Wiener Virtuose der linkischen Bewegung
Hans Mosers Todestag jährte sich im Juni 2004 zum 40. Mal. Das Österreichische Theatermuseum nahm dies zum Anlass, dem unvergessenen Wiener Volksschauspieler sowohl eine Ausstellung als auch ein Buch zu widmen. Die Ausstellung ist im Wiener Palais Lobkowitz noch bis zum 16. Januar 2005 zu sehen. Das begleitende Buch ist im Wiener Verlag Christian Brandstätter erschienen. Ulrike Dembski und Christiane Mühlegger-Henhapel, die Kuratorinnen der Ausstellung, sind zugleich die Herausgeberinnen der Monografie. Ihr Titel Hans Moser 1880 - 1964 ist schlicht wie eine Grabinschrift.
Moser, der eigentlich Johann Julier hieß und den Nachnamen seines Lehrers annahm, war einer der populärsten österreichischen Film- und Theaterschauspieler des vergangenen Jahrhunderts. Als Darsteller kleinbürgerlicher, nörgelnder, grantiger und gleichzeitig liebenswerter Typen und Charaktere wurde er berühmt. Er avancierte zu einem Bestandteil österreichischer Identität, er repräsentierte den Österreicher, den Wiener schlechthin. Die schusselige Körpersprache und die unverwechselbare Art zu sprechen - das Wienerische sowie das Vernuscheln, Verhusten und Verschlucken von Silben, ja ganzen Satzteilen - waren seine Markenzeichen. Es zeigte sich immer wieder, wie er als ebenso einfühlsamer wie komödiantischer Schauspieler trotz der auf den ersten Blick eindimensionalen Rollenbesetzung in der Lage war, ganze Filme und Bühnendramen allein durch seine Präsenz zu tragen und aufzuwerten. Hans Moser wirkte immer wahr und unmittelbar, er verlieh seinen Figuren zeitlose, allgemein menschliche Züge.
Das in hervorragender Qualität reich bebilderte Buch versammelt Beiträge von sieben österreichischen Autorinnen und Autoren. Georg Markus, betraut mit der Aufarbeitung des von der Wiener Stadt- und Landesbibliothek erworbenen Nachlasses, skizziert Mosers künstlerischen und biografischen Werdegang von den Anfängen an Provinztheatern über die privaten Nöte während des Nationalsozialismus bis zum Streit um sein Erbe. Julia Danielczyk und Claudia Weinhapl dokumentieren Mosers frühe Theaterzeit, die Auftritte an den Varieté- und Kabarettbühnen der zwanziger jahre. Ulrike Dembski schildert die Zusammenarbeit mit Max Reinhardt, unter dessen Regie Moser sowohl Neben- als auch Hauptrollen spielte und heute teilweise unbekannte Stücke zu Theaterereignissen machte. Stefan Grissemann setzt sich mit Mosers Kinorollen auseinander und löst den Mimen aus der Banalität und den Klischees vieler Filmgeschichten. Christiane Mühlegger-Henhapel widmet sich den späten Bühnenauftritten und dem Altersstil Mosers. Die Musikwissenschaftlerin Gertraud Schaller-Pressler schließlich befasst sich mit Moser als Wienerlied-Interpret und arbeitet die Charakteristika des Sängers der "Reblaus" heraus.
(Stefan Otto)
Moser, der eigentlich Johann Julier hieß und den Nachnamen seines Lehrers annahm, war einer der populärsten österreichischen Film- und Theaterschauspieler des vergangenen Jahrhunderts. Als Darsteller kleinbürgerlicher, nörgelnder, grantiger und gleichzeitig liebenswerter Typen und Charaktere wurde er berühmt. Er avancierte zu einem Bestandteil österreichischer Identität, er repräsentierte den Österreicher, den Wiener schlechthin. Die schusselige Körpersprache und die unverwechselbare Art zu sprechen - das Wienerische sowie das Vernuscheln, Verhusten und Verschlucken von Silben, ja ganzen Satzteilen - waren seine Markenzeichen. Es zeigte sich immer wieder, wie er als ebenso einfühlsamer wie komödiantischer Schauspieler trotz der auf den ersten Blick eindimensionalen Rollenbesetzung in der Lage war, ganze Filme und Bühnendramen allein durch seine Präsenz zu tragen und aufzuwerten. Hans Moser wirkte immer wahr und unmittelbar, er verlieh seinen Figuren zeitlose, allgemein menschliche Züge.
Das in hervorragender Qualität reich bebilderte Buch versammelt Beiträge von sieben österreichischen Autorinnen und Autoren. Georg Markus, betraut mit der Aufarbeitung des von der Wiener Stadt- und Landesbibliothek erworbenen Nachlasses, skizziert Mosers künstlerischen und biografischen Werdegang von den Anfängen an Provinztheatern über die privaten Nöte während des Nationalsozialismus bis zum Streit um sein Erbe. Julia Danielczyk und Claudia Weinhapl dokumentieren Mosers frühe Theaterzeit, die Auftritte an den Varieté- und Kabarettbühnen der zwanziger jahre. Ulrike Dembski schildert die Zusammenarbeit mit Max Reinhardt, unter dessen Regie Moser sowohl Neben- als auch Hauptrollen spielte und heute teilweise unbekannte Stücke zu Theaterereignissen machte. Stefan Grissemann setzt sich mit Mosers Kinorollen auseinander und löst den Mimen aus der Banalität und den Klischees vieler Filmgeschichten. Christiane Mühlegger-Henhapel widmet sich den späten Bühnenauftritten und dem Altersstil Mosers. Die Musikwissenschaftlerin Gertraud Schaller-Pressler schließlich befasst sich mit Moser als Wienerlied-Interpret und arbeitet die Charakteristika des Sängers der "Reblaus" heraus.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Hans Moser 1880 - 1964
Erscheinungsort:
Wien
Erscheinungsdatum:
2004
Seiten:
160
Verlag:
Verlag Christian Brandstätter
ISBN:
3-85498-361-1
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