Von einer Zeit, in der Amerika von Europa lernen durfte
Ein neues Buch aus dem Taschen Verlag beansprucht seit Neuestem seinen Platz in den Bücherregalen wahrer Cineasten: Mit Filme der 60er finden die bereits erschienen Werke Filme der 90er, Filme der 80er und Filme der 70er – vorerst – ihren Schlusspunkt. Jedes dieser Werke widmet sich ausschließlich einer Dekade; so auch Filme der 60er. Begonnen wird 1961 mit Billy Wilders urkomischen Ost-West Satire Eins, Zwei, Drei und endet 1970 mit der bittermelancholischen Verfilmung von Thomas Manns Tod in Venedig.
Was soll man über ein Buch sagen, dass ein Teil einer ganzen Reihe ist: Auch dieses Mal heißt der Herausgeber Jürgen Müller. Und, es war nicht anders zu erwarten, auch dieses Werk ist ein wahrer Augenschmaus mit ausnahmslos schönen Filmfotos und dem bewährt ansprechenden Layout. Frei nach dem Motto „never change a winning team“ wird jeder Film durch den obligatorischen Einführungstext näher beschrieben. Hinzu kommt ein Glossar, der wahlweise Informationen zum Regisseur, zu einem der Darsteller, zum Genre oder zu einem filmtechnischen Bergriff beinhaltet. Für alle die auf Partys gerne mit ihrem Filmwissen glänzen und sich für Daten und Fakten interessieren, schließt sich eine Liste aller zwischen 1961 und 1970 verliehenen Oscars in sämtlichen Kategorien an. So weit, so gut.
Natürlich ließe sich darüber streiten, ob die Filmauswahl, die Jürgen Müller getroffen hat, tatsächlich das Kino der 60er widerspiegelt und nicht womöglich der ein oder andere Klassiker fehlen mag. Auch ließe sich darüber diskutieren, ob 113 Filme tatsächlich repräsentativ sind für ein ganzes Jahrzehnt. Doch es lässt sich nicht darüber diskutieren, dass dieses Buch es schafft wenigstens einen guten Eindruck über eine der womöglich bewegtesten Dekaden der Filmgeschichte zu vermitteln und viele der aufgeführten Filme bis heute zu den meist gespielten gehören und regelrechten Kultstatus erlangt haben.
Die 60er waren das Jahrzehnt in dem der cineastische Blick nach Europa gerichtet war. Unterdessen kämpften in den USA die Major-Studios gegen drohende Pleiten. Massenentlassungen nahmen Hollywood den Glanz und der Vormarsch der TV-Produktionen der Filmbranche die Gloria. Auch politische Ereignisse wie der Vietnam-Krieg spielen in dem Fiasko eine entscheidende Rolle. Es sind die Europäer – allen voran die Franzosen mit Francois Truffaut, Claude Chabrol und Jean-Luc Godard und die Italiener mit Frederico Fellini, Luchino Visconti und Michelangelo Antonioni – die der Filmlandschaft neue Impulse liefern und das Kino bis heute nachhaltig verändert und geprägt haben. Selbst das uramerikanische Genre, der Western, wird durch einen Italiener revolutioniert: „Für eine handvoll Dollar, mit einem bis dahin in Europa völlig unbekannten Amerikaner namens Clint Eastwood in der Hauptrolle und gedreht in Andalusien, ersetz den aufrechten Westerner durch einen zwielichtigen Pistolero, dessen bevorzugte Kommunikationsmittel ein ewig brennender Zigarillo und ein Revolver sind. Dem sich bis dahin nur zögernd verändernden Genre verpassen die respektlosen Europäer mit dem nur wenige Jahre andauernden Phänomen des Spaghetti-Westerns eine Verjüngungskur – und verhelfen Hollywood nebenbei zu einem seiner größten Schauspiel- und Regiestars aller Zeiten.“, bringt es Jürgen Müller auf den Punkt.
Doch damit nicht genug: Wen interessiert, dass auch das europäische Selbstverständnis der Filmemacher die Amerikaner nachhaltig beeinflusste, die neue unstatische Kameraführung das Kino revolutionierte und die Themen der Filme wie Revolution, Revolte, Emanzipation und Befreiung von althergebrachten Konventionen das neue Lebensgefühl widerspiegelte, sollte sich das intelligent und präzise geschriebene Vorwort zu Gemüte führen. Denn eins ist Filme der 60er mit Sicherheit: Ein wunderbares Nachschlagewerk, in dem man einfach stundenlang schmökern und herum blättern kann.
