweiten München und einer vom Rhein, gegenüber dem Loreley-Felsen.
Wir lernen: In eine ferne Vergangenheit entrückt, bleibt die Heimat ein ewiges Suchbild, die Heimkehr eine endlose Suchbewegung.
(Stefan Otto)
Auf meinem Schreibtisch liegt ein Buch. Es wurde herausgegeben von Fabienne Liptay, Susanne Marschall und Andreas Solbach und trägt den Titel Heimat - Suchbild und Suchbewegung. Wenn ein Buch so heißt und man entsprechend konditioniert ist, denkt man auch hier zuerst an den Hunsrücker Filmzyklus. Tatsächlich enthält das Buch, das auf einer Ringvorlesung an der Universität Mainz basiert, siebzehn Beiträge, die an ganz unterschiedliche Orte führen. Der Leser unternimmt eine Reise in die Literatur, in die Filmgeschichte, in die Philosophie, in die Kunst, in die Schweiz, in die USA, nach Frankreich, in die DDR - und, ja, in den Hunsrück.
Jürgen Israel schreibt über den Heimatbegriff in der DDR-Literatur, Rémy Charbon über jenen von Schweizer Autoren, Irmgard Wirtz widmet sich der Heimat bei Joseph Roth, Andreas Solbach der bei Wolfgang Koeppen, Matthias Bauer der bei Thomas Meinecke und Christoph Peters. Fabienne Liptay schreibt über Szenen der Heimkehr im Film, in The Wizard of Oz beispielsweise, in Emir Kusturicas Underground, in The Searchers, Brief Encounter und in den Filmen von Fatih Akin. Marcus Stiglegger beschäftigt sich mit den USA in den Filmen Oliver Stones, sein älterer Kollege Bernd Kiefer befasst sich in seinem Beitrag mit dem New York in den Filmen Martin Scorseses. Felicitas Kleiner setzt sich auseinander mit Babaettes Gaestebud und Günter Giesenfeld mit dem französisch-arabischen Cinéma beur und dem Cinéma de Banlieue, mit der betonierten Heimat in Filmen wie La Haine und Le Thé au Harem d'Archimède. Thomas Koebner liefert "Anmerkungen zum Heimatfilm", eine fast 30 Seiten umfassende Abhandlung, die so interessant ist, das sie ruhig noch länger hätte werden dürfen. Drei der siebzehn Beiträge des ergiebigen Buches schließlich behandeln den Reitzschen Heimatzyklus: einer handelt von der ersten Heimat Schabbach, einer von der zweiten München und einer vom Rhein, gegenüber dem Loreley-Felsen.
Wir lernen: In eine ferne Vergangenheit entrückt, bleibt die Heimat ein ewiges Suchbild, die Heimkehr eine endlose Suchbewegung.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Heimat - Suchbild und Suchbewegung
Erscheinungsort:
Remscheid
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
383
Verlag:
Gardez!
ISBN:
3-89796-039-7
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