Wanderer zwischen den Welten
Das mexikanische Kino sorgt seit Kassenschlagern wie Y tu mamá también oder Amores perros, die sich auch auf dem internationalen Markt sehr erfolgreich zeigten, für großen Medienrummel. Schauspieler Gael García Bernal wurde über Nacht zur Galionsfigur eines Neuen Mexikanischen Kinos und ist seither – ebenso wie die Regisseure Alfonso Cuarón, Alejandro González Iñárritu und Guillermo del Toro – als Grenzgänger zwischen den Kinonationen oder, wie die Autoren von Die jungen Mexikaner immer wieder hervorheben, als "Wanderer zwischen den Welten" nicht mehr wegzudenken aus der internationalen Filmwirtschaft. Das 15. Heft der Münchner Film-Konzepte, widmet sich dem zeitgenössischen Kino Mexikos, das von diesen Darstellern und Machern geprägt ist, und vereint Kurzbeiträge zu allen wichtigen Akteuren rund um das Nuevo Cine Mexicano.
Dabei spielen die Beteiligten an der Trias von Alejandro González Iñárritu, welche die Filme Amores Perros, 21 Gramm[ und Babel umfasst, eine große Rolle. Jeweils ein Beitrag ist Regisseur Iñárritu, Drehbuchautor Arriaga sowie Schauspieler Bernal gewidmet, so dass die Filme von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Besonders hervor sticht der Beitrag von Roman Mauer zu Filmemacher Iñárritu, der dessen filmischen Debüts sowie den Beitrag zum Omnibusfilm 11‘09‘’01 – September 11 beschreibt und mit analytischer Schärfe vor allem die genannte Kult-Trilogie untersucht. Mauer liefert dichte Kurzinterpretationen der drei Spielfilme und bettet sie in die erzählerische Tradition episodischer Narration einerseits sowie in die lateinamerikanische Filmgeschichte und insbesondere das sozialkritische Kino des Kontinents andererseits ein, wobei er Inhaltsangaben, Filmkritik und Hintergrundinformationen gekonnt ineinander fließen lässt.
Neben Iñárritu sind es vor allem Cuarón und del Toro, die sich über die mexikanischen Nationalgrenzen hinaus einen Namen gemacht haben und folglich ebenso einen Platz im Heft finden. Sascha Koebners Beitrag ist eine ausführliche Präsentation der Spielfilme von Guillermo del Toro. Dabei bleibt der Aufsatz allerdings häufig bei der bloßen, wenn auch sehr gut zu lesenden Nacherzählung der Filme, womit er sich gerade auch für Leser eignet, die einen Einstieg in del Toros Filmwelten suchen. Diese finden bei Cronos ihren Ausgangspunkt und reichen über Blade II und Hellboy sowie über die Filme zum Spanischen Bürgerkrieg, El espinazo del diablo und El laberinto del fauno, bis zu The Hobbit.
Eine Auseinandersetzung mit dem bisher eher kleinen Portfolio von Carlos Reygadas hätte man in einem eher kleinem Band wie diesem nicht unbedingt erwartet; doch komplettiert der Beitrag von Wolfgang Martin Hamdorf das Heft auf ideale Weise. Reygadas zählt zu den Neuentdeckungen und Festivallieblingen des Neuen Mexikanischen Kinos, ein guter Grund, seine Filme – Japón, Batalla en el cielo und Stellet Licht – näher zu beleuchten. Dies gelingt Hamdorf in einem meisterlichen Spagat zwischen Filmkritik und film(histor)ischer Verankerung des Regisseurs. Ebenso erreicht Dominique Henz mit ihrem Beitrag über die mexikanische Schauspielerin Salma Hayek eine facettenreiche Darstellung von Biografie einerseits und der Filmgeschichte der chicanos andererseits. In kurzen Filmbeschreibungen kommt sie immer wieder auf den Kern ihres Aufsatzes, das (Nicht-)Stereotypenhafte an Hayeks Frauenfiguren: Hayek ist nicht mehr nur das Dienstmädchen oder die Prostituierte, die Latina, sondern spielt mit den chicana-Klischees.
Der Band hält, was die Film-Konzepte versprechen: Er portraitiert Filmschaffende – in diesem Fall nicht thematisch, sondern national und dabei über den nationalen Kontext hinaus. Immer wieder geht es auch um die Frage, was die Mexikaner aus ihrer Rolle als Wanderer zwischen den Welten machen: In Mexiko wird der braindrain des mexikanischen Filmpersonals grundsätzlich misstrauisch beäugt; doch erreichen die Akteure des mexikanischen Gegenwartsfilms, so scheint es, gerade durch die Transkulturalität ihre Stärke. Wer also mehr über das zeitgenössische Kino aus Mexiko erfahren will, hat in diesem Band ein kurzes, aber dichtes Kompendium des Nuevo Cine Mexicano gefunden.
