Einführung in die Filmgeschichte: New Hollywood bis Dogma 95 (Filmgeschichte Bd. 3)
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Von hier aus in die Vergangenheit der bewegten Bilder
Wenn man dieses rund 520 Seiten starke und dementsprechend schwere Buch in Händen hält, kommt man nicht umhin, sich erst einmal kräftig zu wundern. Band 3 einer Einführung in die Filmgeschichte will das Buch sein. Doch so sehr man auch im Gedächtnis nachforscht: An Band 1 und Band 2 dieser auf den ersten Blick sehr kenntnisreichen und gut geschriebenen Filmgeschichte will man sich einfach nicht erinnern – wird man langsam alt und vergesslich, nagt der Zahn der Zeit am Hirn?
Ein Blick in die Einführung des Buches lüftet das Geheimnis der fehlenden zwei Bücher. In einer Fußnote steht dort zu lesen: "Neulingen den Einstieg in die Filmgeschichte zu erleichtern, ist auch der Grund, warum wir uns für eine chronologisch rückwärtslaufende Publikationsreihenfolge der drei Bücher entschieden haben. Erfahrungsgemäß ist gerade jungen Lesern das Gegenwartskino nicht nur vertrauter, sondern löst auch mehr Begeisterung aus als die vermeintlich spröden Kurz- und Stummfilme aus den Anfängen der Kinogeschichte. So gesehen ist Band 3 auch als ein Appetitanreger gedacht, der das Interesse für die Ursprünge des Kinos und ältere Filmströmungen wecken soll." Zugegeben – die Argumentation für diese ungewöhnliche Vorgehensweise ist ebenso schlüssig wie verblüffend und macht neugierig, ob der Spagat zwischen filmwissenschaftlicher Akkuratesse und populärwissenschaftlichem Ansatz, der in seltener Weise die Verfassung und die Interessen der Leserschaft mit einbezieht, gelingen mag. Um es kurz zu machen: Das Kunststück gelingt.
Das Buch gliedert sich in fünf Themenblöcke, die die Zeit seit 1968 übersichtlich zusammenfassen: Im ersten Themenblock über "Erneuerungsbewegungen nach 1968" folgt einer Betrachtung über "Das politische Kino" natürlich ein Essay über "New Hollywood: Die Renaissance des amerikanischen Films" sowie Kapitel zu den Themen "Black Cinema USA","Der Neue Schweizer Film", "Der Neue Deutsche Film", "Das New British Cinema" und "Junges französisches Kino".
Der zweite Block Dritte Welt und Drittes Kino behandelt in Einzelkapiteln die Bereiche "Schwarzafrikanisches Kino", "Drittes Kino" und "Magischer Realismus im Film". Unter der Überschrift "Filmemachen unter politischer Zensur", die den dritten Teil des Buches markiert, finden sich Beiträge zum polnischen ("Das Kino der moralischen Unruhe in Polen") und zum iranischen Kino ("Iranisches Kino seit 1979") sowie zum Film im Reich der Mitte ("Filmschaffen in der Volksrepublik China nach 1982"). Beim vierten Themenfeld "Gender und Sexualität" finden sich zwei Beiträge zu "Der feministische Film seit den Siebzigerjahren" und zu "Queer Cinema: Schwullesbisches Filmschaffen seit den Achtzigerjahren".
Ein sehr ausführlicher Bereich widmet sich dem Thema "Postmoderne und Kino der Attraktionen" und beschreibt neben „Postmoderne und Film“ auch so interessante und nach wie vor aktuelle Teilbereiche wie "Blockbuster und High Concept: Hollywoods Mainstreamkino nach 1975", "Das moderne Hongkong Kino", "’Bollywood’: Das kommerzielle Hindi-Kino in Indien" sowie die Veränderungen durch "Digitales Kino". Im sechsten und letzten Themenblock des Buches mit dem Titel "Unabhängigkeit und Selbstbeschränkung" widmen sich die zwei abschließenden Kapitel den "US-Independents" und "Dogme 95: Rückkehr zum Grundlegenden". Eine gründliche chronologische Ausarbeitung der letzten 40 Jahre, die alle wesentlichen Stationen behandelt, so dass man hier trotz notwendiger Auslassungen kaum etwas vermisst.
Erstaunlich an diesem Buch ist vor allem, wie sehr es den beiden Herausgebern Thomas Christen und Robert Blanchet gelingt, trotz zahlreicher Autoren niemals den Eindruck eines Sammelsuriums von Texten zu erwecken. Je nach Lust und Laune kann man dieses Buch am Stück lesen oder je nach Interesse sich immer wieder nur ein einzelnes Kapitel zu Gemüte führen. Man kann es immer wieder zur Hand nehmen und darin etwas nachschauen und die ausführlichen Bibliographien am Ende jedes Kapitels laden zur weiteren Beschäftigung mit der Filmgeschichte, die selten so spannend und informativ umgesetzt war wie in diesem Buch, dass das Zeug zu einem Standardwerk hat. Dies ist umso erfreulicher, da man bislang fast ausschließlich auf amerikanische Werke zurückgreifen musste oder nahezu allen filmgeschichtlichen Abhandlungen älteren Datums waren. Mit dem hier vorliegenden Buch wird also eine Lücke geschlossen. Und man darf sich schon auf die nächsten beiden Bände freuen.
