Rauchzeichen aus dem Off
"Sein Werk hat eine Kontinuität, die zu den absoluten Ausnahmefällen im deutschen Film zählt. Zugleich ist er marginal geblieben, bildet eine 'Schule' für sich, und erscheint kaum anschlussfähig." Mit diesen Sätzen beschrieb 2006 der österreichische Filmjournalist Bert Rebhandl treffend die Position des Drehbuchautors, Produzenten und Regisseurs Rudolf Thome.
2010 ist Thome 71 Jahre alt geworden. 27 Spielfilme hat er seit 1968 gedreht oder, um einem ganz herausragenden Diktum von ihm selbst zu folgen, 27 Dokumentarfilme über Schauspieler, die Szenen aus einem Drehbuch spielen. Zuletzt Das rote Zimmer, der in Formen der Liebe, dem achten Band der Edition Film-Dienst, noch nicht berücksichtigt werden konnte.
Thome hat, wie Herausgeber Ulrich Kriest es in seinem einleitenden Essay so schön formuliert, die meisten seiner Filme "eigensinnig aus dem Abseits heraus produziert". Trotzdem macht Kriest beinahe für jedes Jahrzehnt, in dem der Regisseur drehte, mindestens einen Thome-Film aus, der auch "einer größeren Öffentlichkeit als Erinnerungsboje dienen" könnte: Rote Sonne aus den sechziger Jahren, Berlin Chamissoplatz und Der Philosoph aus den Achtzigern, Das Geheimnis und Paradiso, sieben Tage mit sieben Frauen aus den Neunzigern sowie Frau fährt, Mann schläft von 2004.
Seine Filme umkreisen Verhältnisse von Männern und Frauen, die sehr bewusst leben und in eine Krise geraten. Thome beschreibt ihre Bewusstseinszustände und ihre je aktuellen Lebensverhältnisse. Dabei tauchen bestimmte Konstellationen, bestimmte Szenen oder bestimmte Darsteller immer wieder auf. Hanns Zischler, zum Beispiel, Adriana Altaras oder Marquard Bohm. Und sie frühstücken im Bett, sie kochen Spaghetti, machen lange Spaziergänge, tanzen am Wasser oder reisen in den Süden.
Ein neues Buch über Rudolf Thome war schon eine ganze Weile wünschenswert. Das letzte, Band 66 in der Reihe Kinemathek von den Freunden der Deutschen Kinemathek, datiert von 1983. Formen der Liebe - Die Filme von Rudolf Thome vereinigt nun eine Reihe neuer Beiträge mit älteren Schlüsseltexten zum Thema. Es enthält Texte, unter anderem von Hanns Zischler, Thomas Arslan, Rainer Knepperges und Enno Patalas zu einzelnen Filmen, zu Schaffensperioden und zu verschiedenen Motiven in Thomes Werk. Dazu eine schön ausführliche Filmografie sowie Interviews mit Klaus Lemke, den Drehbuchautoren Max Zihlmann und Jochen Brunow sowie mit Thome selbst.
(Stefan Otto)
2010 ist Thome 71 Jahre alt geworden. 27 Spielfilme hat er seit 1968 gedreht oder, um einem ganz herausragenden Diktum von ihm selbst zu folgen, 27 Dokumentarfilme über Schauspieler, die Szenen aus einem Drehbuch spielen. Zuletzt Das rote Zimmer, der in Formen der Liebe, dem achten Band der Edition Film-Dienst, noch nicht berücksichtigt werden konnte.
Thome hat, wie Herausgeber Ulrich Kriest es in seinem einleitenden Essay so schön formuliert, die meisten seiner Filme "eigensinnig aus dem Abseits heraus produziert". Trotzdem macht Kriest beinahe für jedes Jahrzehnt, in dem der Regisseur drehte, mindestens einen Thome-Film aus, der auch "einer größeren Öffentlichkeit als Erinnerungsboje dienen" könnte: Rote Sonne aus den sechziger Jahren, Berlin Chamissoplatz und Der Philosoph aus den Achtzigern, Das Geheimnis und Paradiso, sieben Tage mit sieben Frauen aus den Neunzigern sowie Frau fährt, Mann schläft von 2004.
Seine Filme umkreisen Verhältnisse von Männern und Frauen, die sehr bewusst leben und in eine Krise geraten. Thome beschreibt ihre Bewusstseinszustände und ihre je aktuellen Lebensverhältnisse. Dabei tauchen bestimmte Konstellationen, bestimmte Szenen oder bestimmte Darsteller immer wieder auf. Hanns Zischler, zum Beispiel, Adriana Altaras oder Marquard Bohm. Und sie frühstücken im Bett, sie kochen Spaghetti, machen lange Spaziergänge, tanzen am Wasser oder reisen in den Süden.
Ein neues Buch über Rudolf Thome war schon eine ganze Weile wünschenswert. Das letzte, Band 66 in der Reihe Kinemathek von den Freunden der Deutschen Kinemathek, datiert von 1983. Formen der Liebe - Die Filme von Rudolf Thome vereinigt nun eine Reihe neuer Beiträge mit älteren Schlüsseltexten zum Thema. Es enthält Texte, unter anderem von Hanns Zischler, Thomas Arslan, Rainer Knepperges und Enno Patalas zu einzelnen Filmen, zu Schaffensperioden und zu verschiedenen Motiven in Thomes Werk. Dazu eine schön ausführliche Filmografie sowie Interviews mit Klaus Lemke, den Drehbuchautoren Max Zihlmann und Jochen Brunow sowie mit Thome selbst.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Formen der Liebe - Die Filme von Rudolf Thome
Autor:
Ulrich Kriest (Hg.)
Erscheinungsort:
Marburg
Seiten:
352
ISBN:
978-3-89472-681-2
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