Vor Babelsbergs Toren
"Das ganze Eyland muss ein Paradies werden" lautete die Parole, die Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg im 17. Jahrhundert für Potsdam ausgab. Klein-Glienicke war damals noch eine Ansiedlung armer Kleinbauern, die in einfachen Behausungen wenig paradiesisch lebten. Es sollte noch bis ins 19. Jahrhundert dauern, bis der Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné zusammen mit dem Architekten Karl Friedrich Schinkel begann, die Insel Potsdam in eine Park- und Gartenlandschaft zu verwandeln. Die Vision eines "Preußischen Arkadien" wurde entscheidend mitgeprägt von Prinz Carl, dem Herrn von Glienicke. Er ließ das in der Nähe seines Schlosses gelegene Klein-Glienicke in ein "Schweizer Kunstdorf" mit alpiner Architektur und Landschaftsgestaltung umgestalten.
Mit dem Niedergang Preußens nach dem Ersten Weltkrieg begann sich die Vision des Prinzen zu verflüchtigen. Der Ausverkauf der Immobilien setzte ein, und Klein-Glienicke wurde zum Ausflugsort für Berliner Sommerfrischler und dank der Nähe zu den Ufa-Ateliers in Babelsberg ein beliebter Wohnort Filmschaffender. Die prominenteste unter ihnen war wohl Lilian Harvey, die 1935 nach Arbeitsaufenthalten in Hollywood und England nach Deutschland zurückkehrte und eine große Wohnung in einer Villa am Griebnitzsee bezog, bevor sie Nazi-Deutschland 1939 wieder verließ.
Den Zweiten Weltkrieg überstand Klein-Glienicke einigermaßen unbeschadet, doch die Bausubstanz des Ortes begann zu leiden, als die innerdeutsche Grenze ihn von seiner Umgebung isolierte. Bis auf einen Zugang über eine Brücke nach Babelsberg war der Ort eine DDR-Exklave, vom Systemgegner vollständig umschlossen. Schloss Glienicke lag im Westen, das Dorf im Osten. Das Sperrgebiet Klein-Glienicke gehörte zu den sensibelsten Abschnitten der Berliner Mauer und wurde von den Grenztruppen der DDR als Sondersicherheitszone eingestuft.
In Glienicke - Vom Schweizerdorf zum Sperrgebiet erzählt TV-Dokumentarist Jens Arndt (Zur Goldenen Freiheit) diese ungewöhnlich bewegte Geschichte des Ortes, der heute teilweise zum Unesco-Welterbe gehört. In mehreren Kapiteln lässt der Autor außerdem Zeitzeugen zu Wort kommen, die jahrelang in Klein-Glienicke wohnten und hier deutsche Geschichte vor, mit und nach der Mauer erlebten.
Das annähernd quadratische Buch ist ansprechend und reich bebildert. Man wünscht sich nur noch ein paar Abbildungen oder Karten mehr, die einen besseren Überblick erlaubten, zum Beispiel über den ehemaligen Verlauf der Grenze, über die Lage Glienickes im Großraum Berlin-Potsdam oder über einzelne Straßen und Viertel des Ortes.
(Stefan Otto)
Mit dem Niedergang Preußens nach dem Ersten Weltkrieg begann sich die Vision des Prinzen zu verflüchtigen. Der Ausverkauf der Immobilien setzte ein, und Klein-Glienicke wurde zum Ausflugsort für Berliner Sommerfrischler und dank der Nähe zu den Ufa-Ateliers in Babelsberg ein beliebter Wohnort Filmschaffender. Die prominenteste unter ihnen war wohl Lilian Harvey, die 1935 nach Arbeitsaufenthalten in Hollywood und England nach Deutschland zurückkehrte und eine große Wohnung in einer Villa am Griebnitzsee bezog, bevor sie Nazi-Deutschland 1939 wieder verließ.
Den Zweiten Weltkrieg überstand Klein-Glienicke einigermaßen unbeschadet, doch die Bausubstanz des Ortes begann zu leiden, als die innerdeutsche Grenze ihn von seiner Umgebung isolierte. Bis auf einen Zugang über eine Brücke nach Babelsberg war der Ort eine DDR-Exklave, vom Systemgegner vollständig umschlossen. Schloss Glienicke lag im Westen, das Dorf im Osten. Das Sperrgebiet Klein-Glienicke gehörte zu den sensibelsten Abschnitten der Berliner Mauer und wurde von den Grenztruppen der DDR als Sondersicherheitszone eingestuft.
In Glienicke - Vom Schweizerdorf zum Sperrgebiet erzählt TV-Dokumentarist Jens Arndt (Zur Goldenen Freiheit) diese ungewöhnlich bewegte Geschichte des Ortes, der heute teilweise zum Unesco-Welterbe gehört. In mehreren Kapiteln lässt der Autor außerdem Zeitzeugen zu Wort kommen, die jahrelang in Klein-Glienicke wohnten und hier deutsche Geschichte vor, mit und nach der Mauer erlebten.
Das annähernd quadratische Buch ist ansprechend und reich bebildert. Man wünscht sich nur noch ein paar Abbildungen oder Karten mehr, die einen besseren Überblick erlaubten, zum Beispiel über den ehemaligen Verlauf der Grenze, über die Lage Glienickes im Großraum Berlin-Potsdam oder über einzelne Straßen und Viertel des Ortes.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Glienicke - Vom Schweizerdorf zum Sperrgebiet
Autor:
Jens Arndt
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2009
Seiten:
192
Verlag:
Nicolai
ISBN:
978-3894795122
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