Fernes Land. Die DDR, die DEFA und der Ruf des Chimborazo
Kinostart:
25.05.2005
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Von Sachsen nach Südamerika
"Wäre ich doch Forschungsreisender geworden! Und hätte mir nicht - als Alternative zur Welterkundung - den Beruf Filmregisseur suchen müssen. Vasco da Gama, Cook, Magalhaes, Krusenstern, Forster und Humboldt, die hatten was erlebt. Afrika, die Südsee, der Amazonas. Das konnte nichts werden, wo schon der Westen Deutschlands unerreichbar war."
Rainer Simon, 1941 in Hainichen (Sachsen) geboren, DDR-Bürger solange die DDR bestand, war nie in Cannes, konnte jedoch 1985 in West-Berlin den Goldenen Bären für seinen Film Die Frau und der Fremde entgegennehmen und 1988 in Ecuador Die Besteigung des Chimborazo drehen. "Zwei Monate nach der Premiere des Films fiel die Mauer, und ich konnte früher zum Chimborazo zurückkehren, als ich in meinen kühnsten Träumen erhofft hatte."
Für seine jüngst im Aufbau-Taschenbuch-Verlag erschienene Autobiografie Fernes Land setzte Simon sich auch weniger angenehmen Erinnerungen aus. "Schon wenn ich die alten Aufzeichnungen lese", schreibt er im Kapitel über seinen freizügigen DEFA-Film Till Eulenspiegel, "die Abnahmeprotokolle, den Briefwechsel mit Studiodirektor Wilkening, HV-Einschätzungen, Filmkritiken und gar noch die Stasi-Akten, verhaken sich die Akteure von damals wieder in meinen Träumen." Der Regisseur beschreibt anschaulich das Leben und Filmen in der DDR, gesellschaftspolitische und private Ereignisse und die Mechanismen der DEFA. Er schreibt über Filme, die entstehen konnten (wie die Märchenfilme Wie heiratet man einen König und Sechse kommen durch die Welt, wie Das Luftschiff und Wengler & Söhne), über Projekte, die er absagen musste, und über die lange Verbotsgeschichte seines Films Jadup und Boel.
Fernes Land lässt schön verfolgen, wie Rainer Simon sich von Hainichen in Sachsen, über Drehorte in der DDR und über Spanien nach Südamerika bewegte. Der Leser spürt, dass der Filmemacher in Lateinamerika fand, wonach er suchte. Seit 1989 arbeitet Simon überwiegend in Ecuador, wo zuletzt seine Dokumentarfilme Die Farben von Tigua, Mit Fischen und Vögeln reden und Der Ruf des Fayu Ujmu entstanden. Bedauerlich nur, dass das lesenswerte Buch weder ein Register noch ein Inhaltsverzeichnis enthält.
(Stefan Otto)
Rainer Simon, 1941 in Hainichen (Sachsen) geboren, DDR-Bürger solange die DDR bestand, war nie in Cannes, konnte jedoch 1985 in West-Berlin den Goldenen Bären für seinen Film Die Frau und der Fremde entgegennehmen und 1988 in Ecuador Die Besteigung des Chimborazo drehen. "Zwei Monate nach der Premiere des Films fiel die Mauer, und ich konnte früher zum Chimborazo zurückkehren, als ich in meinen kühnsten Träumen erhofft hatte."
Für seine jüngst im Aufbau-Taschenbuch-Verlag erschienene Autobiografie Fernes Land setzte Simon sich auch weniger angenehmen Erinnerungen aus. "Schon wenn ich die alten Aufzeichnungen lese", schreibt er im Kapitel über seinen freizügigen DEFA-Film Till Eulenspiegel, "die Abnahmeprotokolle, den Briefwechsel mit Studiodirektor Wilkening, HV-Einschätzungen, Filmkritiken und gar noch die Stasi-Akten, verhaken sich die Akteure von damals wieder in meinen Träumen." Der Regisseur beschreibt anschaulich das Leben und Filmen in der DDR, gesellschaftspolitische und private Ereignisse und die Mechanismen der DEFA. Er schreibt über Filme, die entstehen konnten (wie die Märchenfilme Wie heiratet man einen König und Sechse kommen durch die Welt, wie Das Luftschiff und Wengler & Söhne), über Projekte, die er absagen musste, und über die lange Verbotsgeschichte seines Films Jadup und Boel.
Fernes Land lässt schön verfolgen, wie Rainer Simon sich von Hainichen in Sachsen, über Drehorte in der DDR und über Spanien nach Südamerika bewegte. Der Leser spürt, dass der Filmemacher in Lateinamerika fand, wonach er suchte. Seit 1989 arbeitet Simon überwiegend in Ecuador, wo zuletzt seine Dokumentarfilme Die Farben von Tigua, Mit Fischen und Vögeln reden und Der Ruf des Fayu Ujmu entstanden. Bedauerlich nur, dass das lesenswerte Buch weder ein Register noch ein Inhaltsverzeichnis enthält.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Fernes Land. Die DDR, die DEFA und der Ruf des Chimborazo
Autor:
Rainer Simon
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2005
Seiten:
342
Verlag:
Aufbau Taschenbuch Verlag
ISBN:
3-7466-2156-9
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