Freddy, die Gitarre und das Meer
Er ist so gut wie vergessen. Jetzt, da sein 80. Geburtstag ansteht, wird so mancher sich fragen: Lebt der eigentlich noch? Man hat sehr lange nichts mehr von ihm gehört. Der letzte Film, in dem er eine größere Rolle hatte, ist mittlerweile 40, die letzte Kompilation seiner Hits immerhin zehn Jahre alt. Zuletzt war 2008 von ihm zu hören, als seine Lebensgefährtin starb, die er wahlweise als seine Managerin, Gönnerin oder Vermögensverwalterin ausgegeben hatte.
Dabei hatte kein Solokünstler mehr Nummer-Eins-Hits in Deutschland. Heimweh, Die Gitarre und das Meer und Junge, komm bald wieder hießen die größten Erfolge von Freddy Quinn. In mehr als einem Dutzend Filmen spielte er eine Haupt-, in sieben gar die Titelrolle. Freddy unter fremden Sternen, Freddy und der Millionär oder Freddy und das Lied der Südsee hießen diese Star-Vehikel, die in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren in die deutschen Kinos kamen. Daneben und danach trat er als Schlagersänger, Moderator und Zirkusartist im Fernsehen auf, spielte im Theater, in Musicals und wurde immer wieder als einsamer Seefahrer in Szene gesetzt, den Seesack über der Schulter und die Augen gen Horizont.
Elmar Kraushaar beschreibt in seiner Biografie Freddy Quinn - Ein unwahrscheinliches Leben einen sehr bekannten und doch ziemlich fremden Menschen, der scheinbar aus dem Nichts erschien und inzwischen wieder ins Nichts verschwand. Sein Buch ist das Porträt eines Stars als Seemann, der aus dem Meer auf- und irgendwohin wieder abtauchte.
Kraushaar (Rote Lippen - Die ganze Welt des deutschen Schlagers, Der homosexuelle Mann - Anmerkungen und Beobachtungen aus zwei Jahrzehnten) ist bei seiner ausführlichen Spurensuche auf ein Phänomen gestoßen, "das von vielen Geschichten umstellt ist, Potemkinschen Dörfern gleich, deren Fassaden zusammenbrechen, kaum stößt man daran, um Platz zu machen für neue Geschichten und kleine und große Geheimnisse." Der Autor trifft auf einige Ungereimtheiten und zeichnet das widersprüchliche Bild eines Sängers, der eigentlich aus Wien stammt, aber den Jungen aus St. Pauli mimte und mit diesem Image haderte, der, obwohl er als Schauspieler untalentiert war, aus Kalkül in Filmen eingesetzt wurde und ein zweiter Hans Albers werden wollte, der schnell noch mehr erreichen wollte, als er schon erreicht hatte und der dabei immer nur als der bescheidene Sänger erscheinen wollte.
"Ich möchte einfach nur noch vergessen werden" - mit diesem Wunsch zitiert Elmar Kraushaar Freddy ganz am Ende seiner Biografie. Fast hätte er's geschafft. Wenn nur nicht dieses lesenswerte Buch dazwischengekommen wäre …
(Stefan Otto)
Dabei hatte kein Solokünstler mehr Nummer-Eins-Hits in Deutschland. Heimweh, Die Gitarre und das Meer und Junge, komm bald wieder hießen die größten Erfolge von Freddy Quinn. In mehr als einem Dutzend Filmen spielte er eine Haupt-, in sieben gar die Titelrolle. Freddy unter fremden Sternen, Freddy und der Millionär oder Freddy und das Lied der Südsee hießen diese Star-Vehikel, die in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren in die deutschen Kinos kamen. Daneben und danach trat er als Schlagersänger, Moderator und Zirkusartist im Fernsehen auf, spielte im Theater, in Musicals und wurde immer wieder als einsamer Seefahrer in Szene gesetzt, den Seesack über der Schulter und die Augen gen Horizont.
Elmar Kraushaar beschreibt in seiner Biografie Freddy Quinn - Ein unwahrscheinliches Leben einen sehr bekannten und doch ziemlich fremden Menschen, der scheinbar aus dem Nichts erschien und inzwischen wieder ins Nichts verschwand. Sein Buch ist das Porträt eines Stars als Seemann, der aus dem Meer auf- und irgendwohin wieder abtauchte.
Kraushaar (Rote Lippen - Die ganze Welt des deutschen Schlagers, Der homosexuelle Mann - Anmerkungen und Beobachtungen aus zwei Jahrzehnten) ist bei seiner ausführlichen Spurensuche auf ein Phänomen gestoßen, "das von vielen Geschichten umstellt ist, Potemkinschen Dörfern gleich, deren Fassaden zusammenbrechen, kaum stößt man daran, um Platz zu machen für neue Geschichten und kleine und große Geheimnisse." Der Autor trifft auf einige Ungereimtheiten und zeichnet das widersprüchliche Bild eines Sängers, der eigentlich aus Wien stammt, aber den Jungen aus St. Pauli mimte und mit diesem Image haderte, der, obwohl er als Schauspieler untalentiert war, aus Kalkül in Filmen eingesetzt wurde und ein zweiter Hans Albers werden wollte, der schnell noch mehr erreichen wollte, als er schon erreicht hatte und der dabei immer nur als der bescheidene Sänger erscheinen wollte.
"Ich möchte einfach nur noch vergessen werden" - mit diesem Wunsch zitiert Elmar Kraushaar Freddy ganz am Ende seiner Biografie. Fast hätte er's geschafft. Wenn nur nicht dieses lesenswerte Buch dazwischengekommen wäre …
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Freddy Quinn - Ein unwahrscheinliches Leben
Autor:
Elmar Kraushaar
Erscheinungsdatum:
2011
Seiten:
365
Verlag:
Atrium Verlag
ISBN:
978-3-85535-390-3
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