Ein Lehrbuch für die Schule
"Im Deutschunterricht lernt jeder ganz selbstverständlich mit Textanalysen umzugehen, um Literatur zu verstehen", schreiben Eva und Dirk Fritsch in der Einleitung zu ihrem Einführungsbuch (S. 10); Filme zu verstehen und die Filmanalyse zu beherrschen, werde allerdings bisher kaum gelehrt. Mit ihrem Buch Filmzugänge. Strukturen und Handhabung wollen die Autoren nun einen Beitrag dazu leisten, systematisch in die Praxis der Filmanalyse einzuführen und diese für den Schulunterricht nutzbar zu machen. Ziel ist es, so die Verfasser, „Lehrern den Unterricht mit Film zu erleichtern, Tipps an die Hand zu geben und Modelle für die Filmrezeption und -produktion vorzustellen“ (S. 11).
Fritsch/Fritsch geben einen klaren Überblick über verschiedene Theorien und, wie der Titel eben andeutet, Zugänge zum Medium Film. Sie machen jedoch auch deutlich, dass es sich dabei nur um eine Auswahl handelt und sie sich mit ihrem Handbuch in die Tradition der semiotischen Analyse einerseits und des Neoformalismus‘ von David Bordwell und Kristin Thompson andererseits einordnen; die neoformalistische Filmanalysen halten sie besonders für Lehrer und Schüler als "einen brauchbaren Einstieg in das Filmverstehen" (S. 14). Darüber hinaus stellen Fritsch/Fritsch mit dem Kapitel "Filmvermittlung" filmdidaktische Überlegungen an und werfen einen Blick auf aktuelle Aktivitäten im Bereich der Filmlehre, so dass sich das Buch auch in diesem Bereich in den aktuellen Diskurs einordnet. Dabei berichten sie aus ihrer Referententätigkeit für "Kino macht Schule" und veranschaulichen an Filmbeispielen wie Gegen die Wand (Deutschland/Türkei 2004) oder Das Leben der Anderen (Deutschland 2006), wie man zusammen mit Schülern mit Filmen arbeiten kann.
Das vierte Kapitel widmet sich der Filmgeschichte, fasst auf knappem Raum wichtige Strömungen der Weltgeschichte des Films zusammen und gibt darüber hinaus einen Ausblick auf den Dokumentarfilm im 21. Jahrhundert. Die (teilweise etwas zu) kurzen Beschreibungen werden jeweils durch zentrale Filmbeispiele komplettiert, so dass das Buch quasi einen eigenen Kanon der Filmgeschichte aufstellt, der am Zielpublikum, jungen Filmzuschaueren, orientiert ist. Die exemplarischen Analysen von Spiel- und Animationsfilmen im sechsten Kapitel beziehen vor allem aktuelle Filmbeispiele wie Minority Report (USA 2002), City of God (Brasilien/Frankreich/USA 2002), Memento (USA 2000), Billy Elliot (GB/Frankreich 2000) oder Finding Nemo (USA 2003) mit ein, welche den Schülern aus ihrem privaten Filmkonsum bekannt sein dürften. Die Analysen sind zwar kurz, aber prägnant und sprechen die wichtigsten Aspekte im jeweiligen Film an, womit sie dem Leser einen guten Einblick verschaffen, welche Elemente jeweils mit welcher Methode weiter untersucht werden könnten.
Weiterhin haben Fritsch/Frisch mit dem Kapitel über Filmmusik einen – insgesamt gelungenen – Exkurs in die Einführung integriert, der das Handbuch ideal ergänzt. Der einführende Fachbeitrag, geschrieben von Tomi Mäkelä, ist zwar sehr ausführlich, jedoch gemessen am Rest des Buches sehr anspruchsvoll, durch das gewählte Filmbeispiel, Laura (USA 1944) von Otto Preminger für jugendliche Filmbetrachter eher ungeeignet und vermutlich nur für Experten brauchbar: An dieser Stelle hätte man sich etwas weniger Fachwissen als vielmehr eine methodische Einführung in die Analyse des Soundtracks gewünscht. Die weiteren Beispielanalysen von Fritsch/Fritsch hingegen sind wieder zugänglicher für ein junges oder fachfremdes Lesepublikum.
Filmzugänge überzeugt vor allem durch seinen klaren Aufbau und die verständliche Darstellung, die man von einem Einführungsbuch erwartet, das sich dezidiert an Schüler und Lehrer richtet. Die Kapitel sind jeweils kurz gehalten und die Inhalte vereinfacht präsentiert, was bisweilen zentrale Aspekte vermissen lässt, aber doch eben für Anfänger der Filmanalyse gut geeignet ist. Eventuell wären direkt im Anschluss an die jeweiligen Kapitel weiterführende Literaturangaben eine sinnvolle Ergänzung gewesen, doch lassen sich diese natürlich auch im Literaturverzeichnis finden. Insgesamt eine sehr gelungene Einführung für den Schulbereich.