(Joachim Kurz)
Ein Blick in die Einführung des Buches lüftet das Geheimnis der fehlenden zwei Bücher. In einer Fußnote steht dort zu lesen: "Neulingen den Einstieg in die Filmgeschichte zu erleichtern, ist auch der Grund, warum wir uns für eine chronologisch rückwärtslaufende Publikationsreihenfolge der drei Bücher entschieden haben. Erfahrungsgemäß ist gerade jungen Lesern das Gegenwartskino nicht nur vertrauter, sondern löst auch mehr Begeisterung aus als die vermeintlich spröden Kurz- und Stummfilme aus den Anfängen der Kinogeschichte. So gesehen ist Band 3 auch als ein Appetitanreger gedacht, der das Interesse für die Ursprünge des Kinos und ältere Filmströmungen wecken soll." Zugegeben – die Argumentation für diese ungewöhnliche Vorgehensweise ist ebenso schlüssig wie verblüffend und macht neugierig, ob der Spagat zwischen filmwissenschaftlicher Akkuratesse und populärwissenschaftlichem Ansatz, der in seltener Weise die Verfassung und die Interessen der Leserschaft mit einbezieht, gelingen mag. Um es kurz zu machen: Das Kunststück gelingt.
Das Buch gliedert sich in fünf Themenblöcke, die die Zeit seit 1968 übersichtlich zusammenfassen: Im ersten Themenblock über "Erneuerungsbewegungen nach 1968" folgt einer Betrachtung über "Das politische Kino" natürlich ein Essay über "New Hollywood: Die Renaissance des amerikanischen Films" sowie Kapitel zu den Themen "Black Cinema USA","Der Neue Schweizer Film", "Der Neue Deutsche Film", "Das New British Cinema" und "Junges französisches Kino".
Der zweite Block Dritte Welt und Drittes Kino behandelt in Einzelkapiteln die Bereiche "Schwarzafrikanisches Kino", "Drittes Kino" und "Magischer Realismus im Film". Unter der Überschrift "Filmemachen unter politischer Zensur", die den dritten Teil des Buches markiert, finden sich Beiträge zum polnischen ("Das Kino der moralischen Unruhe in Polen") und zum iranischen Kino ("Iranisches Kino seit 1979") sowie zum Film im Reich der Mitte ("Filmschaffen in der Volksrepublik China nach 1982"). Beim vierten Themenfeld "Gender und Sexualität" finden sich zwei Beiträge zu "Der feministische Film seit den Siebzigerjahren" und zu "Queer Cinema: Schwullesbisches Filmschaffen seit den Achtzigerjahren".
Ein sehr ausführlicher Bereich widmet sich dem Thema "Postmoderne und Kino der Attraktionen" und beschreibt neben „Postmoderne und Film“ auch so interessante und nach wie vor aktuelle Teilbereiche wie "Blockbuster und High Concept: Hollywoods Mainstreamkino nach 1975", "Das moderne Hongkong Kino", "’Bollywood’: Das kommerzielle Hindi-Kino in Indien" sowie die Veränderungen durch "Digitales Kino". Im sechsten und letzten Themenblock des Buches mit dem Titel "Unabhängigkeit und Selbstbeschränkung" widmen sich die zwei abschließenden Kapitel den "US-Independents" und "Dogme 95: Rückkehr zum Grundlegenden". Eine gründliche chronologische Ausarbeitung der letzten 40 Jahre, die alle wesentlichen Stationen behandelt, so dass man hier trotz notwendiger Auslassungen kaum etwas vermisst.
Erstaunlich an diesem Buch ist vor allem, wie sehr es den beiden Herausgebern Thomas Christen und Robert Blanchet gelingt, trotz zahlreicher Autoren niemals den Eindruck eines Sammelsuriums von Texten zu erwecken. Je nach Lust und Laune kann man dieses Buch am Stück lesen oder je nach Interesse sich immer wieder nur ein einzelnes Kapitel zu Gemüte führen. Man kann es immer wieder zur Hand nehmen und darin etwas nachschauen und die ausführlichen Bibliographien am Ende jedes Kapitels laden zur weiteren Beschäftigung mit der Filmgeschichte, die selten so spannend und informativ umgesetzt war wie in diesem Buch, dass das Zeug zu einem Standardwerk hat. Dies ist umso erfreulicher, da man bislang fast ausschließlich auf amerikanische Werke zurückgreifen musste oder nahezu allen filmgeschichtlichen Abhandlungen älteren Datums waren. Mit dem hier vorliegenden Buch wird also eine Lücke geschlossen. Und man darf sich schon auf die nächsten beiden Bände freuen.
(Joachim Kurz)
DATEN & FAKTEN
ÜBERBLICK
Titel:
Einführung in die Filmgeschichte: New Hollywood bis Dogma 95 (Filmgeschichte Bd. 3)
Erscheinungsort:
Marburg
Erscheinungsdatum:
2008
Seiten:
520
Verlag:
Schüren Verlag
ISBN:
978-3-89472-498-6
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