(Verena Schmöller)
Dabei spielen die Beteiligten an der Trias von Alejandro González Iñárritu, welche die Filme Amores Perros, 21 Gramm[ und Babel umfasst, eine große Rolle. Jeweils ein Beitrag ist Regisseur Iñárritu, Drehbuchautor Arriaga sowie Schauspieler Bernal gewidmet, so dass die Filme von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Besonders hervor sticht der Beitrag von Roman Mauer zu Filmemacher Iñárritu, der dessen filmischen Debüts sowie den Beitrag zum Omnibusfilm 11‘09‘’01 – September 11 beschreibt und mit analytischer Schärfe vor allem die genannte Kult-Trilogie untersucht. Mauer liefert dichte Kurzinterpretationen der drei Spielfilme und bettet sie in die erzählerische Tradition episodischer Narration einerseits sowie in die lateinamerikanische Filmgeschichte und insbesondere das sozialkritische Kino des Kontinents andererseits ein, wobei er Inhaltsangaben, Filmkritik und Hintergrundinformationen gekonnt ineinander fließen lässt.
Neben Iñárritu sind es vor allem Cuarón und del Toro, die sich über die mexikanischen Nationalgrenzen hinaus einen Namen gemacht haben und folglich ebenso einen Platz im Heft finden. Sascha Koebners Beitrag ist eine ausführliche Präsentation der Spielfilme von Guillermo del Toro. Dabei bleibt der Aufsatz allerdings häufig bei der bloßen, wenn auch sehr gut zu lesenden Nacherzählung der Filme, womit er sich gerade auch für Leser eignet, die einen Einstieg in del Toros Filmwelten suchen. Diese finden bei Cronos ihren Ausgangspunkt und reichen über Blade II und Hellboy sowie über die Filme zum Spanischen Bürgerkrieg, El espinazo del diablo und El laberinto del fauno, bis zu The Hobbit.
Eine Auseinandersetzung mit dem bisher eher kleinen Portfolio von Carlos Reygadas hätte man in einem eher kleinem Band wie diesem nicht unbedingt erwartet; doch komplettiert der Beitrag von Wolfgang Martin Hamdorf das Heft auf ideale Weise. Reygadas zählt zu den Neuentdeckungen und Festivallieblingen des Neuen Mexikanischen Kinos, ein guter Grund, seine Filme – Japón, Batalla en el cielo und Stellet Licht – näher zu beleuchten. Dies gelingt Hamdorf in einem meisterlichen Spagat zwischen Filmkritik und film(histor)ischer Verankerung des Regisseurs. Ebenso erreicht Dominique Henz mit ihrem Beitrag über die mexikanische Schauspielerin Salma Hayek eine facettenreiche Darstellung von Biografie einerseits und der Filmgeschichte der chicanos andererseits. In kurzen Filmbeschreibungen kommt sie immer wieder auf den Kern ihres Aufsatzes, das (Nicht-)Stereotypenhafte an Hayeks Frauenfiguren: Hayek ist nicht mehr nur das Dienstmädchen oder die Prostituierte, die Latina, sondern spielt mit den chicana-Klischees.
Der Band hält, was die Film-Konzepte versprechen: Er portraitiert Filmschaffende – in diesem Fall nicht thematisch, sondern national und dabei über den nationalen Kontext hinaus. Immer wieder geht es auch um die Frage, was die Mexikaner aus ihrer Rolle als Wanderer zwischen den Welten machen: In Mexiko wird der braindrain des mexikanischen Filmpersonals grundsätzlich misstrauisch beäugt; doch erreichen die Akteure des mexikanischen Gegenwartsfilms, so scheint es, gerade durch die Transkulturalität ihre Stärke. Wer also mehr über das zeitgenössische Kino aus Mexiko erfahren will, hat in diesem Band ein kurzes, aber dichtes Kompendium des Nuevo Cine Mexicano gefunden.
(Verena Schmöller)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Film-Konzepte 15: Die jungen Mexikaner
Erscheinungsort:
München
Erscheinungsdatum:
2009
Seiten:
111
Verlag:
edition text + kritik
ISBN:
987-3-86916-025-2
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