Er rührte an den Schlaf der Welt - Ernst Busch - Die Biographie
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Der Rote Orpheus
Als Ernst Busch (geb. 1900) 1980 gestorben war, war in den Nachrufen auf ihn die Rede vom "größten Sänger dieses Jahrhunderts", von der "Eisernen Lerche der deutschen Arbeiter", von einem Revolutionär vom Format eines Danton oder Che Guevara. Die Berliner Tageszeitung Neues Deutschland, das "Organ des Zentralkomitees der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands" nahm in den ersten drei Wochen nach seinem Tod Busch gleich sechsmal auf die Titelseite.
Der Trauerakt fand in der Akademie der Künste in Berlin statt. "Die DDR ehrte den großen Volkssänger Ernst Busch" lautete anderntags der Aufmacher in der Zeitung, und auf dem begleitenden Foto waren Erich und Margot Honecker sowie der Akademiepräsident und Regisseur Konrad Wolf in der ersten Reihe zu sehen. Das "herbe glückliche Leben des Arbeiters Ernst Busch", erklärte Wolf in seiner Trauerrede, habe vieles erfahren: "Hass der Feinde, Liebe der Genossen" und den "Ruhm schon zu Lebzeiten".
Busch war ein Sänger und Schauspieler, der zur politischen Ikone und zum künstlerischen Aushängeschild eines autoritären Regimes wurde. Dass er im Osten als staatstragendes Symbol vereinnahmt werden und zugleich einem großen Publikum außerhalb der DDR als Projektionsfläche für unerfüllte politische Wünsche und rebellische Hoffnungen dienen konnte, macht die Ambivalenz der Busch-Legende aus, die Jochen Voit in seiner umfänglichen Biografie aufdröselt.
Sein Busch-Buch beruht auf seiner Dissertation und bietet die entsprechende Fülle an Informationen sowie Fußnoten, die sich allein über gut 100 Seiten erstrecken. Die Biografie ist jedoch nicht so anstrengend zu lesen wie manch andere Doktorarbeit und lohnt die Lektüre nicht nur für diejenigen, die erfahren möchten, nach wem die berühmte Berliner Hochschule für Schauspielkunst, zu deren Absolventen unter anderem August Diehl, Karoline Herfurth und Devid Striesow zählen, eigentlich benannt ist.
In Er rührte an den Schlaf der Welt porträtiert Voit einen Mann, der es mit Zwischentönen nicht besonders hatte. "Was er braucht, sind klare Verhältnisse. Für ihn gibt es nur oben oder unten, links oder rechts, Freund oder Feind." Einen Sänger mit metallischem Organ und proletarischer Aura, der in den Filmen, in denen er spielt, meistens auch singt, in G. W. Pabsts Dreigroschenoper, zum Beispiel, in Slatan Dudows Kuhle Wampe oder Konrad Wolfs Ich war neunzehn. Seine von Irrwegen durchaus nicht freien Gratwanderungen zwischen Politik und Kunst, Ideologie und Unterhaltung beschreibt Voit vorzüglich und legt dabei offen, was den Menschen Busch auszeichnete und wo der Putz aufgetragen wurde, der aus ihm ein sozialistisches Denkmal hat werden lassen.
(Stefan Otto)
Der Trauerakt fand in der Akademie der Künste in Berlin statt. "Die DDR ehrte den großen Volkssänger Ernst Busch" lautete anderntags der Aufmacher in der Zeitung, und auf dem begleitenden Foto waren Erich und Margot Honecker sowie der Akademiepräsident und Regisseur Konrad Wolf in der ersten Reihe zu sehen. Das "herbe glückliche Leben des Arbeiters Ernst Busch", erklärte Wolf in seiner Trauerrede, habe vieles erfahren: "Hass der Feinde, Liebe der Genossen" und den "Ruhm schon zu Lebzeiten".
Busch war ein Sänger und Schauspieler, der zur politischen Ikone und zum künstlerischen Aushängeschild eines autoritären Regimes wurde. Dass er im Osten als staatstragendes Symbol vereinnahmt werden und zugleich einem großen Publikum außerhalb der DDR als Projektionsfläche für unerfüllte politische Wünsche und rebellische Hoffnungen dienen konnte, macht die Ambivalenz der Busch-Legende aus, die Jochen Voit in seiner umfänglichen Biografie aufdröselt.
Sein Busch-Buch beruht auf seiner Dissertation und bietet die entsprechende Fülle an Informationen sowie Fußnoten, die sich allein über gut 100 Seiten erstrecken. Die Biografie ist jedoch nicht so anstrengend zu lesen wie manch andere Doktorarbeit und lohnt die Lektüre nicht nur für diejenigen, die erfahren möchten, nach wem die berühmte Berliner Hochschule für Schauspielkunst, zu deren Absolventen unter anderem August Diehl, Karoline Herfurth und Devid Striesow zählen, eigentlich benannt ist.
In Er rührte an den Schlaf der Welt porträtiert Voit einen Mann, der es mit Zwischentönen nicht besonders hatte. "Was er braucht, sind klare Verhältnisse. Für ihn gibt es nur oben oder unten, links oder rechts, Freund oder Feind." Einen Sänger mit metallischem Organ und proletarischer Aura, der in den Filmen, in denen er spielt, meistens auch singt, in G. W. Pabsts Dreigroschenoper, zum Beispiel, in Slatan Dudows Kuhle Wampe oder Konrad Wolfs Ich war neunzehn. Seine von Irrwegen durchaus nicht freien Gratwanderungen zwischen Politik und Kunst, Ideologie und Unterhaltung beschreibt Voit vorzüglich und legt dabei offen, was den Menschen Busch auszeichnete und wo der Putz aufgetragen wurde, der aus ihm ein sozialistisches Denkmal hat werden lassen.
(Stefan Otto)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Er rührte an den Schlaf der Welt - Ernst Busch - Die Biographie
Autor:
Jochen Voit
Erscheinungsort:
Berlin
Erscheinungsdatum:
2010
Seiten:
515
Verlag:
Aufbau
ISBN:
978-3-351-02716-2
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