Der große Viertel-Kreis
Was für eine Besetzung! Auf dem Umschlag, der ja für ein Buch so ungefähr das tut, was ein Plakat für einen Film leistet, stehen außer jenem des Autors gleich 49 Namen prominenter Persönlichkeiten, von Lauren Bacall bis Fred Zinnemann. Das sind Peter Viertels Gefährliche Freunde, "schöpferische Künstler und flamboyante Abenteurer, Bonvivants und ganze Kerle", wie es weiter unten auf dem Buchumschlag heißt. Und was außen versprochen wird, wird drinnen gehalten. Die Namen auf dem Cover sind tatsächlich nur eine Auswahl aus all den Namen und Personen, die das Buch bevölkern. Als Sohn prominenter Wiener Künstler (Regisseur und Autor Berthold Viertel, Schauspielerin und Schriftstellerin Salka Viertel), die Ende der zwanziger Jahre emigrierten, wuchs Viertel in Los Angeles auf. In einem Haus, das einer der wichtigsten Treffpunkte europäischer Emigranten war. Bertolt Brecht, Franz Werfel, Thomas Mann, Ernst Lubitsch, Billy Wilder, Charlie Chaplin, die Dietrich und die Garbo gingen in der Mabery Rd. ein und aus. Peter Viertel selbst veröffentlichte mit achtzehn Jahren seinen ersten Roman (The Canyon) und begegnete als Autor (unter anderem von Drehbüchern) weiteren Berühmtheiten wie Ernest Hemingway, Orson Welles und Clint Eastwood.
In seinen selbstkritischen und humorvollen Erinnerungen geben sie sich gewissermaßen die Klinke in die Hand. Und Viertel kennt nicht nur die halbe Welt, er bereiste sie auch. So geht es von Zürich nach Davos, von Ketchum nach Havanna, von Kalifornien nach New York, nach Deutschland, nach Frankreich, Irland, Uganda. In Gefährliche Freunde zeichnet er aus der Perspektive seiner persönlichen Freundschaften einfühlsame Porträts der vielen Männer und Frauen, mit denen er allerorten arbeitete und lebte.
Es ist höchst erstaunlich, dass Peter Viertel zwischen all diesen Egos und Stationen nicht untergeht, im Leben wie im Buch. Dass diese Memoiren, angefüllt von Begegnungen mit anderen Menschen, auch sein eigenes Leben beschreiben. Dass sie trotz Sätzen wie "Fred Zinnemann, den ich seit meiner frühesten Jugend kannte" und "bei meiner ersten Begegnung mit Huston war ich fünfzehn" so uneitel wirken und so sympathisch sind.
Ein Buch in Bestbesetzung also, mit dem Peter Viertel beweist, dass das Dasein als Autor gar nicht so einsam zu sein braucht, wie man gemeinhin annimmt. Leider fehlt ein Namensregister, eine Kapiteleinteilung und eine Zeittafel, die es ermöglichten, ein wenig mehr Übersichtlichkeit in dieses prallvolle Buch zu bringen.
(Stefan Otto)
In seinen selbstkritischen und humorvollen Erinnerungen geben sie sich gewissermaßen die Klinke in die Hand. Und Viertel kennt nicht nur die halbe Welt, er bereiste sie auch. So geht es von Zürich nach Davos, von Ketchum nach Havanna, von Kalifornien nach New York, nach Deutschland, nach Frankreich, Irland, Uganda. In Gefährliche Freunde zeichnet er aus der Perspektive seiner persönlichen Freundschaften einfühlsame Porträts der vielen Männer und Frauen, mit denen er allerorten arbeitete und lebte.
Es ist höchst erstaunlich, dass Peter Viertel zwischen all diesen Egos und Stationen nicht untergeht, im Leben wie im Buch. Dass diese Memoiren, angefüllt von Begegnungen mit anderen Menschen, auch sein eigenes Leben beschreiben. Dass sie trotz Sätzen wie "Fred Zinnemann, den ich seit meiner frühesten Jugend kannte" und "bei meiner ersten Begegnung mit Huston war ich fünfzehn" so uneitel wirken und so sympathisch sind.
Ein Buch in Bestbesetzung also, mit dem Peter Viertel beweist, dass das Dasein als Autor gar nicht so einsam zu sein braucht, wie man gemeinhin annimmt. Leider fehlt ein Namensregister, eine Kapiteleinteilung und eine Zeittafel, die es ermöglichten, ein wenig mehr Übersichtlichkeit in dieses prallvolle Buch zu bringen.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Gefährliche Freunde
Autor:
Peter Viertel
Erscheinungsort:
Zürich
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
383
Verlag:
Rüffer & Rub Sachbuchverlag
ISBN:
3-907625-18-8
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