Kurz und gut: Lesen Sie! Genießen Sie! Und tun Sie es vor allem schnell. Denn der Band über das Kino der 50er erscheint bereits im März....
(Jasmin Haery)
Was soll man über ein Buch sagen, dass ein Teil einer ganzen Reihe ist: Auch dieses Mal heißt der Herausgeber Jürgen Müller. Und, es war nicht anders zu erwarten, auch dieses Werk ist ein wahrer Augenschmaus mit ausnahmslos schönen Filmfotos und dem bewährt ansprechenden Layout. Frei nach dem Motto „never change a winning team“ wird jeder Film durch den obligatorischen Einführungstext näher beschrieben. Hinzu kommt ein Glossar, der wahlweise Informationen zum Regisseur, zu einem der Darsteller, zum Genre oder zu einem filmtechnischen Bergriff beinhaltet. Für alle die auf Partys gerne mit ihrem Filmwissen glänzen und sich für Daten und Fakten interessieren, schließt sich eine Liste aller zwischen 1961 und 1970 verliehenen Oscars in sämtlichen Kategorien an. So weit, so gut.
Natürlich ließe sich darüber streiten, ob die Filmauswahl, die Jürgen Müller getroffen hat, tatsächlich das Kino der 60er widerspiegelt und nicht womöglich der ein oder andere Klassiker fehlen mag. Auch ließe sich darüber diskutieren, ob 113 Filme tatsächlich repräsentativ sind für ein ganzes Jahrzehnt. Doch es lässt sich nicht darüber diskutieren, dass dieses Buch es schafft wenigstens einen guten Eindruck über eine der womöglich bewegtesten Dekaden der Filmgeschichte zu vermitteln und viele der aufgeführten Filme bis heute zu den meist gespielten gehören und regelrechten Kultstatus erlangt haben.
Die 60er waren das Jahrzehnt in dem der cineastische Blick nach Europa gerichtet war. Unterdessen kämpften in den USA die Major-Studios gegen drohende Pleiten. Massenentlassungen nahmen Hollywood den Glanz und der Vormarsch der TV-Produktionen der Filmbranche die Gloria. Auch politische Ereignisse wie der Vietnam-Krieg spielen in dem Fiasko eine entscheidende Rolle. Es sind die Europäer – allen voran die Franzosen mit Francois Truffaut, Claude Chabrol und Jean-Luc Godard und die Italiener mit Frederico Fellini, Luchino Visconti und Michelangelo Antonioni – die der Filmlandschaft neue Impulse liefern und das Kino bis heute nachhaltig verändert und geprägt haben. Selbst das uramerikanische Genre, der Western, wird durch einen Italiener revolutioniert: „Für eine handvoll Dollar, mit einem bis dahin in Europa völlig unbekannten Amerikaner namens Clint Eastwood in der Hauptrolle und gedreht in Andalusien, ersetz den aufrechten Westerner durch einen zwielichtigen Pistolero, dessen bevorzugte Kommunikationsmittel ein ewig brennender Zigarillo und ein Revolver sind. Dem sich bis dahin nur zögernd verändernden Genre verpassen die respektlosen Europäer mit dem nur wenige Jahre andauernden Phänomen des Spaghetti-Westerns eine Verjüngungskur – und verhelfen Hollywood nebenbei zu einem seiner größten Schauspiel- und Regiestars aller Zeiten.“, bringt es Jürgen Müller auf den Punkt.
Doch damit nicht genug: Wen interessiert, dass auch das europäische Selbstverständnis der Filmemacher die Amerikaner nachhaltig beeinflusste, die neue unstatische Kameraführung das Kino revolutionierte und die Themen der Filme wie Revolution, Revolte, Emanzipation und Befreiung von althergebrachten Konventionen das neue Lebensgefühl widerspiegelte, sollte sich das intelligent und präzise geschriebene Vorwort zu Gemüte führen. Denn eins ist Filme der 60er mit Sicherheit: Ein wunderbares Nachschlagewerk, in dem man einfach stundenlang schmökern und herum blättern kann.
Kurz und gut: Lesen Sie! Genießen Sie! Und tun Sie es vor allem schnell. Denn der Band über das Kino der 50er erscheint bereits im März....
(Jasmin Haery)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Filme der 60er
Autor:
Jürgen Müller (Hg.)
Erscheinungsdatum:
2004
Seiten:
640
Verlag:
Taschen Verlag
ISBN:
3-8228-2797-5
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