Gute Unterhaltung, schlechte Unterhaltung. Die Fernsehkritik und das Populäre
Kinostart:
07.03.2005
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G. Jauch und GZSZ in FAZ und SZ
Populäres hat in der bürgerlichen Kulturkritik traditionell einen schlechten Ruf. In den letzten Jahren scheint sich nicht zuletzt durch die Resonanz der Cultural Studies eine veränderte Position abzuzeichnen. Doch: Wie sieht es in der Medienkritik hierzulande aus?
Die Medienwissenschaftlerin Dr. Kerstin Goldbeck untersucht anhand der TV-Formate Gute Zeiten, schlechte Zeiten und Wer wird Millionär?, ob sich der Diskurs der Cultural Studies mit seiner Aufwertung des populären Vergnügens an TV-Sendungen, in der Fernsehkritik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung wiederfindet. Diese beiden überregionalen Tageszeitungen prägen ganz wesentlich die intellektuelle Diskussion in Deutschland. Die Sendungen Gute Zeiten, schlechte Zeiten und Wer wird Millionär? (beide RTL) sind in ihren jeweiligen Genres die erfolgreichsten im deutschen Fernsehen. Während die Seifenoper 1992 die erste deutsche Daily Soap war, knüpft Wer wird Millionär? an die lange Tradition der Quizsendungen an, die bis in die Anfänge des deutschen Fernsehens zurückreicht.
Kerstin Goldbeck beleuchtet die aktuelle Bewertung von Populärem und prüft, ob man in einem Bereich wie der Fernsehkritik, die per se mit der Bewertung populärer Objekte befasst ist und häufig zwischen Wissenschaft und breiterer Öffentlichkeit vermittelt, von einer neuen, aufgeschlossenen Haltung sprechen kann. "Populäres erfordert einen spezifischen Blick, der dem Reiz von Populärem gerecht wird", schreibt Goldbeck völlig zu Recht, muss aber konstatieren, dass populäre Vergnügen bei der von ihr untersuchten TV-Kritik keinen Anklang finden. "Distanz prägt die Beziehung von Kritik zum Publikum", so die Autorin, "genauere Kenntnisse über Rezipientinnen und Rezipienten, was Zusammensetzung, Nutzungsverhalten und vor allem Vergnügen angeht, kommen in den Kritiken nicht zum Ausdruck. So werden die RezipientInnen als passives Massenpublikum charakterisiert." Die Rezensenten setzten oftmals ein Publikum voraus, das sich "einlullen" lasse und sich selbst der dargestellten Trivialität angleiche. Die Kritik verurteile erfolgreiche TV-Sendungen aufgrund deren Konventionalität, der Regelmäßigkeit in ihren Entwicklungsmustern, der Bedingungen der Massenproduktion, der Offensichtlichkeit, der Vorhersagbarkeit und des Mangels an Herausforderung. Gerade diese Qualitäten, die in der ästhetischen oder kritischen Beurteilung negative sind, seien es aber, die es im Reich des Populären ermöglichten, dass ein Text angenommen und in der Kultur der Leute verwendet werden könne.
Kerstin Goldbeck kommt im Resümee ihrer aufschlussreichen und fundierten Studie Gute Unterhaltung, schlechte Unterhaltung zu dem Schluss: "Kritisch die Entwicklungen im Rundfunkbereich zu begleiten, ist wichtig, um die Verflechtungen von Konzernen im Rundfunkbereich transparenter zu machen, um zu zeigen, wo die Interessen der Rezipierenden an vielfältigen Inhalten möglicherweise in Gefahr geraten. Fernsehkritik ist auch notwendig, um die Qualität von kulturellen Angeboten zu bewerten und Negativtendenzen argumentativ entgegenzuwirken. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es nicht für die Kritik der bürgerlich orientierten Feuilletons an der Zeit wäre, die Zuschauer und Zuschauerinnen besser kennen zu lernen."
(Stefan Otto)
Die Medienwissenschaftlerin Dr. Kerstin Goldbeck untersucht anhand der TV-Formate Gute Zeiten, schlechte Zeiten und Wer wird Millionär?, ob sich der Diskurs der Cultural Studies mit seiner Aufwertung des populären Vergnügens an TV-Sendungen, in der Fernsehkritik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung wiederfindet. Diese beiden überregionalen Tageszeitungen prägen ganz wesentlich die intellektuelle Diskussion in Deutschland. Die Sendungen Gute Zeiten, schlechte Zeiten und Wer wird Millionär? (beide RTL) sind in ihren jeweiligen Genres die erfolgreichsten im deutschen Fernsehen. Während die Seifenoper 1992 die erste deutsche Daily Soap war, knüpft Wer wird Millionär? an die lange Tradition der Quizsendungen an, die bis in die Anfänge des deutschen Fernsehens zurückreicht.
Kerstin Goldbeck beleuchtet die aktuelle Bewertung von Populärem und prüft, ob man in einem Bereich wie der Fernsehkritik, die per se mit der Bewertung populärer Objekte befasst ist und häufig zwischen Wissenschaft und breiterer Öffentlichkeit vermittelt, von einer neuen, aufgeschlossenen Haltung sprechen kann. "Populäres erfordert einen spezifischen Blick, der dem Reiz von Populärem gerecht wird", schreibt Goldbeck völlig zu Recht, muss aber konstatieren, dass populäre Vergnügen bei der von ihr untersuchten TV-Kritik keinen Anklang finden. "Distanz prägt die Beziehung von Kritik zum Publikum", so die Autorin, "genauere Kenntnisse über Rezipientinnen und Rezipienten, was Zusammensetzung, Nutzungsverhalten und vor allem Vergnügen angeht, kommen in den Kritiken nicht zum Ausdruck. So werden die RezipientInnen als passives Massenpublikum charakterisiert." Die Rezensenten setzten oftmals ein Publikum voraus, das sich "einlullen" lasse und sich selbst der dargestellten Trivialität angleiche. Die Kritik verurteile erfolgreiche TV-Sendungen aufgrund deren Konventionalität, der Regelmäßigkeit in ihren Entwicklungsmustern, der Bedingungen der Massenproduktion, der Offensichtlichkeit, der Vorhersagbarkeit und des Mangels an Herausforderung. Gerade diese Qualitäten, die in der ästhetischen oder kritischen Beurteilung negative sind, seien es aber, die es im Reich des Populären ermöglichten, dass ein Text angenommen und in der Kultur der Leute verwendet werden könne.
Kerstin Goldbeck kommt im Resümee ihrer aufschlussreichen und fundierten Studie Gute Unterhaltung, schlechte Unterhaltung zu dem Schluss: "Kritisch die Entwicklungen im Rundfunkbereich zu begleiten, ist wichtig, um die Verflechtungen von Konzernen im Rundfunkbereich transparenter zu machen, um zu zeigen, wo die Interessen der Rezipierenden an vielfältigen Inhalten möglicherweise in Gefahr geraten. Fernsehkritik ist auch notwendig, um die Qualität von kulturellen Angeboten zu bewerten und Negativtendenzen argumentativ entgegenzuwirken. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es nicht für die Kritik der bürgerlich orientierten Feuilletons an der Zeit wäre, die Zuschauer und Zuschauerinnen besser kennen zu lernen."
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Gute Unterhaltung, schlechte Unterhaltung. Die Fernsehkritik und das Populäre
Autor:
Kerstin Goldbeck
Erscheinungsort:
Bielefeld
Erscheinungsdatum:
2004
Seiten:
360
Verlag:
transcript Verlag
ISBN:
3-89942-233-3
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