(Verena Schmöller)
Fritsch/Fritsch geben einen klaren Überblick über verschiedene Theorien und, wie der Titel eben andeutet, Zugänge zum Medium Film. Sie machen jedoch auch deutlich, dass es sich dabei nur um eine Auswahl handelt und sie sich mit ihrem Handbuch in die Tradition der semiotischen Analyse einerseits und des Neoformalismus‘ von David Bordwell und Kristin Thompson andererseits einordnen; die neoformalistische Filmanalysen halten sie besonders für Lehrer und Schüler als "einen brauchbaren Einstieg in das Filmverstehen" (S. 14). Darüber hinaus stellen Fritsch/Fritsch mit dem Kapitel "Filmvermittlung" filmdidaktische Überlegungen an und werfen einen Blick auf aktuelle Aktivitäten im Bereich der Filmlehre, so dass sich das Buch auch in diesem Bereich in den aktuellen Diskurs einordnet. Dabei berichten sie aus ihrer Referententätigkeit für "Kino macht Schule" und veranschaulichen an Filmbeispielen wie Gegen die Wand (Deutschland/Türkei 2004) oder Das Leben der Anderen (Deutschland 2006), wie man zusammen mit Schülern mit Filmen arbeiten kann.
Das vierte Kapitel widmet sich der Filmgeschichte, fasst auf knappem Raum wichtige Strömungen der Weltgeschichte des Films zusammen und gibt darüber hinaus einen Ausblick auf den Dokumentarfilm im 21. Jahrhundert. Die (teilweise etwas zu) kurzen Beschreibungen werden jeweils durch zentrale Filmbeispiele komplettiert, so dass das Buch quasi einen eigenen Kanon der Filmgeschichte aufstellt, der am Zielpublikum, jungen Filmzuschaueren, orientiert ist. Die exemplarischen Analysen von Spiel- und Animationsfilmen im sechsten Kapitel beziehen vor allem aktuelle Filmbeispiele wie Minority Report (USA 2002), City of God (Brasilien/Frankreich/USA 2002), Memento (USA 2000), Billy Elliot (GB/Frankreich 2000) oder Finding Nemo (USA 2003) mit ein, welche den Schülern aus ihrem privaten Filmkonsum bekannt sein dürften. Die Analysen sind zwar kurz, aber prägnant und sprechen die wichtigsten Aspekte im jeweiligen Film an, womit sie dem Leser einen guten Einblick verschaffen, welche Elemente jeweils mit welcher Methode weiter untersucht werden könnten.
Weiterhin haben Fritsch/Frisch mit dem Kapitel über Filmmusik einen – insgesamt gelungenen – Exkurs in die Einführung integriert, der das Handbuch ideal ergänzt. Der einführende Fachbeitrag, geschrieben von Tomi Mäkelä, ist zwar sehr ausführlich, jedoch gemessen am Rest des Buches sehr anspruchsvoll, durch das gewählte Filmbeispiel, Laura (USA 1944) von Otto Preminger für jugendliche Filmbetrachter eher ungeeignet und vermutlich nur für Experten brauchbar: An dieser Stelle hätte man sich etwas weniger Fachwissen als vielmehr eine methodische Einführung in die Analyse des Soundtracks gewünscht. Die weiteren Beispielanalysen von Fritsch/Fritsch hingegen sind wieder zugänglicher für ein junges oder fachfremdes Lesepublikum.
Filmzugänge überzeugt vor allem durch seinen klaren Aufbau und die verständliche Darstellung, die man von einem Einführungsbuch erwartet, das sich dezidiert an Schüler und Lehrer richtet. Die Kapitel sind jeweils kurz gehalten und die Inhalte vereinfacht präsentiert, was bisweilen zentrale Aspekte vermissen lässt, aber doch eben für Anfänger der Filmanalyse gut geeignet ist. Eventuell wären direkt im Anschluss an die jeweiligen Kapitel weiterführende Literaturangaben eine sinnvolle Ergänzung gewesen, doch lassen sich diese natürlich auch im Literaturverzeichnis finden. Insgesamt eine sehr gelungene Einführung für den Schulbereich.
(Verena Schmöller)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Filmzugänge. Strukturen und Handhabung.
Autor:
Eva Fritsch, Dirk Fritsch
Erscheinungsort:
Köln
Erscheinungsdatum:
2010
Seiten:
238
Verlag:
Herbert von Halem Verlag
ISBN:
978-3-931606-69-5
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