Filmexilanten im Universal Studio 1933 – 1960
Kinostart:
10.10.2005
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Fluchtpunkt Universal City
"Ab Mitte der 30er Jahre", so Helmut G. Asper in seinem neuen Buch Filmexilanten im Universal Studio 1933 - 1960, "wurde Hollywood zum wichtigsten Ziel für die aus Nazi-Deutschland geflüchteten Filmexilanten. Ihre Arbeitsmöglichkeiten in Europa waren ohnehin begrenzt gewesen und wurden schon bald durch filmpolitische Maßnahmen der Nazis, dann durch die nationalsozialistischen Annexionen und schließlich den Krieg zunichte gemacht. Etwa 800 Emigranten aus sämtlichen Filmberufen erreichten bis Anfang der vierziger Jahre das rettende Amerika und versuchten, in der Filmindustrie Hollywoods Fuß zu fassen." Über drei Jahrzehnte wurden etliche Emigranten bei Universal als Produzenten, Regisseure, Drehbuchautoren, Komponisten, Schauspieler, Kameramänner und technische Berater beschäftigt, und eine Reihe exilierter Autoren konnte Stories oder Filmrechte ihrer Bücher an Universal verkaufen. "Für viele Filmemigranten", schreibt Asper, "war das Engagement bei Universal der Beginn ihrer amerikanischen Filmkarriere und ihrer Integration sowohl in die amerikanische Filmindustrie als auch in die amerikanische Gesellschaft." Universal gab ihnen die Möglichkeit, ihren Beruf im Exil weiter auszuüben, ohne dass das Studio dabei die eigenen Interessen aus den Augen verloren hätte. Wie andere Hollywood-Studios auch, beteiligte sich Universal an Rettungsaktionen für Exilanten, aber langfristige Verträge oder wiederholte Aufträge gab das Studio nur jenen Emigranten, die Erfolg hatten und für das Studio ein Gewinn waren. Die Emigranten ihrerseits trugen mit dem geschäftlichen Erfolg ihrer Filme nicht unerheblich zum Bestand des Studios bei; in den dreißiger Jahren waren es sogar ihre Filme, die Universal vor dem Bankrott retteten. Emigranten prägten mit ihren Musicals, Horrorfilmen, Films noirs, Melodramen und Western das künstlerische Profil des Studios mit.
Das Trio Joe Pasternak aus Ungarn, Henry Koster (eigentlich Hermann Kosterlitz) aus Berlin und Felix Jackson (Felix Joachimson) aus Hamburg entdeckte 1936 Deanna Durbin und machte sie zu Universals größtem Musical-Star; Robert Siodmak aus Dresden inszenierte dort seine berühmten Filme der "Schwarzen Serie", sein Bruder Curt (Kurt) gestaltete die Horror- und Mystery-Filme von Universal entscheidend mit; Filmkomponist Hans J. Salter aus Wien prägte über 30 Jahre das musikalische Gesicht der Universal-Filme; und nicht zuletzt etablierte sich Douglas Sirk (Detlef Sierck) mit seinen Melodramen ab 1950 als wichtigster Hausregisseur des Studios. Die Berlinerin Marlene Dietrich feierte dort 1939 ihr Comeback in der Westernkomödie Destry Rides Again, und nahezu die halbe Filmemigration spielte 1943 in dem von Fritz Kortner geschriebenen Anti-Nazi-Film The Strange Death of Adolf Hitler.
Exil-Experte Helmut G. Asper ("Etwas Besseres als den Tod ..." - Filmexil in Hollywood) zeigt exemplarisch anhand der Emigranten, die bei Universal untergekommen waren, welche künstlerischen und ökonomischen Beiträge sie zur Filmproduktion Hollywoods leisteten. Er beschreibt sehr anschaulich, differenziert und kenntnisreich, wie die Exilanten, die in den USA stets Spezialisten für Filme mit europäischem Hintergrund blieben, ihre im deutschen Film entwickelten ästhetischen Konzeptionen an den amerikanischen Publikumsgeschmack und die Erfordernisse der Filmindustrie anpassten und wie sich die Erfahrung des Exils auf ihre Filme auswirkte.
In seinem Nachwort schildert der Autor, dass er beim Universal Studio Archive zuletzt 100 Dollar pro Stunde Recherche zahlen sollte. Diese unglaublichen Gebühren, die wissenschaftliche Arbeit faktisch verhindern, führten dazu, dass Asper die Archivalien nur teilweise auswerten konnte und das Buch heute nicht den Umfang hat, der ursprünglich vorgesehen war. Sein Filmexilanten im Universal Studio 1933 - 1960 ist dennoch ein ganz vortreffliches Buch geworden. Vorbildliche Filmgeschichtsschreibung.
(Stefan Otto)
Das Trio Joe Pasternak aus Ungarn, Henry Koster (eigentlich Hermann Kosterlitz) aus Berlin und Felix Jackson (Felix Joachimson) aus Hamburg entdeckte 1936 Deanna Durbin und machte sie zu Universals größtem Musical-Star; Robert Siodmak aus Dresden inszenierte dort seine berühmten Filme der "Schwarzen Serie", sein Bruder Curt (Kurt) gestaltete die Horror- und Mystery-Filme von Universal entscheidend mit; Filmkomponist Hans J. Salter aus Wien prägte über 30 Jahre das musikalische Gesicht der Universal-Filme; und nicht zuletzt etablierte sich Douglas Sirk (Detlef Sierck) mit seinen Melodramen ab 1950 als wichtigster Hausregisseur des Studios. Die Berlinerin Marlene Dietrich feierte dort 1939 ihr Comeback in der Westernkomödie Destry Rides Again, und nahezu die halbe Filmemigration spielte 1943 in dem von Fritz Kortner geschriebenen Anti-Nazi-Film The Strange Death of Adolf Hitler.
Exil-Experte Helmut G. Asper ("Etwas Besseres als den Tod ..." - Filmexil in Hollywood) zeigt exemplarisch anhand der Emigranten, die bei Universal untergekommen waren, welche künstlerischen und ökonomischen Beiträge sie zur Filmproduktion Hollywoods leisteten. Er beschreibt sehr anschaulich, differenziert und kenntnisreich, wie die Exilanten, die in den USA stets Spezialisten für Filme mit europäischem Hintergrund blieben, ihre im deutschen Film entwickelten ästhetischen Konzeptionen an den amerikanischen Publikumsgeschmack und die Erfordernisse der Filmindustrie anpassten und wie sich die Erfahrung des Exils auf ihre Filme auswirkte.
In seinem Nachwort schildert der Autor, dass er beim Universal Studio Archive zuletzt 100 Dollar pro Stunde Recherche zahlen sollte. Diese unglaublichen Gebühren, die wissenschaftliche Arbeit faktisch verhindern, führten dazu, dass Asper die Archivalien nur teilweise auswerten konnte und das Buch heute nicht den Umfang hat, der ursprünglich vorgesehen war. Sein Filmexilanten im Universal Studio 1933 - 1960 ist dennoch ein ganz vortreffliches Buch geworden. Vorbildliche Filmgeschichtsschreibung.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Filmexilanten im Universal Studio 1933 – 1960
Autor:
Helmut G. Asper
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
317
Verlag:
Bertz + Fischer
ISBN:
3-86505-163-4
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