Die Sache mit den Bienchen und Blümchen
Wer einmal mit David Lynch liiert war, der muss wohl - quasi als Grundausstattung für diese Beziehung - über ein hohes Maß an Toleranz gegenüber jedweder Form der Exzentrik aufweisen. Dass Isabella Rossellini nicht nur dies bestens gemeistert hat, sondern auch mit zunehmendem Alter immer häufiger zu Projekten greift, die durchaus schräg zu nennen sind, bewies sie bereits mit ihrem Auftritt in Guy Maddins The Saddest Music in the World. Ähnlich schräg ist auch ihr eigenes Projekt Green Porno geraten, das sie im Jahre 2008 auf der Berlinale vorstellte. In 18 knallbunten und jeweils nur eine Minute langen Kurzfilmen stellte die Schauspielerin in Kostümen, die an einem Mischung aus Theatergewändern und den Überbleibseln einer Karnevalsveranstaltung in einem Kindergarten aussahen, das Liebesleben von Meeresgetier und Insekten vor. Nun sind die insgesamt 18 Kurzfilme auf einer DVD erschienen, die von einem lesens- und blätternswerten Buch begleitet wird.
Der Ursprungsimpuls zu den Filmen kam von Robert Redford, der die Idee hatte, Umweltkurzfilme für das Internet zu produzieren. Und als eine Sundance-Mitarbeiterin zu Isabella Rossellini meinte, die Filme könnten ruhig ein wenig "knallig" sein, dachte diese sofort an Sex und beschloss, die vielfältigen Fortpflanzungsweisen im Tierreich auf ebenso amüsante wie mahnende Weise auf die Leinwand bzw. ins Netz zu bringen. Denn trotz der skurrilen Idee und der bunten Aufmachung verfolgt Isabella Rossellini mit ihren kleinen Kunstwerken durchaus ein Ziel – sie will aufmerksam machen auf die Formenvielfalt in der Fauna und zu einem pfleglicheren Umgang damit aufrufen. Sie selbst hat nach längerer Fleischabstinenz und der eingehenderen Beschäftigung mit den Liebesgewohnheiten der Meerestiere sowie deren Gefährdung durch den Menschen auch dem Genuss von Fisch entsagt. Dass die ökologisch korrekte Botschaft des Buches und der Filme dennoch nicht zum belehrend-langweiligen Unterricht verkommen, liegt vor allem an Rossellinis Humor und dem leichten, dann und wann ins Lyrische wechselnden Tonfall und an den skurrilen Einfällen, an denen Michel Gondry seine helle Freude haben dürfte.
Ein klein wenig ist die Freude über das Büchlein und die Filme dann doch getrübt – leider sind die Filme nämlich nicht untertitelt, was die Einsatzmöglichkeiten beim fortschrittlichen Biologieunterricht dann doch erheblich schmälert. Wahrscheinlich hätte aber auch das schlaue Label Green Porno dafür gesorgt, dass das tierische Aufklärungsmaterial nicht den Weg in deutsche Klassenzimmer gefunden hätte. Allem pädagogischen Habitus zum Trotz: Wenn man von nun an den Satz "Lass es uns treiben wie die Tiere" zu Gehör bekommt, könnte dies nach der Lektüre dieses Buches darin münden, dass man als solchermaßen Umbalzte(r) gleich eine ganze Reihe von biologisch korrekten Paarungsmöglichkeiten anbieten kann. Ob die allerdings bei uns Humanoiden auf viele Gegenliebe stoßen werden, ist dann doch eher fraglich.
(Joachim Kurz)
Der Ursprungsimpuls zu den Filmen kam von Robert Redford, der die Idee hatte, Umweltkurzfilme für das Internet zu produzieren. Und als eine Sundance-Mitarbeiterin zu Isabella Rossellini meinte, die Filme könnten ruhig ein wenig "knallig" sein, dachte diese sofort an Sex und beschloss, die vielfältigen Fortpflanzungsweisen im Tierreich auf ebenso amüsante wie mahnende Weise auf die Leinwand bzw. ins Netz zu bringen. Denn trotz der skurrilen Idee und der bunten Aufmachung verfolgt Isabella Rossellini mit ihren kleinen Kunstwerken durchaus ein Ziel – sie will aufmerksam machen auf die Formenvielfalt in der Fauna und zu einem pfleglicheren Umgang damit aufrufen. Sie selbst hat nach längerer Fleischabstinenz und der eingehenderen Beschäftigung mit den Liebesgewohnheiten der Meerestiere sowie deren Gefährdung durch den Menschen auch dem Genuss von Fisch entsagt. Dass die ökologisch korrekte Botschaft des Buches und der Filme dennoch nicht zum belehrend-langweiligen Unterricht verkommen, liegt vor allem an Rossellinis Humor und dem leichten, dann und wann ins Lyrische wechselnden Tonfall und an den skurrilen Einfällen, an denen Michel Gondry seine helle Freude haben dürfte.
Ein klein wenig ist die Freude über das Büchlein und die Filme dann doch getrübt – leider sind die Filme nämlich nicht untertitelt, was die Einsatzmöglichkeiten beim fortschrittlichen Biologieunterricht dann doch erheblich schmälert. Wahrscheinlich hätte aber auch das schlaue Label Green Porno dafür gesorgt, dass das tierische Aufklärungsmaterial nicht den Weg in deutsche Klassenzimmer gefunden hätte. Allem pädagogischen Habitus zum Trotz: Wenn man von nun an den Satz "Lass es uns treiben wie die Tiere" zu Gehör bekommt, könnte dies nach der Lektüre dieses Buches darin münden, dass man als solchermaßen Umbalzte(r) gleich eine ganze Reihe von biologisch korrekten Paarungsmöglichkeiten anbieten kann. Ob die allerdings bei uns Humanoiden auf viele Gegenliebe stoßen werden, ist dann doch eher fraglich.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Green Porno
Autor:
Isabella Rossellini
Erscheinungsort:
München
Seiten:
176
Verlag:
Schirmer/Mosel
ISBN:
978-3-8296-0441-3
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