Vom Kinema lernen
Gesamtkunstwerk Expressionismus heißt der große, dicke und demgemäß schwere Katalog zur gleichnamigen Ausstellung auf der Mathildenhöhe in Darmstadt, die noch bis 13.2.2011 zu sehen ist. Ausstellung wie Buch bieten das ganze Panorama und zeigen die Komplexität der Ausdrucksformen und Inhalte im Expressionismus, der hier fest umrissen ist als Epoche von 1905, dem Gründungsjahr der Künstlergruppe Brücke in Dresden, bis 1925, dem Jahr der einen neuen Stil weisenden Ausstellung Neue Sachlichkeit in der Kunsthalle Mannheim.
Durchweg geht es in dem Buch um die Synthese der verschiedenen Künste zur wechselseitigen Durchdringung und Transformation der Gattungen. Sein Untertitel erwähnt ausdrücklich Kunst, Film, Literatur, Theater, Tanz und Architektur. Dass der Film dabei nicht die kleinste Rolle spielt, zeigt auch das Titelbild, das angeschnitten zwar, doch gut zu erkennen, den Somnambulen Cesare (Conrad Veidt) aus Das Cabinet des Dr. Caligari zeigt. Es zahlt sich aus, dass die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Deutschen Filmmuseum konzipiert wurde.
"Die siebte Kunst des Films - die damals erstmals überhaupt als solche begriffen wird - wird als Metaschauplatz aller Künste erlebbar", schreibt Ralf Beil in seinem Vorwort. "Nicht nur die Oper, sondern gerade auch der Film erfüllt exemplarisch die Vorstellung vom Gesamtkunstwerk als 'Vereinigung aller Künste wie bildende Kunst, Architektur, Theater, Tanz, Dichtung und Musik zu einem einheitlichen Kunstwerk'." Thomas Anz schreibt: "Der Film kam Tendenzen der damals jüngsten Literatur zur Sprachverknappung und zur Aufwertung nonverbaler, insbesondere visueller Kommunikation derart entgegen, dass mancher Zeitgenosse ihn als genuin expressionistisches Medium einschätzte."
Gesamtkunstwerk Expressionismus ist dabei keine Publikation, in der es um alle verschiedenen Spielarten des expressionistischen Kinos ginge, vielmehr eine, die sich neben dem Cabinet des Dr. Caligari, Der Golem, wie er in die Welt kam und Genuine (übrigens alle von 1920) kaum auf andere Filme einlässt, dabei aber personelle Verflechtungen und Vernetzungen, Parallelentwicklungen sowie überraschende und erhellende Querbezüge zwischen den Künsten offenlegt.
Die Filme werden in dem Buch, das annähernd 500, oft große, Abbildungen enthält, flankiert von Gemälden, Zeichnungen, Plakaten, Architektur, Skulpturen, Bucheinbänden, Bühnenbildentwürfen etc. Es ergibt sich das Panorama einer bewegten Epoche, in der der Schriftsteller Alfred Döblin riet: "Lernen Sie Kürze und Gedrängtheit, Dramatik vom Kinema".
(Stefan Otto)
Durchweg geht es in dem Buch um die Synthese der verschiedenen Künste zur wechselseitigen Durchdringung und Transformation der Gattungen. Sein Untertitel erwähnt ausdrücklich Kunst, Film, Literatur, Theater, Tanz und Architektur. Dass der Film dabei nicht die kleinste Rolle spielt, zeigt auch das Titelbild, das angeschnitten zwar, doch gut zu erkennen, den Somnambulen Cesare (Conrad Veidt) aus Das Cabinet des Dr. Caligari zeigt. Es zahlt sich aus, dass die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Deutschen Filmmuseum konzipiert wurde.
"Die siebte Kunst des Films - die damals erstmals überhaupt als solche begriffen wird - wird als Metaschauplatz aller Künste erlebbar", schreibt Ralf Beil in seinem Vorwort. "Nicht nur die Oper, sondern gerade auch der Film erfüllt exemplarisch die Vorstellung vom Gesamtkunstwerk als 'Vereinigung aller Künste wie bildende Kunst, Architektur, Theater, Tanz, Dichtung und Musik zu einem einheitlichen Kunstwerk'." Thomas Anz schreibt: "Der Film kam Tendenzen der damals jüngsten Literatur zur Sprachverknappung und zur Aufwertung nonverbaler, insbesondere visueller Kommunikation derart entgegen, dass mancher Zeitgenosse ihn als genuin expressionistisches Medium einschätzte."
Gesamtkunstwerk Expressionismus ist dabei keine Publikation, in der es um alle verschiedenen Spielarten des expressionistischen Kinos ginge, vielmehr eine, die sich neben dem Cabinet des Dr. Caligari, Der Golem, wie er in die Welt kam und Genuine (übrigens alle von 1920) kaum auf andere Filme einlässt, dabei aber personelle Verflechtungen und Vernetzungen, Parallelentwicklungen sowie überraschende und erhellende Querbezüge zwischen den Künsten offenlegt.
Die Filme werden in dem Buch, das annähernd 500, oft große, Abbildungen enthält, flankiert von Gemälden, Zeichnungen, Plakaten, Architektur, Skulpturen, Bucheinbänden, Bühnenbildentwürfen etc. Es ergibt sich das Panorama einer bewegten Epoche, in der der Schriftsteller Alfred Döblin riet: "Lernen Sie Kürze und Gedrängtheit, Dramatik vom Kinema".
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Gesamtkunstwerk Expressionismus
Autor:
Ralf Beil, Claudia Dillmann
Erscheinungsort:
Ostfildern
Erscheinungsdatum:
2010
Seiten:
512
Verlag:
Hatje Cantz
ISBN:
978-3-7757-2712-9
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